Generative KI in der Versicherungsbranche: Zwischen Aufbruch und Durchbruch

Veröffentlichung: 01.04.2025, 15:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Versicherungswirtschaft hat generative KI inzwischen fest in ihre Digitalstrategie integriert – doch das volle Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Ein aktueller Sammelband des InsurLab Germany zeigt, wo der Einsatz heute bereits messbaren Mehrwert liefert – und wo zentrale Herausforderungen auf dem Weg zur Skalierung bestehen.

(PDF)
Das InsurLab Germany hat einen Sammelband zur KI-Nutzung in der Versicherungsbranche veröffentlicht.Das InsurLab Germany hat einen Sammelband zur KI-Nutzung in der Versicherungsbranche veröffentlicht.myshoun / pixabay

Die Publikation „Werttreiber Generative KI: Die Versicherungswirtschaft zwischen Aufbruch und Durchbruch“ macht deutlich: Insbesondere in der Kundenkommunikation, im Schadenmanagement, im Vertrieb, in der Produktentwicklung und im IT-Engineering wirkt generative KI bereits transformativ. Einzelne Projekte konnten Implementierungszeiten um bis zu 75 Prozent verkürzen und die Produktivität von Entwicklungsteams verzehnfachen.

Aus den Erfahrungsberichten lassen sich fünf branchenübergreifende Erkenntnisse ableiten:

  • 1. Skalierung bleibt zentrale Hürde
    Viele Unternehmen haben KI-Pilotprojekte erfolgreich umgesetzt – doch die Überführung in den Regelbetrieb fällt schwer. Fehlende KPIs, unklare Verantwortlichkeiten und eine geringe Integrationstiefe bremsen den Fortschritt. Entscheidend sei laut Sammelband, KI-Projekte von Beginn an strategisch einzubetten – mit klarem Business Ownership und tragfähigen Rahmenbedingungen.
  • 2. Kundenkommunikation als Schlüsselanwendung
    Mehr als die Hälfte aller KI-Projekte adressieren die digitale Kundenkommunikation. Automatisierte Assistenten, Chatbots oder Self-Service-Lösungen verkürzen Bearbeitungszeiten, steigern die Effizienz und schaffen Freiräume im Kundenservice. Erste Systeme erzielen bereits über 80 % Antwortgenauigkeit und lernen kontinuierlich durch Nutzerfeedback. KI wird damit zur Qualitätsschnittstelle der digitalen Interaktion.
  • 3. Produktentwicklung: viel Potenzial, wenig Nutzung
    Obwohl generative KI neue Möglichkeiten in der Tarifmodellierung, Ideengenerierung und Produktiteration bietet, bleibt dieser Bereich bislang unterrepräsentiert. Versicherer, die das Thema strategisch besetzen, können sich hier einen Wettbewerbsvorteil sichern. Erste Beispiele aus dem IT-Engineering zeigen, wie Entwicklungszyklen drastisch verkürzt und Release-Qualität gesteigert werden können.
  • 4. Governance als strategischer Hebel
    Strenge regulatorische Anforderungen erfordern ein professionelles Governance-Setup. Wer Datenschutz und Kontrollmechanismen nicht nur als Pflicht, sondern als strategisches Steuerungsinstrument begreift, kann Prozesse absichern und gleichzeitig beschleunigen. Viele Versicherer stehen hier noch am Anfang – mit entsprechend großem Hebel für künftige Projekte.
  • 5. Kulturwandel als Erfolgsfaktor
    Generative KI braucht mehr als Technologie: Ohne digitale Kompetenzen, Change-Readiness und eine innovationsfreundliche Kultur lassen sich Potenziale nicht heben. Versicherer investieren deshalb zunehmend in Fortbildungs- und Change-Programme, um Führungskräfte und Mitarbeitende fit für den KI-Einsatz zu machen.

