Krisen schüren das Sicherheitsbedürfnis – doch vielen fehlt die finanzielle Absicherung

Veröffentlichung: 16.06.2026, 11:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen erhöhen das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit. Doch trotz wachsender Sorgen fühlt sich mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland für schwere Lebensereignisse wie Krankheit oder Tod nur unzureichend abgesichert. Eine aktuelle Studie der LV 1871 zeigt, warum viele erst nach einem Schicksalsschlag aktiv werden – und welche Rolle Vermittler dabei spielen können.

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Dr. Klaus Math, Vorstand der LV 1871, sieht in der finanziellen Resilienz eine zentrale Voraussetzung, um auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben.Dr. Klaus Math, Vorstand der LV 1871, sieht in der finanziellen Resilienz eine zentrale Voraussetzung, um auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben.LV 1871

Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit wächst. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Vorsorge vieler Menschen hinter diesem Wunsch zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Resilienz-Check“ der LV 1871, für den im April 2026 mehr als 2.000 Menschen in Deutschland befragt wurden.
Demnach geben 49 Prozent der Befragten an, dass ihr Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Nur elf Prozent fühlen sich für unerwartete Lebensereignisse wie Krankheit oder Tod sehr gut oder ausgezeichnet abgesichert. Mehr als die Hälfte bewertet den eigenen Schutz dagegen als mittelmäßig oder schlecht.

Unsicherheit nimmt zu

Die Ergebnisse spiegeln die aktuelle Stimmungslage wider. Kriege, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten wirken sich zunehmend auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus. Während sich knapp die Hälfte der Bevölkerung stärker nach finanzieller Stabilität sehnt, bleibt die konkrete Vorsorge häufig lückenhaft. Bemerkenswert ist dabei, dass viele Menschen Verantwortung nicht primär mit Geld oder Versicherungen verbinden. Auf die Frage, was „Verantwortung übernehmen“ bedeutet, nennen die Befragten vor allem für andere einzustehen, Verpflichtungen einzuhalten oder Menschen im Alltag zu unterstützen. Finanzielle Vorsorge landet deutlich weiter hinten.

Wer Verantwortung trägt

Fast jeder zweite Befragte trägt nach eigener Einschätzung die größte finanzielle Verantwortung ausschließlich für sich selbst. Bei Familien verändert sich das Bild deutlich: In der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren nennen besonders viele Menschen ihre Kinder als wichtigsten Verantwortungsbereich. Gerade in diesen Lebensphasen entstehen häufig langfristige finanzielle Verpflichtungen – etwa durch Immobilienfinanzierungen, Familiengründung oder Einkommensabhängigkeiten innerhalb des Haushalts. Dennoch zeigt die Studie, dass Absicherungsentscheidungen oft erst dann getroffen werden, wenn bereits ein konkreter Anlass vorliegt.

Schicksalsschläge sind der wichtigste Auslöser

Der stärkste Impuls, sich überhaupt mit finanzieller Absicherung zu beschäftigen, ist laut Studie nicht ein positiver Lebensabschnitt, sondern ein negatives Erlebnis. 29 Prozent der Befragten nennen den Tod oder eine schwere Krankheit im nahen Umfeld als wichtigsten Auslöser. Erst danach folgen Hausbau oder Immobilienkauf mit 20 Prozent sowie die Geburt eines Kindes mit 13 Prozent. Heirat oder eingetragene Partnerschaft erreichen lediglich zehn Prozent. Damit zeigt sich ein Muster, das Vermittler aus der Praxis kennen: Viele Menschen reagieren auf Risiken erst dann, wenn sie unmittelbar erlebt werden.

Zwischen Sicherheitswunsch und Vorsorge liegt eine Lücke

Die Studie deutet darauf hin, dass nicht mangelndes Problembewusstsein die größte Herausforderung darstellt. Vielmehr gelingt es vielen Menschen nicht, aus ihrem Sicherheitsbedürfnis konkrete Handlungen abzuleiten. Als größte Hürde für den Abschluss einer Risikolebensversicherung nennen die Befragten hohe Kosten. Gleichzeitig gibt ein erheblicher Teil an, sich bislang schlicht nicht mit dem Thema beschäftigt zu haben oder den Bedarf nicht zu sehen. Auch die Verdrängung von Krankheit und Tod spielt eine Rolle.

Beratung als Brücke zwischen Sorge und Handlung

Für Vermittler ergibt sich daraus ein interessantes Spannungsfeld. Die Studie zeigt, dass das Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen vorhanden ist, konkrete Vorsorgeentscheidungen aber häufig ausbleiben. „Ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis führt nicht automatisch zu besserer Vorsorge. Genau hier kann moderne Beratung ansetzen. Finanzielle Resilienz schafft die Basis, um auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben“, sagt Dr. Klaus Math, Vorstand der LV 1871.

LV 1871 Resilienz-Check 2026

  • 49 Prozent berichten von einem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis
  • 52 Prozent fühlen sich nur mittelmäßig oder schlecht abgesichert
  • 29 Prozent beschäftigen sich nach Krankheit oder Todesfällen im Umfeld mit Vorsorge
  • 47 Prozent tragen die größte finanzielle Verantwortung ausschließlich für sich selbst
  • Befragt wurden 2.047 Personen im April 2026 durch YouGov
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