bKV 2026: ASCORE sieht mehr Qualität – aber auch neue Versorgungslücken

Veröffentlichung: 18.05.2026, 15:05 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die betriebliche Krankenversicherung entwickelt sich weiter zum strategischen Mitarbeiter-Benefit. Das zeigt der neue ASCORE-Scoring-Jahrgang 2026. Während viele Tarife qualitativ zulegen, gewinnen zugleich Themen wie gesetzliche Zuzahlungen, Pflegekosten und digitale Versorgung an Bedeutung.

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Die betriebliche Krankenversicherung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument für Gesundheitsversorgung, Mitarbeiterbindung und betriebliche Vorsorge.Die betriebliche Krankenversicherung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument für Gesundheitsversorgung, Mitarbeiterbindung und betriebliche Vorsorge.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) bleibt ein Wachstumsfeld im Markt der betrieblichen Vorsorge. Der neue Produkt-Scoring-Jahrgang 2026 von ASCORE Analyse zeigt dabei eine zunehmende Qualitätsdifferenzierung zwischen den Tarifen – und zugleich neue Schwerpunkte bei den Leistungen.
Nach Angaben von ASCORE stehen die aktualisierten Kriterienkataloge ab sofort im „ASCORE Navigator“ zur Verfügung. Im Rahmen des diesjährigen Updates wurden bestehende Benchmarks angepasst und neue Kriterien auf ihre Bewertungsrelevanz überprüft. Insgesamt flossen 258 Tarife von 18 Versicherern in die Analyse ein. Im Vorjahr waren es noch 300 Tarife gewesen.

Neue Leistungsmerkmale rücken in den Fokus

Besonders auffällig ist die stärkere Gewichtung bestimmter Gesundheitsleistungen. Neu beziehungsweise stärker berücksichtigt werden unter anderem Leistungen zur Funktionsanalyse bei Zahnbehandlungen sowie die Erstattung gesetzlicher Zuzahlungen für Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung.
ASCORE begründet dies ausdrücklich mit den aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen. Hintergrund seien unter anderem steigende Belastungen in der gesetzlichen Krankenversicherung und die Diskussionen rund um die Gesundheitsreform 2026. Damit rücken Leistungen stärker in den Fokus, die bisher oft als Randthemen galten.

Gerade dieser Trend zeigt, wie sehr sich die bKV inzwischen von einem klassischen Zusatzbenefit zu einem Instrument entwickelt, das Versorgungslücken im Gesundheitssystem abfedern soll. Bereits frühere Studien hatten darauf hingewiesen, dass Unternehmen die bKV zunehmend zur Mitarbeiterbindung und zur Reduzierung von Fehlzeiten einsetzen. So zeigte eine aktuelle Untersuchung deutliche Effekte auf Wertschätzung und Fehlzeiten in Unternehmen.

Markt konsolidiert sich

Die geringere Zahl bewerteter Tarife führt ASCORE unter anderem auf strategische Zusammenschlüsse von Versicherern und Tarifschließungen zurück. Gleichzeitig zeigt das Scoring aber auch, dass sich viele Leistungsstandards inzwischen auf höherem Niveau stabilisieren.
Besonders bei neu aufgenommenen Kompakt-Tarifen fiel laut ASCORE auf, dass sich die Leistungen für Kieferorthopädie ohne Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung verbessert haben.
Parallel dazu verändert sich auch die technische Infrastruktur vieler Angebote. Immer häufiger setzen Versicherer auf digitale Plattformen und automatisierte Prozesse. Experten.de hatte zuletzt über neue digitale bKV-Lösungen berichtet, bei denen Technologieanbieter und Versicherer enger zusammenarbeiten.

Pflege und Vorsorge gewinnen an Bedeutung

Auffällig ist zudem, dass die Grenzen zwischen klassischer Gesundheitsvorsorge und Pflegevorsorge zunehmend verschwimmen. Hintergrund sind steigende Eigenanteile in der Pflege sowie die Sorge vieler Beschäftigter vor finanziellen Belastungen im Alter.
Experten.de hatte bereits berichtet, dass betriebliche Pflegevorsorge angesichts steigender Eigenanteile stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig wird die bKV für Unternehmen immer stärker zu einem strategischen Instrument im Wettbewerb um Fachkräfte. Frühere Analysen zeigten bereits, dass eine bKV die Fluktuation in Unternehmen spürbar senken kann.

Mittelstand entdeckt die bKV – aber oft ohne Strategie

Trotz der wachsenden Bedeutung wird betriebliche Vorsorge in vielen mittelständischen Unternehmen weiterhin eher punktuell als strategisch eingesetzt. Das betrifft auch die bKV. Eine frühere Analyse hatte gezeigt, dass betriebliche Vorsorgelösungen im Mittelstand zwar verbreitet sind, aber häufig ohne langfristige Gesamtkonzeption eingeführt werden.
Das aktuelle ASCORE-Scoring verdeutlicht damit nicht nur die Entwicklung einzelner Tarife, sondern auch einen grundlegenden Wandel der betrieblichen Krankenversicherung. Die bKV wird zunehmend zu einem Instrument zwischen Gesundheitsversorgung, Mitarbeiterbindung und sozialpolitischer Entlastung.

Methodik des ASCORE-Scorings

Nach Angaben von ASCORE basiert das Analyseverfahren auf aktuellen Versicherungsbedingungen sowie Annahme- und Verkaufsrichtlinien der jeweiligen Anbieter. Bewertet werden sowohl score-relevante Kriterien als auch ergänzende IR-Kriterien („Individual Research“). Die Bewertung erfolgt über ein Punktesystem ohne Gewichtungsfaktoren.
Die Ergebnisse werden im bekannten 6-Kompass-System visualisiert und sollen Vermittlern sowie Unternehmen eine bessere Vergleichbarkeit der Tarife ermöglichen.

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