Der vollständige Sammelband steht auf der Website des InsurLab Germany kostenfrei zur Verfügung und bietet neben Use Cases auch konkrete Handlungsempfehlungen für Versicherer, die ihre KI-Initiativen skalieren und strategisch ausrichten möchten.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die Zukunft der KI ist nicht algorithmisch – sie ist dialogisch. Sie entsteht dort, wo Mensch und Modell sich nicht verwechseln, sondern ergänzen.Die Zukunft der KI ist nicht algorithmisch – sie ist dialogisch. Sie entsteht dort, wo Mensch und Modell sich nicht verwechseln, sondern ergänzen.Foto: Adobestock
Kommentar

Intuitiv, aber nicht trivial – Was Unternehmen beim Einsatz generativer KI übersehen

Was aussieht wie Magie, ist in Wahrheit ein Systemrisiko: Warum Unternehmen bei ChatGPT & Co. dringend mehr Kontrolle als Komfort brauchen, erklärt Diplom-Mathematiker Dirk Pappelbaum (Inveda.net) im Gastbeitrag.
Die NÜRNBERGER verstärkt ihren Vorstand mit Markus Svanda. Der langjährige VIG-Manager soll als CIO die Modernisierung der IT- und Fachsysteme vorantreiben und bringt Erfahrung aus einem der größten Transformationsprogramme der Gruppe mit.Die NÜRNBERGER verstärkt ihren Vorstand mit Markus Svanda. Der langjährige VIG-Manager soll als CIO die Modernisierung der IT- und Fachsysteme vorantreiben und bringt Erfahrung aus einem der größten Transformationsprogramme der Gruppe mit.Marlena König
Köpfe

NÜRNBERGER holt Transformationserfahrung in den Vorstand

Digitalisierung, KI und die Modernisierung historisch gewachsener IT-Landschaften zählen zu den größten Herausforderungen der Versicherungswirtschaft. Entsprechend verändert sich auch das Anforderungsprofil für Führungskräfte. Mit Markus Svanda beruft die NÜRNBERGER einen Manager in den Vorstand, der bereits eines der größten Transformationsprogramme der Vienna Insurance Group mitverantwortet hat.
Mit lernfähigen KI-Agenten wollen ERGO und Google Cloud Erfahrungswissen systematisch sichern und für Versicherungsunternehmen langfristig nutzbar machen.Mit lernfähigen KI-Agenten wollen ERGO und Google Cloud Erfahrungswissen systematisch sichern und für Versicherungsunternehmen langfristig nutzbar machen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Digitalisierung

Wenn Erfahrung in Rente geht

Versicherer investieren Milliarden in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Doch ihr wertvollstes Kapital liegt häufig nicht in Datenbanken, sondern in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter. Ein neues Whitepaper von ERGO und Google Cloud beschreibt, wie lernfähige KI-Agenten dieses Wissen künftig sichern sollen – und rückt damit eine Herausforderung in den Mittelpunkt, die weit über den Einsatz neuer Technologien hinausgeht.
Digitale Abschlussprozesse, automatisierte Identitätsprüfung und regulatorische Anforderungen wachsen mit der AMLR 2027 zunehmend zusammen. Versicherer stehen vor der Aufgabe, Compliance und digitales Onboarding technisch miteinander zu verzahnen.Digitale Abschlussprozesse, automatisierte Identitätsprüfung und regulatorische Anforderungen wachsen mit der AMLR 2027 zunehmend zusammen. Versicherer stehen vor der Aufgabe, Compliance und digitales Onboarding technisch miteinander zu verzahnen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Digitalisierung

AMLR 2027: Wo Versicherer beim digitalen Onboarding nachschärfen müssen

Mit der neuen EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) und dem geplanten Start neuer digitaler Altersvorsorgeprodukte treffen 2027 zwei regulatorische Entwicklungen aufeinander. Für Versicherer wächst damit der Druck, Prozesse zu automatisieren und Compliance dauerhaft in digitale Antragsstrecken zu integrieren.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht