ERGO setzt bei der Altersvorsorge-Reform auf Beratung

Veröffentlichung: 27.07.2026, 13:07 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die neue staatlich geförderte Altersvorsorge nimmt Gestalt an. Nachdem mehrere Versicherer bereits ihre künftigen Produktstrategien vorgestellt haben, richtet ERGO den Blick auf einen anderen Aspekt: die Orientierung der Kunden. Denn mit der Reform wächst nicht nur die Produktauswahl – sondern auch der Beratungsbedarf.

(PDF)
Hauptsitz der ERGO in Düsseldorf.Hauptsitz der ERGO in Düsseldorf.ERGO

Die Vorbereitungen der Versicherungswirtschaft auf die Altersvorsorge-Reform gehen in die nächste Phase. Nachdem zuletzt bereits mehrere Anbieter ihre künftigen Produktstrategien vorgestellt haben, kündigt nun auch die ERGO Vorsorge Lebensversicherung an, zum Start des neuen Fördermodells Anfang 2027 sämtliche im Altersvorsorgereformgesetz vorgesehenen Produktarten anbieten zu wollen. Dazu zählen Garantieprodukte ebenso wie das neue Altersvorsorgedepot und das Standarddepot. Nach Angaben des Unternehmens sollen alle drei Varianten rechtzeitig zum Inkrafttreten der Reform verfügbar sein.

Reform erweitert den Förderkreis

Mit dem Altersvorsorgereformgesetz verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, die kapitalgedeckte private Altersvorsorge breiter aufzustellen und gleichzeitig die bisherige Förderung zu vereinfachen. Unter anderem soll der Kreis der Förderberechtigten auf Selbstständige und Freiberufler ausgeweitet werden. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Reform die bisherige Komplexität reduziert und mehr Renditechancen sowie einen größeren Kreis der Förderbegünstigten ermöglicht“, sagt Dr. Oliver Horn, Vorstandsvorsitzender der ERGO Vorsorge Lebensversicherung.

Förderung braucht Beratung

Trotz der angestrebten Vereinfachung sieht ERGO die neue Produktwelt nicht als selbsterklärend an. „Die individuelle Beratung unserer Kundinnen und Kunden steht bei uns auch zukünftig im Mittelpunkt“, betont Oliver Horn. Die verschiedenen Förderwege eröffneten neue Möglichkeiten, erhöhten zugleich aber den Bedarf an einer individuellen Einordnung. Deshalb setzt das Unternehmen weiterhin auf die persönliche Beratung durch seine Vertriebspartner. Um Kunden frühzeitig auf die Reform vorzubereiten, hat ERGO bereits eine Informationsplattform eingerichtet. Dort können Interessierte die wichtigsten Änderungen nachlesen und mithilfe eines Zulagenrechners ihre möglichen Förderansprüche berechnen. Für bestehende Riester-Kunden empfiehlt das Unternehmen derzeit noch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, sondern zunächst eine sorgfältige Prüfung der künftigen Optionen gemeinsam mit einem Berater.

Der Wettbewerb verlagert sich

Mit dieser Positionierung setzt ERGO einen anderen Akzent als viele der bisherigen Marktankündigungen. Während zunächst vor allem die Frage im Mittelpunkt stand, welche Produktvarianten die Versicherer künftig anbieten werden, rückt nun stärker in den Fokus, wie Kunden durch die neue Förderlandschaft geführt werden sollen.
Bereits die Allianz hat angekündigt, zum Start der Reform alle drei Vorsorgewege anzubieten. Auch die DEVK bereitet neue Förderprodukte vor, während die Alte Leipziger ihre Produktstrategie auf die Zeit nach Riester ausrichtet. Auch der Volkswohl Bund und die W&W-Gruppe sehen sich gut auf die Altersvorsorgereform 2027 vorbereitet. Mit der Ankündigung der ERGO zeichnet sich zunehmend ein Marktbild ab, in dem die Produktpalette zwar weitgehend vergleichbar sein dürfte, die Beratung jedoch zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal werden könnte.

Lebenslange Rente bleibt das zentrale Argument

Mit Blick auf den Wettbewerb durch Fondsanbieter und Neobroker verweist ERGO zugleich auf die Besonderheit klassischer Rentenversicherungen. „Wer eine lebenslange Rente möchte, findet diese nur bei Versicherungen. Auszahlpläne bergen immer das Risiko, dass das Geld vor der Zeit aufgebraucht ist. Versicherungen zahlen lebenslang“, sagt Oliver Horn. Damit unterstreicht das Unternehmen den Anspruch, sich im künftigen Markt nicht allein über neue Fördermodelle zu positionieren, sondern über die Verbindung aus lebenslanger Rentenzahlung, staatlicher Förderung und individueller Beratung.
Ob dieser Beratungsansatz zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird, dürfte sich mit dem Start der neuen Produktwelt Anfang 2027 zeigen. Schon heute zeichnet sich jedoch ab, dass sich der Wettbewerb zunehmend von der Frage löst, welche Produkte angeboten werden – und stärker darauf richtet, wie Kunden durch die neue Förderlandschaft begleitet werden.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

„Die lebenslange Rente ist ein klares Alleinstellungsmerkmal der Versicherer gegenüber Banken, Fondsanbietern, Neobrokern oder staatlichen Standardlösungen“, sagt Dr. Michael Zons, Vorstand für die Bereiche Leben und Komposit bei den DEVK Versicherungen.„Die lebenslange Rente ist ein klares Alleinstellungsmerkmal der Versicherer gegenüber Banken, Fondsanbietern, Neobrokern oder staatlichen Standardlösungen“, sagt Dr. Michael Zons, Vorstand für die Bereiche Leben und Komposit bei den DEVK Versicherungen.Jürgen Naber /DEVK
Produkte

Altersvorsorge-Reform: DEVK plant zwei neue Förderprodukte ab 2027

Die Vorbereitungen auf die Reform der privaten Altersvorsorge laufen inzwischen bei immer mehr Versicherern an. Nach Allianz und anderen Marktteilnehmern kündigt nun auch die DEVK konkrete Produktpläne für 2027 an – und setzt dabei auf zwei unterschiedliche Wege der geförderten Vorsorge.
Der Bundesrat in Berlin: Die Länderkammer spielt eine zentrale Rolle bei der Verabschiedung bundesweiter Gesetze und Reformvorhaben.Der Bundesrat in Berlin: Die Länderkammer spielt eine zentrale Rolle bei der Verabschiedung bundesweiter Gesetze und Reformvorhaben.Redaktion experten.de / KI-generiert
Politik

Altersvorsorgereform passiert Bundesrat – Streit um Staatsfonds und Kosten beginnt erst jetzt

Mit der Zustimmung des Bundesrates ist die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Während Branchenverbände die stärkere Kapitalmarktorientierung grundsätzlich begrüßen, wächst zugleich die Kritik an Staatsfonds-Modellen, fehlender Beratung und möglichen Kostenfallen.
Alina vom Bruck sieht bei vielen Verbrauchern erhebliche Wissenslücken rund um die geplante Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.Alina vom Bruck sieht bei vielen Verbrauchern erhebliche Wissenslücken rund um die geplante Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.Frank van Groen
Studien

Rätsel Rentenreform: Mehrheit fühlt sich über neue Vorsorgeprodukte schlecht informiert

Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge soll mehr Menschen zum Vermögensaufbau für das Alter bewegen. Doch eine aktuelle Studie der BarmeniaGothaer zeigt: Viele Bürger kennen die Reform kaum oder fühlen sich unzureichend informiert. Besonders bei jungen Erwachsenen klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.
Vertriebsvorständin Stefanie van HoltVertriebsvorständin Stefanie van HoltVolkswohl Bund
Fürs Alter

Altersvorsorge-Depot: Volkswohl Bund warnt vor „Klick-Lösungen“

Das geplante Altersvorsorge-Depot soll die private Altersvorsorge einfacher und attraktiver machen. Der Volkswohl Bund begrüßt die Reform grundsätzlich, warnt jedoch vor einer Unterschätzung der neuen Komplexität. Kunden stünden künftig vor weitreichenden Entscheidungen, die aus Sicht des Versicherers ohne qualifizierte Beratung schnell zu Fehlentscheidungen führen könnten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht