KI-Training mit Kundendaten? 83 Prozent der deutschen Anbieter bleiben unklar

Veröffentlichung: 03.09.2026, 06:09 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

83 Prozent der untersuchten deutschen KI-Anbieter erklären nicht eindeutig, ob Nutzerdaten für das Training ihrer Modelle verwendet werden. Gleichzeitig erreichen sie im AI Trustworthiness Ranking 2026 von Cybernews bei der Transparenz nahezu die volle Punktzahl. Der scheinbare Widerspruch zeigt, warum sich bei KI-Rankings ein Blick hinter die Zahlen lohnt.

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Ob Eingaben und Kundendaten zum Training von KI-Modellen verwendet werden, bleibt bei vielen deutschen Anbietern unklar. Eine Cybernews-Auswertung zeigt erhebliche Informationslücken – und zugleich, wie genau Transparenz-Rankings gelesen werden müssen.Ob Eingaben und Kundendaten zum Training von KI-Modellen verwendet werden, bleibt bei vielen deutschen Anbietern unklar. Eine Cybernews-Auswertung zeigt erhebliche Informationslücken – und zugleich, wie genau Transparenz-Rankings gelesen werden müssen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Wer einen KI-Dienst nutzt, übermittelt dem Anbieter mitunter erhebliche Mengen an Informationen. Texte werden eingegeben, Dokumente hochgeladen oder Daten verarbeitet. Umso wichtiger ist die Frage, was anschließend mit diesen Informationen geschieht – und ob sie beispielsweise für das Training von KI-Modellen genutzt werden. Bei vielen deutschen KI-Unternehmen lässt sich diese Frage nach einer Untersuchung von Cybernews nicht eindeutig beantworten.

Für das AI Trustworthiness Ranking 2026 wurden weltweit 500 KI-Unternehmen aus 36 Ländern untersucht. Darunter befinden sich 18 Unternehmen aus Deutschland. Bewertet wurden die Bereiche Sicherheit, Datenschutz, organisatorische Transparenz und öffentliche Wahrnehmung.
Das Gesamtergebnis für Deutschland sieht zunächst ordentlich aus: Die untersuchten Unternehmen erreichen durchschnittlich 66 von 100 Punkten. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 65 Punkten. Bei der Kommunikation über die Verwendung von Nutzerdaten zeigt sich allerdings ein anderes Bild.

Hälfte erwähnt KI-Training überhaupt nicht

Nach der Auswertung von Cybernews erklären 83 Prozent der 18 untersuchten deutschen Unternehmen nicht eindeutig, ob sie Nutzerdaten für das Training ihrer KI-Modelle einsetzen. Diese Zahl muss allerdings genau gelesen werden. Sie bedeutet ausdrücklich nicht, dass 83 Prozent der Unternehmen Kundendaten zum KI-Training verwenden. Bei der Hälfte der untersuchten Anbieter findet Cybernews in den Datenschutzerklärungen überhaupt keine Aussage darüber. Weitere 33 Prozent machen nach Einschätzung der Analysten lediglich vage Angaben. Zusammengenommen ergibt sich daraus der Wert von 83 Prozent.
Auch bei der Speicherdauer sieht Cybernews Informationslücken. 61 Prozent der untersuchten deutschen Anbieter erklären demnach nicht eindeutig, wie lange Nutzerdaten gespeichert werden.
Für die Datenschutzbewertung untersucht Cybernews unter anderem, wie klar Unternehmen darüber informieren, welche Daten erhoben werden, ob sie für Modelltraining eingesetzt werden, ob eine Opt-out-Möglichkeit besteht, ob Daten an Dritte weitergegeben werden und wie Speicherung und Löschung geregelt sind. Die deutschen Unternehmen erreichen in diesem Bereich durchschnittlich 67 von 100 Punkten.

98 Punkte für Transparenz – wie passt das zusammen?

Umso überraschender erscheint eine andere Zahl des Rankings: In der Kategorie Transparenz erreichen die deutschen Unternehmen durchschnittlich 98 von 100 Punkten. Das wirkt zunächst kaum vereinbar mit den festgestellten Informationslücken beim Umgang mit Nutzerdaten. Der scheinbare Widerspruch löst sich erst beim Blick auf die Bewertungsmethode auf.
Unter „Organizational Transparency“ versteht Cybernews nicht die Transparenz des Daten- oder KI-Trainings. Geprüft wird vielmehr, ob ein Unternehmen seine rechtliche Einheit und seinen Standort nennt, eine physische Adresse veröffentlicht und einen funktionierenden Kontaktweg zu einem Menschen anbietet.
Die Frage nach der Verwendung von Kundendaten für das Modelltraining fließt dagegen in die separate Kategorie Datenschutz ein. Damit sagen die 98 Punkte vor allem: Die untersuchten deutschen Unternehmen sind sehr gut darin, erkennen zu lassen, wer sie sind und wie sie erreichbar sind. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass sie ebenso detailliert erklären, was mit den Daten ihrer Nutzer geschieht.

