Warum die Generation Z den industriellen Wandel anders erlebt
Junge Industriebeschäftigte fürchten Künstliche Intelligenz häufiger als ältere Kollegen und erleben die Transformation deutlich belastender. Gleichzeitig verschlechtert sich der Arbeitsmarkt für Ingenieure – obwohl der langfristige Fachkräftebedarf hoch bleibt.
Die industrielle Transformation verändert nicht nur Unternehmen, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Beschäftigten. Vor allem jüngere Arbeitnehmer erleben den Wandel als Belastung. Sie fürchten häufiger als ältere Generationen, durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden, und berichten über steigenden psychischen Druck, so eine neue Studie von Swiss Life Deutschland, IGBCE und ChemieRente. Parallel zeigt der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor eine konjunkturelle Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt – bei gleichzeitig unverändert hohem langfristigem Fachkräftebedarf.
Die Generation Z blickt mit größerer Sorge auf den Wandel
Die wirtschaftliche Transformation der Industrie wird von Beschäftigten unterschiedlich wahrgenommen. Während insgesamt ein Viertel der Befragten befürchtet, innerhalb der kommenden zehn Jahre durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden, liegt dieser Anteil bei den unter 30-Jährigen bei 37 Prozent. Auch die persönliche Belastung fällt in dieser Altersgruppe deutlich höher aus. 59 Prozent der Beschäftigten der Generation Z geben an, dass der aktuelle Wandel ihre psychische oder körperliche Belastung bereits erhöht habe. Bei den Millennials liegt dieser Wert bei 38 Prozent, bei der Generation X bei 41 Prozent.
Mehr Druck im Arbeitsalltag
Die Sorgen beschränken sich nicht auf technologische Entwicklungen. Mehr als die Hälfte aller Industriebeschäftigten (54 Prozent) erwartet, dass die Anforderungen an Flexibilität und Belastbarkeit in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Bereits heute berichten 44 Prozent über zusätzliche körperliche oder psychische Belastungen.
Als wichtigste Ursachen nennen die Befragten:
- zusätzliche Arbeit infolge von Spar- und Effizienzprogrammen,
- Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen,
- häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen.
Die Transformation wird damit von vielen Beschäftigten nicht nur als technologische, sondern vor allem als organisatorische Herausforderung erlebt.
Ingenieurmonitor zeigt konjunkturelle Bremsspuren
Der subjektive Eindruck vieler Beschäftigter trifft auf einen Arbeitsmarkt, der sich derzeit spürbar verändert. Nach dem aktuellen VDI-/IW-Ingenieurmonitor erreichte die Zahl der Arbeitslosen in Ingenieur- und IT-Berufen Ende 2025 mit 58.392 Personen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr um 18,2 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Bereichen Technische Forschung und Produktionssteuerung. Im Bauingenieurwesen fällt der Anstieg der Arbeitslosigkeit dagegen wesentlich moderater aus.
Kurzfristige Schwäche, langfristiger Bedarf
Trotz der konjunkturellen Eintrübung warnen die Autoren des Ingenieurmonitors davor, kurzfristige Entwicklungen mit langfristigen Trends zu verwechseln. Modernisierung der Infrastruktur, Energiewende, Digitalisierung und neue Technologien werden den Bedarf an qualifizierten technischen Fachkräften nach ihrer Einschätzung dauerhaft hoch halten. Entsprechend halten bereits heute 80 Prozent der Ingenieurinnen und Ingenieure den kontinuierlichen Aufbau neuer Kompetenzen für notwendig, um langfristig beruflich erfolgreich zu bleiben.
Transformation verändert auch das Sicherheitsgefühl
Die beiden Studien zeichnen damit ein bemerkenswertes Gesamtbild. Kurzfristig verschlechtert sich die Lage auf Teilen des technischen Arbeitsmarktes. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualifikation, Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen. Gerade jüngere Beschäftigte erleben diese Gleichzeitigkeit offenbar besonders intensiv. Sie hören einerseits, dass Fachkräfte dringend gebraucht werden. Andererseits erleben sie Stellenabbau, Umstrukturierungen und eine rasante technologische Entwicklung.
Resilienz wird zur Zukunftskompetenz
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Sie müssen Beschäftigte nicht nur fachlich auf neue Technologien vorbereiten, sondern ihnen auch Sicherheit im Wandel vermitteln. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Qualifizierung, transparente Kommunikation und verlässliche Entwicklungsperspektiven künftig ebenso wichtig werden wie Investitionen in neue Technologien. Denn Transformation entscheidet sich nicht allein an der Geschwindigkeit technischer Innovationen, sondern auch daran, wie gut Unternehmen ihre Beschäftigten durch den Wandel begleiten. Bereits eine aktuelle Analyse der KKH hatte gezeigt, dass fehlende Orientierung und permanente Veränderung psychische Belastungen zusätzlich verstärken können. Dass technologische und organisatorische Veränderungen zunehmend gleichzeitig stattfinden, hatte sich bereits in früheren Analysen zur Digitalisierung der Arbeitswelt abgezeichnet. Parallel investieren viele Branchen trotz der konjunkturellen Schwäche weiter in den Fachkräftenachwuchs – ein Hinweis darauf, dass Unternehmen den langfristigen Personalbedarf unverändert hoch einschätzen.
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