Betriebliche Vorsorge scheitert oft schon an der Information
Betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeit gelten als wichtige Instrumente der Mitarbeiterbindung. Doch viele Beschäftigte wissen offenbar gar nicht, welche Angebote ihr Arbeitgeber bereithält. Eine aktuelle Auskopplung der Continentale-Studie zeigt: Nicht nur die Verbreitung betrieblicher Vorsorge bleibt ausbaufähig – häufig hapert es bereits an der Information.
Ob betriebliche Altersvorsorge, betriebliche Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsschutz: Arbeitgeber können ihren Beschäftigten heute eine Vielzahl zusätzlicher Vorsorgelösungen anbieten. Dennoch profitieren bislang vergleichsweise wenige Arbeitnehmer davon. Das zeigt eine neue Auskopplung der Continentale-Studie 2026. Die Zahlen offenbaren dabei nicht nur Lücken in der betrieblichen Vorsorge selbst. Sie deuten auch auf ein grundlegendes Kommunikationsproblem hin: Viele Beschäftigte wissen offenbar gar nicht, welche Angebote in ihrem Unternehmen überhaupt existieren.
Millionen Beschäftigte ohne betriebliche Vorsorge
Am weitesten verbreitet ist nach wie vor die betriebliche Altersvorsorge. Dennoch verfügen lediglich 37 Prozent der Berufstätigen über eine bAV. Im Umkehrschluss bedeutet das: Millionen Beschäftigte können derzeit nicht mit einer zusätzlichen Betriebsrente rechnen. Noch geringer fällt die Verbreitung anderer betrieblicher Vorsorgelösungen aus. Eine betriebliche Krankenversicherung besitzen lediglich elf Prozent der Befragten. Nur 13 Prozent sind über ihren Arbeitgeber gegen Unfälle abgesichert. Bei der betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung liegt der Anteil sogar bei lediglich acht Prozent. Nach Einschätzung der Continentale besteht insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen weiterhin erheblicher Nachholbedarf. „Dabei lohnt sich die Absicherung über den Arbeitgeber. Denn sie bietet einen einfachen Zugang zu wichtigem Versicherungsschutz, günstige Konditionen und weitere finanzielle Vorteile“, sagt Jürgen Wörner, Vorstand Vertriebspartnerbetreuung und Kundendienst bei der Continentale Versicherung.
Die eigentliche Lücke liegt oft bei der Information
Bemerkenswert ist jedoch ein anderer Befund der Studie. Rund die Hälfte der Beschäftigten arbeitet entweder in Unternehmen ohne betriebliche Vorsorgeangebote – oder weiß schlicht nicht, welche Leistungen der eigene Arbeitgeber anbietet. Damit verschiebt sich der Blickwinkel. Die größte Hürde scheint häufig nicht das fehlende Produkt zu sein, sondern fehlende Transparenz. Wo Mitarbeiter ihre Möglichkeiten nicht kennen, können sie diese auch nicht nutzen.
Für Vermittler eröffnet sich daraus eine doppelte Aufgabe: Neben der Einführung geeigneter Versorgungslösungen gewinnt die verständliche Information der Beschäftigten zunehmend an Bedeutung.
Beratung wird zum entscheidenden Faktor
Die Ergebnisse fügen sich in eine Entwicklung ein, die sich derzeit auch in anderen Bereichen der Vorsorge beobachten lässt. So hatte ERGO im Zusammenhang mit der Altersvorsorgereform 2027 zuletzt betont, dass die neue Förderwelt trotz vereinfachter gesetzlicher Rahmenbedingungen weiterhin erklärungsbedürftig bleibe. Der Leitsatz des Unternehmens lautete entsprechend: „Förderung braucht Beratung.“ Die Continentale-Studie legt nun nahe, dass dieser Gedanke auch für die betriebliche Vorsorge gilt. Angebote allein reichen nicht aus, wenn Beschäftigte weder ihren Umfang noch ihren Nutzen kennen.
Vorsorge endet nicht beim Produkt
Bereits eine frühere Auskopplung der Continentale-Studie hatte gezeigt, dass insbesondere junge Menschen Risiken wie den Verlust der Arbeitskraft durchaus erkennen, daraus aber häufig keine konkreten Vorsorgeentscheidungen ableiten. Die neue Untersuchung ergänzt dieses Bild um eine weitere Perspektive: Selbst dort, wo Vorsorgelösungen grundsätzlich vorhanden sind, scheitert ihre Nutzung offenbar nicht selten bereits an der Information.
Damit rückt neben dem eigentlichen Produkt zunehmend die Kommunikation in den Mittelpunkt. Für Arbeitgeber geht es künftig nicht nur darum, betriebliche Vorsorge anzubieten, sondern sie auch verständlich zu vermitteln. Für Vermittler bedeutet das, dass Information und Beratung immer stärker zum entscheidenden Bestandteil ihres Leistungsversprechens werden.
Die Studie zeigt damit weniger ein Produktproblem als ein Kommunikationsproblem – und genau darin könnte eines der größten Potenziale der betrieblichen Vorsorge liegen.
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