Grundfähigkeitsversicherung zieht bei Industriebeschäftigten mit der BU gleich
Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt seit Jahren als Referenz der Arbeitskraftabsicherung. Eine neue Studie von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und ChemieRente zeigt nun: Unter Industriebeschäftigten erreicht die Grundfähigkeitsversicherung bei der Attraktivität erstmals das gleiche Niveau. In der tatsächlichen Verbreitung spiegelt sich dieser Wandel bislang jedoch kaum wider.
Die Arbeitskraftabsicherung verändert sich. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung lange als nahezu unangefochtene Lösung galt, gewinnt die Grundfähigkeitsversicherung in den Köpfen vieler Beschäftigter deutlich an Bedeutung. Zwischen den geäußerten Präferenzen und der tatsächlichen Absicherung klafft jedoch weiterhin eine große Lücke – und genau darin sehen die Studienautoren erhebliches Beratungspotenzial.
Attraktivität auf Augenhöhe
Die aktuelle Erhebung unter 1.153 Beschäftigten aus Industriebranchen zeigt einen bemerkenswerten Befund. Jeweils 31 Prozent der Befragten halten entweder die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die gezielte Absicherung von Grundfähigkeiten für die attraktivste Form der Arbeitskraftabsicherung. Noch deutlicher fällt das Bild im White-Collar-Bereich aus. Beschäftigte in Verwaltung, Entwicklung, Labor oder Außendienst bevorzugen sogar häufiger die Grundfähigkeitsversicherung (34 Prozent) als die Berufsunfähigkeitsversicherung (29 Prozent). Damit verliert die Berufsunfähigkeitsversicherung zwar keineswegs ihre Bedeutung. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich die Vorstellungen vieler Beschäftigter über geeignete Formen der Arbeitskraftabsicherung zunehmend ausdifferenzieren.
Die Wirklichkeit sieht anders aus
Die tatsächliche Absicherung folgt dieser Entwicklung bislang nicht. Während 40 Prozent der Befragten über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügen, besitzen lediglich 12 Prozent eine Grundfähigkeitsversicherung. Gleichzeitig planen 21 Prozent, sich künftig näher über Möglichkeiten der Arbeitskraftabsicherung zu informieren und einen passenden Schutz abzuschließen. Für Swiss Life Deutschland zeigt sich darin ein erhebliches Marktpotenzial. CEO Dirk von der Crone verweist darauf, dass die Grundfähigkeitsversicherung als vergleichsweise junges Produkt konkrete Absicherungsbedürfnisse vieler Industriebeschäftigter erfülle, jedoch bislang deutlich geringere Bekanntheit genieße.
Wissen bleibt die größte Lücke
Auffällig ist, dass sich viele Beschäftigte trotz ihres hohen Sicherheitsbedürfnisses nur unzureichend informiert fühlen. Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) bewertet sein Wissen über Möglichkeiten der Arbeitskraftabsicherung als nur teilweise oder schlecht. Dabei zeigt sich ein überraschender Generationeneffekt: Ausgerechnet die unter 30-Jährigen fühlen sich am besten informiert. Mehr als die Hälfte der Gen Z gibt an, sich im Bereich Arbeitskraftabsicherung gut auszukennen. Bei Millennials, Generation X und Babyboomern fällt dieser Anteil deutlich geringer aus.
Wandel erhöht den Absicherungsbedarf
Die Studie ordnet diese Entwicklung in den tiefgreifenden Strukturwandel der Industrie ein. 72 Prozent der Befragten halten Vorsorge und Arbeitskraftabsicherung angesichts der aktuellen Transformation für wichtig. Zugleich berichten 44 Prozent, bereits heute durch Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld körperlich oder psychisch stärker belastet zu sein. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) rechnet damit, dass der persönliche Druck in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Als wichtigste Ursachen nennen die Beschäftigten zusätzliche Arbeit infolge von Kostensenkungsprogrammen, Personalabbau sowie häufige Umstrukturierungen.
Beratung wird vielfältiger
Die Ergebnisse sprechen weniger für einen Bedeutungsverlust der Berufsunfähigkeitsversicherung als für eine breitere Wahrnehmung unterschiedlicher Absicherungsmöglichkeiten. Für Vermittler könnte genau darin die wichtigste Erkenntnis liegen. Die Studie zeigt, dass viele Beschäftigte inzwischen differenzierter auf die Arbeitskraftabsicherung blicken als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig bestehen erhebliche Wissenslücken über die unterschiedlichen Produkte und deren jeweiligen Leistungsumfang. Persönliche Beratung gewinnt dadurch weiter an Bedeutung. Sie muss künftig nicht mehr nur die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung erklären, sondern zunehmend auch aufzeigen, welche Rolle unterschiedliche Formen der Arbeitskraftabsicherung jeweils übernehmen können – und wo ihre jeweiligen Stärken und Grenzen liegen.
Bereits frühere Auswertungen hatten gezeigt, dass der Einstieg in die Arbeitskraftabsicherung möglichst früh erfolgen sollte – unabhängig davon, welche Form der Absicherung später gewählt wird.
Gleichzeitig verändern digitale Prozesse und KI-Anwendungen bereits heute die Beratung und Risikoprüfung im Bereich der Arbeitskraftabsicherung.
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