Die neue Komplexität der Betriebsrente: Warum Beratung wichtiger wird

Veröffentlichung: 19.08.2026, 06:08 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

Die betriebliche Altersversorgung entwickelt sich weiter – und mit ihr der Beratungsbedarf. Beitragsorientierte Zusagen, verschiedene Durchführungswege und flexible Auszahlungsmodelle schaffen mehr Wahlmöglichkeiten für Beschäftigte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Arbeitgeber und Vermittler, diese Möglichkeiten verständlich zu erklären.

(PDF)
Persönliche Beratung hilft Beschäftigten, die Möglichkeiten ihrer betrieblichen Altersversorgung besser zu verstehen und passende Entscheidungen zu treffen.Persönliche Beratung hilft Beschäftigten, die Möglichkeiten ihrer betrieblichen Altersversorgung besser zu verstehen und passende Entscheidungen zu treffen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die moderne betriebliche Altersversorgung ist längst mehr als die klassische Betriebsrente vergangener Jahrzehnte. Eine Analyse der DAX-Geschäftsberichte zeigt, dass Unternehmen zunehmend auf flexible Versorgungssysteme setzen. Für Vermittler eröffnet das neue Beratungsfelder: Denn je individueller die Versorgung gestaltet werden kann, desto wichtiger wird ihre verständliche Kommunikation.

Die Betriebsrente wird individueller

Lange Zeit galt die betriebliche Altersversorgung als vergleichsweise standardisiertes Instrument der Altersvorsorge. Arbeitgeber sagten Leistungen zu, Beschäftigte bauten über viele Jahre Ansprüche auf und erhielten später eine lebenslange Betriebsrente. Heute zeigt sich ein deutlich differenzierteres Bild.
Die aktuelle DAX-Geschäftsberichtsanalyse von Aon macht deutlich, dass sich die Versorgungssysteme der größten deutschen Unternehmen zunehmend flexibilisieren. Bereits 84 Prozent der offenen Pensionspläne beruhen auf beitragsorientierten Zusagen. Gleichzeitig bieten 68 Prozent der DAX-Konzerne ihren Beschäftigten Wahlmöglichkeiten bei der Auszahlung ihrer Leistungen – etwa zwischen einer lebenslangen Rente, einer Kapitalzahlung oder Ratenmodellen.

Mehr Möglichkeiten bedeuten mehr Erklärungsbedarf

Die größere Flexibilität schafft Vorteile für Beschäftigte. Je nach Lebensplanung kann eine Kapitalzahlung sinnvoll sein, etwa zur Finanzierung einer Immobilie oder zur Entschuldung im Ruhestand. Andere bevorzugen eine lebenslange Zusatzrente, um regelmäßige Einkünfte neben der gesetzlichen Rente zu erhalten. Mit den zusätzlichen Optionen wächst jedoch auch der Informationsbedarf. Nicht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kennt die Unterschiede zwischen den einzelnen Zusagearten, den verschiedenen Durchführungswegen oder den steuerlichen Auswirkungen der jeweiligen Auszahlungsform.
Eine moderne betriebliche Altersversorgung entfaltet ihren Nutzen deshalb erst dann vollständig, wenn Beschäftigte verstehen, welche Möglichkeiten ihnen tatsächlich offenstehen. Gerade weil die betriebliche Altersversorgung heute vielfältiger geworden ist, reicht ihre bloße Existenz als Benefit nicht mehr aus. Sie muss von den Beschäftigten auch verstanden werden.

Kommunikation wird zum Erfolgsfaktor

Für Unternehmen verändert sich dadurch die Rolle der betrieblichen Altersversorgung. Sie ist nicht mehr ausschließlich ein Instrument der langfristigen Versorgung, sondern zugleich Bestandteil der Arbeitgeberkommunikation. Ein Benefit, dessen Funktionsweise kaum jemand kennt, kann seine Wirkung bei Mitarbeiterbindung und Recruiting nur eingeschränkt entfalten. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels. Arbeitgeber investieren erhebliche Mittel in ihre Versorgungssysteme. Der Nutzen dieser Investition hängt jedoch auch davon ab, ob Beschäftigte den Arbeitgeberbeitrag, ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten und den langfristigen Wert der Betriebsrente nachvollziehen können. Wie andere Personalentwicklungsmaßnahmen benötigt auch die betriebliche Altersversorgung eine verständliche Kommunikation und kontinuierliche Begleitung.

Vermittler werden stärker zu Übersetzern

Für Makler und bAV-Berater erweitert sich damit das Aufgabenfeld. Neben der Auswahl geeigneter Versorgungslösungen gewinnen Kommunikation und Begleitung an Bedeutung. Beschäftigte erwarten heute nachvollziehbare Informationen darüber,

  • welche Leistungen der Arbeitgeber finanziert,
  • welche Eigenbeiträge möglich sind,
  • wie sich ein Arbeitgeberwechsel auswirkt,
  • welche Auszahlungsformen zur Verfügung stehen und
  • welche Auswirkungen einzelne Entscheidungen langfristig haben.

Beratung beginnt damit nicht erst beim Vertragsabschluss, sondern begleitet den gesamten Lebenszyklus einer betrieblichen Altersversorgung. Die zunehmende Bedeutung verständlicher Beratung zeigt sich nicht nur bei der betrieblichen Altersversorgung. Auch neue staatlich geförderte Vorsorgemodelle werden ihren Erfolg maßgeblich davon abhängig machen, wie verständlich sie vermittelt werden.

