Mit KI zur Zukunftsfähigkeit: Geschäftsprozesse neu denken

Veröffentlichung: 12.09.2026, 09:09 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Bei der Optimierung von Geschäftsprozessen führt kein Weg mehr an künstlicher Intelligenz (KI) vorbei. Sie kommt in zahlreichen Branchen zum Einsatz, um Prozesse zu erleichtern und zu beschleunigen sowie Kosten einzusparen. Das klingt erfolgsversprechend, allerdings gibt es auch Herausforderungen, die die Einführung von KI verzögern.

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Balakrishna D.R., Executive Vice President bei InfosysBalakrishna D.R., Executive Vice President bei Infosys

Neben der Auswahl der richtigen Tools und deren Implementierung ist die Belegschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor solcher Initiativen. Viele Unternehmen scheitern daran, ihre Mitarbeitenden von Beginn an einzubinden. Dies zeigt auch die neueste Umfrage von Infosys. Das ist allerdings elementar, damit KI langfristig Geschäftsprozesse optimiert und Mehrwert schafft. Unter anderem spielen Schulungen eine wichtige Rolle. Sie sind aber nicht die einzige Maßnahme, die Verantwortliche ergreifen können. Im besten Fall werden die Mitarbeitenden bei der Entwicklung und der Auswahl von KI-Tools eingebunden. Klare Regeln in Bezug auf Ethik sowie ein sorgfältiges Change Management erhöhen die Erfolgschancen von KI-Projekten weiter. Doch um genauer zu verstehen, wie Organisationen sich zu „AI-first“-Unternehmen entwickeln können, sollten sie einen Blick auf den Status quo in Deutschland werfen.

Anwendungen von KI in Deutschland

Der Anteil von KI-Investitionen der deutschen Wirtschaft wächst zunehmend. Auch die Initiativen der Bundesregierung treiben künstliche Intelligenz voran – in den Jahren 2022 und 2023 wurden 1,54 Milliarden Euro n die KI-Forschung und -Entwicklung investiert. Wie viele andere europäische Länder, etwa Großbritannien oder Frankreich, ist auch hier das Ziel, sich als KI-Standort zu etablieren. Im Jahr 2024 hatten bereits rund 37 Prozent der Unternehmen in Deutschland in KI investiert, und 74 Prozent planen dies in näherer Zukunft.

Zu den führenden KI-getriebenen Branchen in Deutschland gehört die industrielle Fertigung, wo KI bei der Automatisierung von Prozessen und zur Fehlerminimierung eingesetzt wird. Auch im Gesundheitswesen optimiert KI Abläufe – auch, um den Fachkräftemangel abzufedern. Im Finanzsektor kommt KI unter anderem zur Betrugserkennung und zur Personalisierung zum Einsatz. So nutzt beispielsweise BMW KI, um seinen Batterieproduktionsprozess zu optimieren. Damit steigert der Autohersteller die Effizienz und ist gleichzeitig nachhaltiger. Bosch setzt KI zur Echtzeitüberwachung des Maschinenzustands ein, um vorausschauende Wartung und frühzeitige Fehlererkennung zu ermöglichen und Ausfallzeiten zu minimieren. Das Health-Tech-Startup Smart Reporting nutzt KI, um medizinische Dokumentation zu vereinfachen. Dadurch reduziert sich die Zeit, die Ärzte mit Papierkram verbringen – zugunsten der Patientenversorgung.

Wie Unternehmen den KI-Wert maximieren können

Um die Unternehmenskultur erfolgreich auf KI auszurichten und Prozesse bestmöglich zu gestalten, sollten Unternehmen gewisse Aspekte berücksichtigen:

  • Die Einführung eines produktzentrierten Betriebsmodells, bei dem Mitarbeitende für Produkte von der Idee bis zur Umsetzung ganzheitlich verantwortlich sind. Das erhöht die Verantwortung für die Geschäftsergebnisse und schafft ein Gefühl von gemeinsamem Erfolg. Die jeweiligen Teams können die KI-Tools, die sie für ihre Bereiche benötigen, selbst definieren, gestalten und bereitstellen. Standardisierte Regeln und Governance seitens der Organisation sorgen dabei für klare Leitlinien. Dieses Betriebsmodell ist agil und setzt auf kontinuierliche Verbesserung, wodurch Mitarbeitende die Möglichkeit haben, innerhalb verantwortungsvoller KI-Rahmenbedingungen zu experimentieren und zu innovieren.
  • Das Angebot regelmäßiger Schulungen und Aufklärung über den Nutzen und Einsatz von KI für die Mitarbeitenden, anstatt auf einmalige Trainings zu setzen. Zusätzlich ist eine regelmäßige und transparente Kommunikation wichtig, um Bedenken hinsichtlich Arbeitsplatzverlust durch KI, Herausforderungen bei der Technologieeinführung oder Fragen zur Compliance zu adressieren und so Vertrauen aufzubauen. Darüber hinaus muss das Management die Mitarbeiter während der Transformation unterstützen. Dazu gehört auch, ihr Feedback zu KI-Strategien und den eingesetzten Tools einzuholen, um sie aktiv in den technologischen Wandel einzubinden.
  • Die Implementierung eines Change-Management-Prozesses, um Mitarbeitende durch die Implementierungsphase künstlicher Intelligenz zu begleiten. Regelmäßige Updates von der Führungsebene unterstützen dabei, Vertrauen in KI aufzubauen, deren Vorteile zu verstehen und so die Einführung neuer Technologien langfristig zu unterstützen.
  • Das Angebot einer zentral organisierten KI-Arbeitsgruppe, die für solide Governance sorgt und sich darum kümmert, dass die Richtlinien für den KI-Einsatz durch die Mitarbeitenden eingehalten werden. Sie gewährleistet die ethische Anwendung von KI und behält regulatorische Veränderungen im Blick, damit die Unternehmensrichtlinien immer auf dem aktuellen Stand sind. Durch klare Rollenverteilung innerhalb der Taskforce reduziert sich auch das Risiko von Regelverstößen oder Compliance-Verletzungen.

Künstliche Intelligenz entfaltet ihr Potenzial in Unternehmen nur dann, wenn technologische Innovation mit kulturellem Wandel Hand in Hand geht. Dabei steht nicht nur die Auswahl der passenden Tools im Fokus – vielmehr sind die Mitarbeitenden der Schlüssel zum Erfolg. Ihre frühzeitige Einbindung, kontinuierliche Schulungen und eine offene, transparente Kommunikation schaffen Vertrauen und fördern aktives Mitgestalten. Ergänzt durch ein agiles Betriebsmodell, klare Governance-Strukturen und gezieltes Change Management können Unternehmen den Weg zur „AI-first“-Organisation erfolgreich beschreiten und den langfristigen Mehrwert von KI ausschöpfen.

Über den Autor:

Balakrishna D.R. (Bali) ist Executive Vice President bei Infosys und weltweit für die Segmente Industry Verticals sowie AI and Automation verantwortlich . Er treibt die Einführung von KI und Automatisierung in allen Serviceangeboten und internen Funktionen von Infosys voran, um so die Effizienz zu verbessern und die Differenzierung des Unternehmens voranzutreiben.

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