Berufsunfähigkeitsversicherung: Warum Beitragsanpassungen meist die Ausnahme bleiben
Steigende Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung sorgen regelmäßig für Diskussionen. Eine aktuelle Untersuchung des Analysehauses infinma kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Bei vielen Versicherern sind die Zahlbeiträge im Bestand seit Jahren unverändert geblieben. Die Analyse zeigt zugleich, warum die Stabilität der Bestände für Vermittler und Kunden ein wichtiges Qualitätsmerkmal bleibt.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Produkten der privaten Arbeitskraftabsicherung. Gleichzeitig sorgt kaum ein Thema regelmäßig für so viele Diskussionen wie mögliche Beitragsanpassungen im Bestand. Eine aktuelle Untersuchung des Kölner Analysehauses infinma zeichnet jedoch ein deutlich weniger dramatisches Bild. Nach Angaben der Analysten bleiben Erhöhungen der Zahlprämien im Bestand weiterhin die Ausnahme.
Blick auf die Bestände statt auf Neutarife
Für die Untersuchung hat infinma deutsche Lebensversicherer erneut zur Beitragsstabilität ihrer Berufsunfähigkeitsversicherungen befragt. Im Mittelpunkt stand dabei nicht das Neugeschäft, sondern die Frage, ob Versicherer in den vergangenen zehn, fünfzehn, zwanzig oder mehr Jahren Anpassungen an der Überschussbeteiligung vorgenommen haben, die zu höheren Zahlbeiträgen im Bestand geführt hätten. Nach Angaben von infinma müssen die Zahlprämien für Kunden dabei mindestens konstant geblieben oder sogar gesunken sein, um als unverändert zu gelten.
Risikoergebnisse bleiben stabil
Für infinma-Geschäftsführer Dr. Jörg Schulz liegt ein wesentlicher Grund in der weiterhin stabilen Entwicklung der Risikoergebnisse vieler Lebensversicherer. „Ein Blick in die Informationen aus MindZV zeigt, dass die Risikoergebnisse bei den großen deutschen Lebensversicherern unverändert stabil sind. Das wirkt sich dann auch auf die Prämien im Bestand aus. Erhöhungen der Zahlprämie im BU-Bestand bleiben die Ausnahme“, erklärt Schulz. Die Umfrage bestätige erneut, dass viele Versicherer ihre Berufsunfähigkeitsbestände langfristig solide kalkuliert hätten. Prämienanpassungen seien deshalb bislang selten geblieben.
Medienbild und Realität klaffen auseinander
Auch infinma-Geschäftsführer Marc Glissmann sieht eine Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Entwicklung. „Das Thema Beitragsanpassungen im BU-Bestand bleibt ein Thema, das von den Medien dramatischer dargestellt wird, als es wirklich ist“, sagt Glissmann. Gleichzeitig mahnt er jedoch, die Entwicklung weiterhin aufmerksam zu beobachten. Nach Einschätzung des Analysehauses beziehen sich viele der häufig zitierten Anpassungen auf ältere Tarifgenerationen oder auf Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen. Zahlreiche große Anbieter hätten ihre Bestände bei selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen bislang überhaupt nicht angepasst. Genannt werden unter anderem ERGO Vorsorge, Generali, HDI, LV 1871 und Volkswohl Bund.
Neue Herausforderung: Immer kleinere Kollektive
Trotz der positiven Ergebnisse sieht infinma eine Entwicklung, die langfristig an Bedeutung gewinnen könnte. Durch die zunehmende Differenzierung nach Berufsgruppen und Tarifsegmenten entstehen bei vielen Versicherern immer kleinere Versichertenkollektive. Aus Sicht von Rückversicherern wird diese Entwicklung teilweise bereits kritisch beobachtet. Je kleiner die Risikogemeinschaften werden, desto stärker können einzelne Entwicklungen statistisch ins Gewicht fallen. Für Versicherer bleibt deshalb die Frage relevant, wie sich Individualisierung und langfristige Kollektivstabilität miteinander vereinbaren lassen.
Transparenz wird zum Wettbewerbsfaktor
Parallel zur Untersuchung der Beitragsstabilität hat infinma erneut Zusatzinformationen zur Arbeitskraftabsicherung abgefragt. Dabei standen Fragen der Transparenz im Mittelpunkt. Nach Angaben der Analysten geht die Zahl der teilnehmenden Versicherer zwar zurück, gleichzeitig liefern die teilnehmenden Unternehmen zunehmend detailliertere Informationen.
Besonders interessant sei die Unterscheidung zwischen Gesundheitsprüfung und Risikoprüfung. Einige Versicherer definieren inzwischen in ihren Bedingungen genauer, welche Prüfungen konkret vorgenommen werden. Angesichts der regelmäßig diskutierten Herausforderungen bei Gesundheitsfragen begrüßt infinma diese Entwicklung ausdrücklich.
Was die Ergebnisse für Vermittler bedeuten
Für Vermittler liefern die Ergebnisse vor allem einen wichtigen Hinweis für die Beratungspraxis. Während Beitragsanpassungen regelmäßig Schlagzeilen erzeugen, zeigt die Untersuchung, dass die Bestände vieler Anbieter über lange Zeiträume stabil geblieben sind. Gleichzeitig unterstreicht die Analyse, dass Beitragsstabilität allein kein ausreichendes Qualitätsmerkmal ist. Transparente Bedingungen, nachvollziehbare Risikoprüfungen und eine langfristig tragfähige Kalkulation bleiben ebenso wichtige Kriterien bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung.
Die Ergebnisse der infinma-Umfrage zeigen damit vor allem eines: Die Diskussion über Beitragsanpassungen bleibt berechtigt – sie sollte jedoch auf Basis der tatsächlichen Bestandsentwicklung und nicht allein anhand einzelner Beispiele geführt werden.
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