96 Prozent bestehen: Warum die Versicherungsbranche ihren Fachkräftenachwuchs erfolgreich entwickelt

Veröffentlichung: 11.08.2026, 07:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Während viele Branchen über Fachkräftemangel klagen, zeigt sich die Versicherungswirtschaft bei der Ausbildung erstaunlich stabil. Eine aktuelle Ausbildungsumfrage von BWV und AGV weist eine Abschlussquote von 96 Prozent aus. Zwei Drittel der Absolventen werden anschließend unbefristet übernommen. Die Zahlen sprechen für eine Ausbildung, die weit über den Berufseinstieg hinaus wirkt.

(PDF)
Die Versicherungswirtschaft entwickelt ihren Fachkräftenachwuchs zunehmend selbst. Hohe Abschluss- und Übernahmequoten unterstreichen die strategische Bedeutung der Ausbildung.Die Versicherungswirtschaft entwickelt ihren Fachkräftenachwuchs zunehmend selbst. Hohe Abschluss- und Übernahmequoten unterstreichen die strategische Bedeutung der Ausbildung.Redaktion experten.de / KI-generiert

Ausbildungsplätze zu besetzen ist das eine. Nachwuchskräfte erfolgreich bis zum Berufsabschluss zu begleiten und langfristig an das Unternehmen zu binden, das andere. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt: Der Versicherungswirtschaft gelingt beides bemerkenswert häufig. Hohe Abschlussquoten und langfristige Übernahmen machen die Ausbildung zunehmend zu einem strategischen Instrument der Fachkräftesicherung. Dass viele Versicherungsunternehmen ihre Ausbildungsplätze auch unter schwierigen Rahmenbedingungen vollständig besetzen konnten, zeigte sich bereits zum Ausbildungsstart 2026.

Ausbildung zahlt sich langfristig aus

Die Versicherungswirtschaft investiert seit Jahren intensiv in die Gewinnung neuer Auszubildender. Die aktuelle Ausbildungsumfrage des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) und des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) zeigt nun auch, wie erfolgreich diese Investitionen sind.
Demnach schließen 96 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung erfolgreich ab. Zwei Drittel der Absolventinnen und Absolventen erhalten anschließend einen unbefristeten Arbeitsvertrag (Quelle: BWV/AGV-Ausbildungsumfrage). Die Zahlen sprechen dafür, dass Ausbildung in der Branche nicht nur als Rekrutierungsinstrument verstanden wird, sondern als langfristige Personalentwicklung.

Fachkräftesicherung beginnt im eigenen Unternehmen

Angesichts des demografischen Wandels gewinnt die eigene Ausbildung weiter an Bedeutung. Statt ausschließlich auf den externen Arbeitsmarkt zu setzen, entwickeln viele Versicherungsunternehmen ihren Fachkräftenachwuchs gezielt selbst. Hohe Übernahmequoten sichern dabei nicht nur Wissen und Erfahrung, sondern schaffen zugleich Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte. Die Ausbildungsumfrage deutet darauf hin, dass dieser Ansatz in der Versicherungswirtschaft inzwischen fest etabliert ist.

Ausbildung wird zur Antwort auf den Fachkräftemangel

Die Ergebnisse stehen in einem bemerkenswerten Gegensatz zu vielen Diskussionen über den deutschen Arbeitsmarkt. Während zahlreiche Branchen über fehlende Fachkräfte und sinkende Bewerberzahlen berichten, gelingt es vielen Versicherungsunternehmen weiterhin, Nachwuchskräfte erfolgreich auszubilden und langfristig zu binden. Damit entwickelt sich Ausbildung zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil. Wer Fachkräfte nicht findet, muss sie immer häufiger selbst entwickeln.

Qualität entscheidet über Bindung

Die hohe Abschlussquote dürfte kein Zufall sein. Bereits die übrigen Ergebnisse der Ausbildungsumfrage zeigen, dass Versicherungsunternehmen ihre Ausbildung kontinuierlich weiterentwickeln. Digitale Lernformen gewinnen an Bedeutung, gleichzeitig rücken Themen wie mentale Gesundheit und persönliche Entwicklung stärker in den Mittelpunkt. Damit wächst die Ausbildung über die reine Wissensvermittlung hinaus zu einem Instrument langfristiger Mitarbeiterbindung. Ein Baustein dieser Entwicklung ist die zunehmende Qualifizierung der Ausbilder für digitale Lernprozesse und moderne Ausbildungsmethoden. Gleichzeitig investieren viele Unternehmen stärker in Präventionsangebote und die mentale Gesundheit ihrer Auszubildenden – ein Thema, das inzwischen als Bestandteil moderner Ausbildung verstanden wird.

Ausbildung bleibt Zukunftsinvestition

Die Ausbildungsumfrage macht deutlich, dass sich Investitionen in Ausbildung auch langfristig auszahlen können. Hohe Abschlussquoten, langfristige Übernahmen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität sprechen dafür, dass die Versicherungswirtschaft dem Fachkräftemangel zunehmend mit eigener Nachwuchsentwicklung begegnet – und damit auf einen Weg setzt, der weit über kurzfristige Rekrutierungserfolge hinausreicht.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die ALH Gruppe baut ihre Nachwuchsarbeit aus: 57 Auszubildende und dual Studierende starten 2026 im Unternehmen. Gleichzeitig verändern sich die Ausbildungsinhalte – der Umgang mit Künstlicher Intelligenz gehört von Beginn an dazu.Die ALH Gruppe baut ihre Nachwuchsarbeit aus: 57 Auszubildende und dual Studierende starten 2026 im Unternehmen. Gleichzeitig verändern sich die Ausbildungsinhalte – der Umgang mit Künstlicher Intelligenz gehört von Beginn an dazu.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

ALH baut Versicherungsnachwuchs aus und verändert die Ausbildungsinhalte

57 Auszubildende und dual Studierende starten 2026 bei der ALH Gruppe – 13 mehr als im Vorjahr. Rund 90 Prozent der angebotenen Plätze wurden besetzt. Zugleich verändert sich das Anforderungsprofil: Künstliche Intelligenz gehört von Beginn an zur Ausbildung.
Mentale Gesundheit wird zunehmend Teil moderner Ausbildung. Viele Versicherungsunternehmen unterstützen Auszubildende bereits mit Präventions- und Gesundheitsangeboten.Mentale Gesundheit wird zunehmend Teil moderner Ausbildung. Viele Versicherungsunternehmen unterstützen Auszubildende bereits mit Präventions- und Gesundheitsangeboten.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Mentale Gesundheit wird Ausbildungsaufgabe: Versicherer bauen Prävention aus

Psychische Gesundheit gehört zunehmend zu den Themen, die bereits während der Ausbildung vermittelt und begleitet werden. Eine aktuelle Ausbildungsumfrage von BWV und AGV zeigt: Drei von vier Versicherungsunternehmen messen dem Thema hohe Bedeutung bei und haben entsprechende Unterstützungsangebote bereits etabliert oder planen deren Ausbau.
Versicherungsunternehmen investieren verstärkt in die Gewinnung junger Nachwuchskräfte und gehören inzwischen zu den Branchen mit den höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen.Versicherungsunternehmen investieren verstärkt in die Gewinnung junger Nachwuchskräfte und gehören inzwischen zu den Branchen mit den höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Versicherer locken Azubis mit Spitzengehältern

Das Rennen um Nachwuchskräfte wird für Versicherer immer wichtiger. Eine aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs zeigt: Kaum eine Branche zahlt Auszubildenden bereits im ersten Lehrjahr höhere tarifliche Vergütungen als das Versicherungsgewerbe. Gleichzeitig steigen die Ausbildungsgehälter dort deutlich stärker als im Durchschnitt.
Psychische Belastungen können den Ausbildungserfolg gefährden: Von den Azubis mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken 74 Prozent ernsthaft über einen Ausbildungsabbruch nach. Entscheidend ist deshalb auch, ob Unterstützung im Betrieb bekannt ist und ohne Angst vor Nachteilen genutzt werden kann.Psychische Belastungen können den Ausbildungserfolg gefährden: Von den Azubis mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken 74 Prozent ernsthaft über einen Ausbildungsabbruch nach. Entscheidend ist deshalb auch, ob Unterstützung im Betrieb bekannt ist und ohne Angst vor Nachteilen genutzt werden kann.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Psychische Belastung: 74 Prozent der betroffenen Azubis denken an Abbruch

Neun von zehn Azubis sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Doch bei jungen Menschen mit stark eingeschränktem psychischem Wohlbefinden denken 74 Prozent über einen Abbruch nach. Eine neue Studie zeigt zudem eine heikle Vertrauenslücke in den Betrieben.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht