Fachkräftemangel: Versicherer entwickeln Spezialisten zunehmend im eigenen Haus
Neue Fachkräfte zu gewinnen, wird für Versicherungsunternehmen immer schwieriger. Gleichzeitig steigen die Anforderungen in Bereichen wie Underwriting, Schadenmanagement oder betriebliche Altersversorgung. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb darauf, fehlende Expertise nicht ausschließlich einzukaufen, sondern gezielt im eigenen Haus aufzubauen.
Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte verändert die Personalstrategien vieler Versicherungsunternehmen. Während die Rekrutierung externer Spezialisten zunehmend schwieriger wird, rückt die interne Qualifizierung eigener Mitarbeiter stärker in den Mittelpunkt. Statt ausschließlich nach erfahrenen Experten am Arbeitsmarkt zu suchen, investieren Versicherer verstärkt in den systematischen Aufbau eigener Fachkompetenz.
Hintergrund ist ein doppelter Wandel: Einerseits erschwert der Fachkräftemangel die Besetzung spezialisierter Stellen. Andererseits steigen die Anforderungen an die Beschäftigten kontinuierlich. Neue regulatorische Vorgaben, komplexere Produkte und wachsende Erwartungen der Kunden verlangen nach immer stärker spezialisierten Mitarbeitern.
Personalentwicklung wird zur strategischen Aufgabe
Vor diesem Hintergrund gewinnt die betriebliche Weiterbildung an Bedeutung. Unternehmen setzen zunehmend auf Qualifizierungskonzepte, die Fachwissen gezielt im eigenen Haus aufbauen und langfristig sichern. „Die Anforderungen an die unterschiedlichen Spezialistinnen und Spezialisten in Versicherungsunternehmen sind heute vielfältiger denn je. Deshalb braucht es Qualifizierungsangebote, die sich flexibel an Rollenprofile, Vorkenntnisse und Unternehmensziele anpassen lassen“, sagt Victoria Durner, Produktreferentin der Deutschen Versicherungsakademie (DVA).
Nach Angaben der Akademie wächst insbesondere die Nachfrage nach individuell anpassbaren Inhouse-Schulungen. Statt standardisierter Weiterbildungsprogramme gewinnen modulare Konzepte an Bedeutung, die sich auf unterschiedliche Fachbereiche und Kompetenzprofile zuschneiden lassen.
Fachwissen soll im Unternehmen bleiben
Der Trend geht damit über klassische Fortbildungsangebote hinaus. Ziel ist es, Fachkarrieren gezielt zu entwickeln und Wissen dauerhaft im Unternehmen zu verankern. Die DVA setzt dabei auf ein modulares Cafeteria-System, mit dem Versicherer individuelle Lernpfade für unterschiedliche Fachgebiete zusammenstellen können. Die Bandbreite reicht von Underwriting und Schadenmanagement über die betriebliche Altersversorgung bis hin zur Kranken-, Pflege- oder Transportversicherung. Ergänzend lassen sich unternehmensspezifische Inhalte in die Schulungen integrieren. Je nach Bedarf können die Programme als Präsenzveranstaltung, digital oder in hybriden Formaten umgesetzt werden.
Recruiting allein reicht vielen Unternehmen nicht mehr
Nach Einschätzung der DVA verändert sich damit auch die Rolle der Personalentwicklung. Weiterbildung dient nicht mehr ausschließlich dem Erhalt vorhandener Qualifikationen, sondern wird zunehmend zu einem Instrument der Fachkräftesicherung. „Viele Versicherungsunternehmen möchten Fachwissen nicht ausschließlich über externe Rekrutierung sichern, sondern gezielt im eigenen Unternehmen entwickeln“, sagt Durner. Passgenaue Qualifizierungslösungen ließen sich dabei strategisch in bestehende Bildungsarchitekturen integrieren.
Der Aufbau eigener Spezialisten ist dabei nur eine von mehreren Strategien, mit denen Versicherungsunternehmen auf den anhaltenden Fachkräftemangel reagieren. Während einige Unternehmen verstärkt auf projektweise eingekaufte Expertise setzen und andere neue Wege bei der Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte beschreiten, gewinnt gleichzeitig die systematische Entwicklung eigener Talente an Bedeutung. Gemeinsam zeigen diese Ansätze, dass sich die Personalstrategien der Branche derzeit grundlegend verändern.
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