Zwischen Flexibilität und Vertrauen

Die Aon-Analyse zeigt noch eine weitere Entwicklung. Die DAX-Konzerne beschränken sich nicht darauf, ihre Versorgungssysteme flexibler zu gestalten. Gleichzeitig erhöhen sie den finanziellen Deckungsgrad ihrer Pensionspläne kontinuierlich. Wahlmöglichkeiten und finanzielle Stabilität entwickeln sich damit parallel. Für Beschäftigte entsteht daraus ein doppelter Mehrwert: mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und zugleich größere Sicherheit, dass zugesagte Leistungen langfristig erfüllt werden können. Die gestiegene finanzielle Stabilität der Versorgungssysteme bildet die Grundlage dafür, dass diese zusätzlichen Wahlmöglichkeiten langfristig abgesichert werden können.

Beratung wird zum Wettbewerbsvorteil

Die betriebliche Altersversorgung entwickelt sich damit zunehmend von einem klassischen Versorgungsinstrument zu einem beratungsintensiven Bestandteil moderner Personalpolitik. Je individueller Versorgungssysteme ausgestaltet werden, desto wichtiger wird ihre verständliche Vermittlung. Für Makler eröffnet sich dadurch die Chance, Unternehmen nicht nur bei der Einführung von Versorgungssystemen zu begleiten, sondern auch deren Kommunikation und Akzeptanz innerhalb der Belegschaft aktiv zu unterstützen.
Die Herausforderung besteht künftig weniger darin, zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen – sondern sie so zu erklären, dass Beschäftigte fundierte Entscheidungen für ihre eigene Altersvorsorge treffen können.

Warum moderne bAV mehr Beratung braucht

Entwicklung Bedeutung
Beitragsorientierte Zusagen dominieren Mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmen und Beschäftigte
Wahl zwischen Rente, Kapital oder Raten Individuelle Entscheidungen gewinnen an Bedeutung
Unterschiedliche Durchführungswege Höherer Erklärungsbedarf
Arbeitgeberbeiträge werden wichtiger Der Nutzen muss verständlich kommuniziert werden
Fachkräftemangel erhöht den Stellenwert von Benefits Kommunikation wird Teil der Arbeitgebermarke
Vermittler begleiten zunehmend den gesamten Vorsorgeprozess Beratung endet nicht mit dem Vertragsabschluss
(PDF)

LESEN SIE AUCH

Mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand beginnt für viele Unternehmen die Auszahlungsphase der betrieblichen Altersversorgung. Aus langfristig aufgebauten Pensionsverpflichtungen werden laufende Rentenzahlungen.Mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand beginnt für viele Unternehmen die Auszahlungsphase der betrieblichen Altersversorgung. Aus langfristig aufgebauten Pensionsverpflichtungen werden laufende Rentenzahlungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Hintergrund

Auszahlphase: Wenn aus Pensionsrückstellungen Rentenzahlungen werden

Mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand beginnt für die betriebliche Altersversorgung eine neue Phase. Jahrzehntelang standen Aufbau und Finanzierung der Pensionsverpflichtungen im Mittelpunkt. Nun rückt zunehmend die Auszahlung der zugesagten Betriebsrenten immer näher – mit Folgen für Unternehmen, Beschäftigte und Berater.
Die DAX-Konzerne haben ihre Pensionspläne 2025 weiter gestärkt. Hohe Ausfinanzierungsgrade und steigende Rechnungszinsen verbessern die Stabilität der betrieblichen Altersversorgung.Die DAX-Konzerne haben ihre Pensionspläne 2025 weiter gestärkt. Hohe Ausfinanzierungsgrade und steigende Rechnungszinsen verbessern die Stabilität der betrieblichen Altersversorgung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Zwischen den Zahlen

DAX-Konzerne sichern Betriebsrenten so gut ab wie lange nicht mehr

Die betriebliche Altersversorgung bleibt für Deutschlands größte Unternehmen ein strategischer Bestandteil der Mitarbeiterbindung. Eine aktuelle Analyse der DAX-Geschäftsberichte zeigt: Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen erreicht einen Höchststand, immer mehr Konzerne finanzieren ihre Betriebsrenten vollständig aus und profitieren gleichzeitig vom gestiegenen Zinsniveau.
Betriebliche Altersversorgung, flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsangebote gehören aus Sicht von Arbeitgebern und Beschäftigten zu den wichtigsten Zusatzleistungen im Wettbewerb um Fachkräfte.Betriebliche Altersversorgung, flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsangebote gehören aus Sicht von Arbeitgebern und Beschäftigten zu den wichtigsten Zusatzleistungen im Wettbewerb um Fachkräfte.Redaktion experten.de / KI-generiert
Studien

Wettbewerb um Fachkräfte: Betriebliche Vorsorge wird immer wichtiger

Fachkräftemangel, hohe Krankenstände und der bevorstehende Ruhestand der Baby-Boomer-Generation erhöhen den Druck auf Unternehmen. Nach dem aktuellen Benefits-Report von Allianz Pension Partners wollen viele Arbeitgeber deshalb ihr Angebot an Zusatzleistungen ausbauen. Besonders gefragt bleiben betriebliche Altersversorgung, flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsangebote.
Vorstandsvorsitzender des Bundesverband pauschaldotierte Unterstützungskassen e.V. ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Manfred Baier.Vorstandsvorsitzender des Bundesverband pauschaldotierte Unterstützungskassen e.V. ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Manfred Baier.pdUK-Bundesverband
bAV

bAV ohne Versicherung: U-Kassenverband drängt auf gesetzliche Modernisierung

Pauschaldotierte Unterstützungskassen galten lange als Wachstumstreiber der betrieblichen Altersversorgung. Doch die schwache Konjunktur bremst das Neugeschäft spürbar. Der U-Kassenverband sieht nun die Politik in der Pflicht – und formuliert konkrete Reformforderungen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht