Versicherer locken Azubis mit Spitzengehältern
Das Rennen um Nachwuchskräfte wird für Versicherer immer wichtiger. Eine aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs zeigt: Kaum eine Branche zahlt Auszubildenden bereits im ersten Lehrjahr höhere tarifliche Vergütungen als das Versicherungsgewerbe. Gleichzeitig steigen die Ausbildungsgehälter dort deutlich stärker als im Durchschnitt.
Der Fachkräftemangel verändert den Ausbildungsmarkt. Während viele Branchen ihre Ausbildungsvergütungen anheben, gehört das Versicherungsgewerbe inzwischen zu den Spitzenreitern. Das betrifft nicht nur das Einstiegsniveau, sondern auch die Dynamik: Kaum eine andere Branche hat die tariflichen Ausbildungsgehälter zuletzt so stark erhöht.
Versicherer gehören zu den Top-Zahlern
Versicherungsunternehmen konkurrieren längst nicht mehr nur um Kunden, sondern zunehmend auch um qualifizierte Nachwuchskräfte. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Mit einer tariflichen Ausbildungsvergütung von 1.455 Euro im ersten Ausbildungsjahr zählt das Versicherungsgewerbe bundesweit zu den bestzahlenden Branchen. Höher liegen lediglich die Pflegeberufe im Tarifbereich des öffentlichen Dienstes. Selbst das private Bankgewerbe folgt mit 1.400 Euro auf dem dritten Platz.
Überdurchschnittliche Erhöhungen
Nicht nur das Vergütungsniveau fällt auf. Auch bei den jüngsten Tarifabschlüssen gehört das Versicherungsgewerbe zu den Spitzenreitern. Im Ausbildungsjahr 2025/26 stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen in den vom WSI untersuchten Branchen durchschnittlich um 3,9 Prozent. Im Versicherungsgewerbe fiel der Anstieg mit 7,4 Prozent jedoch nahezu doppelt so hoch aus. Nur die ostdeutsche Textilindustrie verzeichnete einen noch stärkeren Zuwachs.
Fachkräftemangel verändert den Wettbewerb
Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Nach Einschätzung des WSI reagieren viele Branchen mit höheren Ausbildungsvergütungen auf den zunehmenden Wettbewerb um Nachwuchskräfte. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen deutlich stärker als die Tariflöhne insgesamt. Während die Tarifentgelte zwischen 2015 und 2025 um 35 Prozent zulegten, erhöhten sich die Ausbildungsvergütungen im gleichen Zeitraum um 47 Prozent. Besonders Branchen mit traditionell niedrigeren Ausbildungsgehältern hätten ihre Vergütungen zuletzt überdurchschnittlich angehoben, um ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb zu steigern.
Für die Versicherungswirtschaft zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Sie gehört bereits seit Jahren zu den Branchen mit einem hohen Ausbildungsniveau und baut diesen Vorsprung nun weiter aus.
Geld allein entscheidet nicht
Eine hohe Ausbildungsvergütung dürfte für viele Schulabgänger ein wichtiges Argument bei der Berufswahl sein. Im Wettbewerb um junge Talente dürfte sie jedoch nur ein Baustein sein. Flexible Arbeitsmodelle, moderne Ausbildungsinhalte, digitale Arbeitsplätze und langfristige Entwicklungsperspektiven gewinnen für viele Bewerber ebenfalls an Bedeutung. Für Versicherungsunternehmen bedeutet das: Wer Nachwuchs gewinnen will, muss nicht nur attraktive Gehälter bieten, sondern sich insgesamt als moderner Arbeitgeber positionieren.
Ausbildung bleibt ein strategisches Thema
Die aktuellen Zahlen zeigen, welchen Stellenwert die Nachwuchsgewinnung inzwischen besitzt. Während viele Unternehmen über Fachkräftemangel klagen, investieren Versicherer zunehmend in attraktive Ausbildungsbedingungen. Dass die Branche dabei inzwischen zu den Spitzenzahlern gehört, unterstreicht, wie strategisch wichtig die Ausbildung für die langfristige Personalentwicklung geworden ist.
| Branche | Tarifliche Vergütung (1. Ausbildungsjahr) |
|---|---|
| Pflege (Öffentlicher Dienst Bund/Gemeinden) | 1.491 Euro |
| Versicherungsgewerbe | 1.455 Euro |
| Privates Bankgewerbe | 1.400 Euro |
| Öffentlicher Dienst (Bund/Gemeinden) | 1.368 Euro |
| Deutsche Bahn | 1.325 Euro |
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