GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV

Betriebsrente im Aufwind? Mehrheit offen für Opt-out-Modell

Veröffentlichung: 04.03.2026, 06:03 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

52 Prozent der Beschäftigten würden eine automatisch angebotene Betriebsrente annehmen – nur 12 Prozent würden aktiv widersprechen. Eine aktuelle GDV-Umfrage zeigt: Niedrigschwellige Modelle stoßen auf breite Akzeptanz. Doch findet das in der politischen Debatte Widerhall?

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Automatische Einbindung trifft auf Offenheit

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) gilt seit Jahren als ungenutztes Potenzial der kapitalgedeckten Vorsorge. Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) deutet nun auf eine bemerkenswerte Offenheit hin.
Demnach würden 52 Prozent der berufstätigen Befragten ein Modell annehmen, bei dem sie automatisch in eine Betriebsrente einbezogen werden – sofern sie nicht aktiv widersprechen. 27 Prozent zeigen sich unentschlossen, lediglich 12 Prozent würden sich ausdrücklich dagegen entscheiden.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass sogenannte Opt-out-Modelle gesellschaftlich anschlussfähig sein könnten.

Politischer Hintergrund: Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes

Die jüngste Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes eröffnet Unternehmen ohne Tarifbindung die Möglichkeit, Beschäftigte automatisch in eine Betriebsrente einzubeziehen. Der Mechanismus folgt einem verhaltensökonomischen Prinzip: Die Standardoption lautet Teilnahme – wer nicht vorsorgen möchte, muss aktiv widersprechen. Für Jörg Asmussen ist das ein Ansatz mit Perspektive: „Die betriebliche Altersversorgung hat aus unserer Sicht noch längst nicht ihr Potenzial ausgeschöpft. Sie muss breiter aufgestellt werden und insbesondere Beschäftigte in kleineren und mittleren Unternehmen sowie im Dienstleistungssektor erreichen.“ Der Vorschlag des GDV: Arbeitgeberseitig wird eine Betriebsrente angeboten, nur wer ausdrücklich widerspricht, bleibt außen vor.

Brücke zwischen Umlage und Kapitaldeckung

Im Kontext der laufenden Reformdebatten um Generationengerechtigkeit und Kapitaldeckung gewinnt die bAV strategische Bedeutung. Sie verbindet Elemente der kollektiven Organisation mit kapitalgedeckten Bausteinen – und entlastet perspektivisch das umlagefinanzierte System. Die Umfrageergebnisse zeigen: Der Widerstand gegen automatische Modelle ist gering. Die Herausforderung liegt weniger in der Akzeptanz als in der praktischen Umsetzung – insbesondere bei kleineren Unternehmen.

Akzeptanz ist nicht gleich Durchdringung

Trotz der Offenheit bleibt die bAV in Teilen der Wirtschaft unterrepräsentiert. Gerade Beschäftigte in kleineren Betrieben oder im Dienstleistungssektor verfügen häufig über keinen Zugang zu betrieblichen Vorsorgemodellen. Opt-out-Modelle könnten hier eine strukturelle Lücke schließen. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach Kostenverteilung, Arbeitgeberbeteiligung und administrativem Aufwand.
Die politische Debatte um das künftige Altersvorsorgemodell dürfte daher nicht nur um Beitragssätze und Kapitalmärkte kreisen – sondern auch um die konkrete Ausgestaltung betrieblicher Lösungen.

Über die Studie:
Die zugrunde liegenden Daten basieren auf einer repräsentativen YouGov-Onlinebefragung im Auftrag des GDV vom 23. bis 26. Januar 2026 mit 2.234 Personen ab 18 Jahren in Deutschland.

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