Mentale Gesundheit wird Ausbildungsaufgabe: Versicherer bauen Prävention aus
Psychische Gesundheit gehört zunehmend zu den Themen, die bereits während der Ausbildung vermittelt und begleitet werden. Eine aktuelle Ausbildungsumfrage von BWV und AGV zeigt: Drei von vier Versicherungsunternehmen messen dem Thema hohe Bedeutung bei und haben entsprechende Unterstützungsangebote bereits etabliert oder planen deren Ausbau.
Belastungen im Berufsalltag beginnen nicht erst nach der Ausbildung. Deshalb rückt die psychische Gesundheit von Auszubildenden zunehmend in den Fokus der Versicherungswirtschaft. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass Unternehmen mentale Gesundheit immer häufiger als festen Bestandteil moderner Ausbildung verstehen – und damit auf Entwicklungen reagieren, die längst den gesamten Arbeitsmarkt prägen.
Ausbildung soll auch gesundes Arbeiten vermitteln
Die Anforderungen an Berufseinsteiger verändern sich. Neben fachlichen Kompetenzen gewinnen Themen wie Resilienz, Selbstorganisation und der Umgang mit psychischen Belastungen zunehmend an Bedeutung. Dieser Entwicklung trägt auch die Versicherungswirtschaft Rechnung. Neben digitalen Kompetenzen rückt damit ein weiteres Zukunftsthema in den Mittelpunkt der Ausbildung: die Fähigkeit, gesund und resilient mit den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt umzugehen.
Nach der aktuellen Ausbildungsumfrage des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) und des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) bewerten 76 Prozent der Unternehmen die Förderung der mentalen Gesundheit ihrer Auszubildenden als wichtig oder sehr wichtig. 74 Prozent bieten bereits entsprechende Maßnahmen an, weitere 14 Prozent planen deren Einführung. Damit beschäftigen sich inzwischen nahezu neun von zehn Unternehmen aktiv mit dem Thema. (Quelle: BWV/AGV-Ausbildungsumfrage)
Prävention beginnt bereits während der Ausbildung
Die Ergebnisse zeigen, dass mentale Gesundheit zunehmend als Bestandteil einer modernen Ausbildung verstanden wird. Dabei geht es nicht allein um Hilfsangebote im Krisenfall, sondern um präventive Maßnahmen, die Auszubildende frühzeitig dabei unterstützen sollen, Belastungen besser zu bewältigen und gesund in das Berufsleben zu starten. Welche konkreten Angebote eingesetzt werden, unterscheidet sich zwischen den Unternehmen. Die Umfrage macht jedoch deutlich, dass psychische Gesundheit inzwischen als dauerhafte Führungs- und Ausbildungsaufgabe verstanden wird.
Neue Arbeit verändert auch die Ausbildung
Die Entwicklung passt zu einem Trend, der sich inzwischen weit über die Versicherungswirtschaft hinaus beobachten lässt. Erst kürzlich zeigte eine Analyse der KKH Kaufmännischen Krankenkasse, dass stressbedingte Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen bei Berufstätigen einen neuen Höchststand erreicht haben. Gleichzeitig verändern mobiles Arbeiten, digitale Kommunikation und steigende Anforderungen die Arbeitswelt nachhaltig.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie junge Menschen bereits während ihrer Ausbildung auf einen gesunden Umgang mit Belastungen vorbereitet werden können. Mentale Gesundheit wird damit zunehmend zu einem Bestandteil beruflicher Qualifizierung – und nicht erst zu einem Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Unternehmen investieren in nachhaltige Mitarbeiterbindung
Für die Unternehmen ist das Thema auch strategisch relevant. Wer Auszubildende langfristig an das Unternehmen binden möchte, muss heute mehr bieten als fachliche Qualifizierung allein. Moderne Ausbildung umfasst zunehmend auch die Förderung persönlicher Kompetenzen sowie Rahmenbedingungen, die gesundes Arbeiten unterstützen. Die Ausbildungsumfrage deutet darauf hin, dass viele Versicherungsunternehmen diesen Wandel bereits aktiv gestalten.
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