Sicherheit erreicht nur 38 von 100 Punkten

Noch niedriger fällt die Bewertung in der Kategorie Sicherheit aus. Deutsche KI-Unternehmen erreichen hier durchschnittlich lediglich 38 von 100 Punkten. Damit liegt Deutschland allerdings noch über dem von Cybernews ermittelten britischen Durchschnitt von 29 Punkten. Auch dieser Wert sollte nicht als Aussage verstanden werden, deutsche KI-Anwendungen seien lediglich „zu 38 Prozent sicher“.
Cybernews prüft in diesem Bereich bestimmte von außen erkennbare Sicherheitsmerkmale. Dazu zählen eine eigene Security- oder Trust-Seite, ein Bug-Bounty- beziehungsweise Vulnerability-Disclosure-Programm sowie Zertifizierungen wie ISO/IEC 27001 oder SOC 2. Der Score misst damit vor allem das Vorhandensein und die öffentliche Dokumentation bestimmter Sicherheitsstrukturen – nicht die technische Sicherheit eines KI-Systems in ihrer Gesamtheit.

n8n führt die deutsche Rangliste an

Unter den 18 untersuchten deutschen Unternehmen erreicht die Workflow-Automatisierungsplattform n8n mit 86 Punkten den höchsten Gesamtwert. Dahinter folgen Pitch mit 81 Punkten, Synthflow AI mit 78 Punkten, Clickworker mit 74 Punkten und Beam AI mit 73 Punkten. Auch hier zeigt sich eine Besonderheit des Rankings: Unter „KI-Unternehmen“ versteht Cybernews nicht ausschließlich Entwickler eigener Basismodelle. Untersucht werden Anbieter aus unterschiedlichen Bereichen – darunter KI-Assistenten, Produktivitätssoftware, Coding, Musik und Kreativanwendungen.
Die Ergebnisse erlauben deshalb keine Aussage darüber, wie beispielsweise ausschließlich deutsche Entwickler eigener KI-Modelle mit Nutzerdaten umgehen.

Ein Ranking, das genau gelesen werden muss

Das AI Trustworthiness Ranking macht damit auf ein relevantes Problem aufmerksam: Für Nutzer ist bei vielen untersuchten deutschen KI-Anbietern nicht eindeutig erkennbar, ob ihre Daten in das Training von KI-Modellen einfließen und wie lange sie gespeichert werden. Mindestens ebenso interessant ist jedoch, was die Untersuchung über Vertrauenskennzahlen selbst zeigt.
Ein Transparenzwert von 98 Punkten klingt zunächst nach nahezu vollständiger Offenheit. Tatsächlich misst diese Kategorie aber vor allem die Identifizierbarkeit und Erreichbarkeit des Unternehmens. Informationen über die Verwendung von Nutzerdaten werden an anderer Stelle bewertet.
Ähnliches gilt für den niedrigen Sicherheitswert: Er beschreibt definierte, öffentlich überprüfbare Sicherheitsmerkmale, ist aber kein technisches Sicherheitsurteil über die untersuchten KI-Systeme. Gerade bei Rankings zu KI, Datenschutz und Sicherheit lohnt deshalb ein Blick hinter die Gesamtpunktzahl. Nicht nur das Ergebnis ist entscheidend – sondern auch die Frage, was eigentlich gemessen wurde.

Zur Untersuchung
Das AI Trustworthiness Ranking 2026 von Cybernews umfasst 500 KI-Unternehmen aus 36 Ländern. Für die deutsche Auswertung wurden 18 Unternehmen berücksichtigt. Bewertet werden Sicherheit, Datenschutz, organisatorische Transparenz und öffentliche Wahrnehmung. Die öffentliche Wahrnehmung wird unter anderem anhand von Bewertungen auf Trustpilot und G2 ermittelt. Die deutschen Anbieter kommen im Gesamtranking auf durchschnittlich 66 von 100 Punkten und liegen damit knapp über dem weltweiten Durchschnitt von 65 Punkten.

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