Nachwuchs bleibt Chefsache: Versicherer bauen Ausbildung weiter aus
Trotz eines verschärften Wettbewerbs um Schulabgänger investieren Versicherer weiter in die Ausbildung. LVM und Provinzial besetzen ihre Ausbildungsplätze vollständig und reagieren mit neuen Konzepten, digitalen Angeboten und einer gezielten Ansprache junger Talente auf die veränderten Rahmenbedingungen.
Der Wettbewerb um Nachwuchskräfte hat sich 2026 weiter verschärft. Weniger Schulabgänger, demografischer Wandel und veränderte Erwartungen junger Menschen stellen auch Versicherer vor neue Herausforderungen. Dennoch halten große Gesellschaften an ihrer Ausbildungsstrategie fest – und bauen sie teilweise sogar aus.
Ausbildung bleibt strategische Investition
Der Fachkräftemangel gehört seit Jahren zu den größten Herausforderungen der Versicherungswirtschaft. Umso bemerkenswerter ist es, dass mehrere Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen an ihren Ausbildungsprogrammen festhalten oder diese sogar ausweiten. So begrüßt die LVM Versicherung zum Ausbildungsstart insgesamt 66 neue Auszubildende und dual Studierende. Damit startet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit mehr Nachwuchskräften als im bisherigen Rekordjahr 2025. Die Provinzial stellt sogar 374 Nachwuchskräfte ein, darunter rund 39 dual Studierende. Die Zahlen verdeutlichen: Ausbildung bleibt für Versicherer ein zentrales Instrument der langfristigen Personalentwicklung.
Was hinter der sogenannten Abi-Lücke steckt
Erschwert wird die Nachwuchsgewinnung in diesem Jahr durch die sogenannte Abi-Lücke. Hintergrund ist die Rückkehr mehrerer Bundesländer vom achtjährigen Gymnasium (G8) zum neunjährigen Bildungsgang (G9). Dadurch fällt in einigen Ländern ein kompletter Abiturjahrgang weg oder fällt deutlich kleiner aus. Für Unternehmen bedeutet das: Die Zahl potenzieller Bewerber für Ausbildung und duales Studium sinkt vorübergehend spürbar. Sowohl LVM als auch Provinzial verweisen auf diese Entwicklung als einen Faktor, der den Wettbewerb um Nachwuchskräfte zusätzlich verschärft hat.
Neue Wege bei der Nachwuchsgewinnung
Um dennoch alle Ausbildungsplätze zu besetzen, haben die Versicherer ihre Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung ausgeweitet. Die LVM setzt unter anderem auf eine intensivere Zusammenarbeit mit Schulen, zusätzliche digitale Kampagnen sowie eine stärkere Präsenz auf Ausbildungs- und Karrieremessen. Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen neue Formate für Schülerinnen, Schüler und Studieninteressierte. Erstmals startet zudem ein eigenes Ausbildungskonzept für Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen mit Schwerpunkt Vertrieb.
Auch die Provinzial sieht Ausbildung zunehmend als strategische Zukunftsinvestition. Neben klassischen Ausbildungsberufen baut der Konzern seine dualen Studienangebote weiter aus und legt verstärkt Wert auf digitale Kompetenzen sowie sogenannte Future Skills.
Ausbildung verändert sich
Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich darum, offene Stellen zu besetzen. Versicherer reagieren zunehmend auf den technologischen Wandel, neue Kundenanforderungen und die fortschreitende Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Ausbildungsprogramme entwickeln sich entsprechend weiter und umfassen heute neben klassischen Versicherungskenntnissen verstärkt digitale Kompetenzen, Projektarbeit und bereichsübergreifendes Arbeiten. Gerade duale Studiengänge gewinnen dabei weiter an Bedeutung. Attraktive Vergütungen bleiben ein wichtiger Baustein im Wettbewerb um Nachwuchskräfte. Gleichzeitig investieren viele Versicherer zunehmend in moderne Ausbildungskonzepte, digitale Lernangebote und langfristige Entwicklungsperspektiven.
Demografischer Wandel erhöht den Handlungsdruck
Die aktuellen Ausbildungszahlen zeigen zugleich, dass sich die Branche auf dauerhaft veränderte Rahmenbedingungen einstellt. Der demografische Wandel wird den Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte auch in den kommenden Jahren verschärfen. Hinzu kommen veränderte Erwartungen junger Menschen an Arbeitgeber, flexible Arbeitsmodelle und Karrierewege. Für Versicherer gewinnt Ausbildung damit weiter an strategischer Bedeutung. Sie dient längst nicht mehr nur der Personalgewinnung, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Kampf um Fachkräfte.
Nachwuchs bleibt damit Chefsache – gerade in Zeiten, in denen qualifizierte Talente knapper werden.
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