Wettbewerb um IT-Fachkräfte: Versicherer suchen neue Wege

Veröffentlichung: 20.07.2026, 14:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Digitalisierung erhöht den Bedarf an Softwareentwicklern, Datenexperten und KI-Spezialisten – gleichzeitig konkurrieren Versicherer mit Technologieunternehmen um dieselben Talente. Um sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren, setzen immer mehr Unternehmen auf neue Recruiting-Formate. Die LVM Versicherung zeigt mit einem ungewöhnlichen Ansatz, wie der Einstieg in den Bewerbungsprozess persönlicher werden kann.

(PDF)
Persönliche Gespräche statt klassischer Erstbewerbung: Versicherer entwickeln neue Recruiting-Strategien, um im Wettbewerb um IT-Fachkräfte attraktiver zu werden. Die LVM setzt dabei auf Kaffee-Dates mit potenziellen Bewerbern (Szene nachgestellt).Persönliche Gespräche statt klassischer Erstbewerbung: Versicherer entwickeln neue Recruiting-Strategien, um im Wettbewerb um IT-Fachkräfte attraktiver zu werden. Die LVM setzt dabei auf Kaffee-Dates mit potenziellen Bewerbern (Szene nachgestellt).Bernd Schwabedissen

Digitalisierung verschärft den Wettbewerb um IT-Talente

Die Versicherungswirtschaft befindet sich mitten im digitalen Wandel. Künstliche Intelligenz, automatisierte Schadenbearbeitung, Cloud-Technologien oder moderne Kundenportale verändern Geschäftsprozesse ebenso wie die Anforderungen an die Belegschaften. Entsprechend wächst der Bedarf an Softwareentwicklern, IT-Architekten, Data Scientists und weiteren Technologiespezialisten.
Damit stehen Versicherer jedoch in direkter Konkurrenz zu Technologieunternehmen, Beratungen oder Industrieunternehmen, die ebenfalls um qualifizierte Fachkräfte werben. Für viele Häuser reicht es deshalb nicht mehr aus, offene Stellen über klassische Stellenanzeigen zu besetzen. Stattdessen gewinnt die Arbeitgebermarke zunehmend an Bedeutung.

Der erste Kontakt ersetzt die erste Bewerbung

Vor diesem Hintergrund verändern sich auch Recruiting-Prozesse. Immer häufiger setzen Unternehmen auf niedrigschwellige Formate, bei denen zunächst das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund steht. Erst im Anschluss folgt der eigentliche Bewerbungsprozess.
Ein Beispiel liefert die LVM Versicherung. Der Versicherer aus Münster bietet interessierten IT-Fachkräften sogenannte Kaffee-Dates auf dem Unternehmenscampus an. Statt einer vollständigen Bewerbung genügt zunächst eine kurze Kontaktaufnahme über die Karriereseite. Anschließend prüfen IT-Mitarbeitende die vorhandenen Qualifikationen und vermitteln den Kontakt zu passenden Fachbereichen. Nach Angaben der LVM findet das erste Gespräch in der Regel innerhalb einer Woche statt. Erst wenn beide Seiten grundsätzliches Interesse an einer Zusammenarbeit sehen, beginnt das reguläre Bewerbungsverfahren mit Bewerbungsunterlagen, Gesprächen und der formalen Auswahl.

Persönliche Eindrücke werden zum Recruiting-Instrument

Der Ansatz verfolgt ein klares Ziel: Potenzielle Bewerber sollen das Unternehmen zunächst als Arbeitsumfeld kennenlernen. Gerade Versicherer sehen sich häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, zwar sichere Arbeitgeber zu sein, jedoch weniger mit modernen IT-Arbeitsplätzen oder innovativen Projekten in Verbindung gebracht zu werden.
Nach Angaben der LVM entstand das Format im Zuge der Überarbeitung des IT-Karriereportals. Das Unternehmen wollte Interessierten die Möglichkeit geben, den Campus, die Arbeitsweise und die technischen Themen unverbindlich kennenzulernen. Rund 80 Prozent der Teilnehmer erhalten nach Unternehmensangaben im Anschluss an den regulären Auswahlprozess ein Vertragsangebot.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Trotz Abi-Lücke und verschärftem Wettbewerb um Schulabgänger investieren Versicherer weiter in Ausbildung, duale Studiengänge und neue Konzepte zur Nachwuchsgewinnung.Trotz Abi-Lücke und verschärftem Wettbewerb um Schulabgänger investieren Versicherer weiter in Ausbildung, duale Studiengänge und neue Konzepte zur Nachwuchsgewinnung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Nachwuchs bleibt Chefsache: Versicherer bauen Ausbildung weiter aus

Trotz eines verschärften Wettbewerbs um Schulabgänger investieren Versicherer weiter in die Ausbildung. LVM und Provinzial besetzen ihre Ausbildungsplätze vollständig und reagieren mit neuen Konzepten, digitalen Angeboten und einer gezielten Ansprache junger Talente auf die veränderten Rahmenbedingungen.
Eine solide finanzierte betriebliche Altersversorgung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Bestandteil der Arbeitgebermarke und stärkt die langfristige Mitarbeiterbindung.Eine solide finanzierte betriebliche Altersversorgung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Bestandteil der Arbeitgebermarke und stärkt die langfristige Mitarbeiterbindung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Betriebliche Altersversorgung wird zum Faktor der Arbeitgebermarke

Die DAX-Konzerne sichern ihre Betriebsrenten so solide wie seit Jahren nicht mehr. Hinter den hohen Deckungsgraden steckt jedoch mehr als Bilanzpolitik: In einer alternden Arbeitswelt wird die betriebliche Altersversorgung zunehmend zu einem Instrument, mit dem Unternehmen Beschäftigte binden und sich im Wettbewerb um Fachkräfte positionieren.
Versicherungsunternehmen investieren verstärkt in die Gewinnung junger Nachwuchskräfte und gehören inzwischen zu den Branchen mit den höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen.Versicherungsunternehmen investieren verstärkt in die Gewinnung junger Nachwuchskräfte und gehören inzwischen zu den Branchen mit den höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Versicherer locken Azubis mit Spitzengehältern

Das Rennen um Nachwuchskräfte wird für Versicherer immer wichtiger. Eine aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs zeigt: Kaum eine Branche zahlt Auszubildenden bereits im ersten Lehrjahr höhere tarifliche Vergütungen als das Versicherungsgewerbe. Gleichzeitig steigen die Ausbildungsgehälter dort deutlich stärker als im Durchschnitt.
Hybride Arbeitsmodelle entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie zu den Aufgaben und Lebenssituationen der Beschäftigten passen.Hybride Arbeitsmodelle entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie zu den Aufgaben und Lebenssituationen der Beschäftigten passen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Unternehmen

Homeoffice: Nicht die Quote entscheidet, sondern...

Die Debatte über Homeoffice hat sich verändert. Nach der Diskussion über Produktivität und Rückkehr-ins-Büro zeigt eine neue WSI-Studie: Entscheidend ist weniger die Zahl der Homeoffice-Tage als die Passgenauigkeit zwischen den Bedürfnissen der Beschäftigten und den betrieblichen Regelungen. Gerade für Versicherer könnte das im Wettbewerb um Fachkräfte zum Erfolgsfaktor werden.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht