Betriebliche Vorsorge im Mittelstand: Viel genutzt – aber selten strategisch eingesetzt
Betriebliche Vorsorgelösungen bleiben ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Gleichzeitig werden insbesondere bAV und bKV in vielen Unternehmen noch nicht konsequent strategisch genutzt, zeigt eine Studie der ALH Gruppe.
Betriebliche Vorsorgelösungen behalten im deutschen Mittelstand ihre Bedeutung für Mitarbeitergewinnung und -bindung. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Untersuchung der ALH Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa. Die Studie knüpft an die Erhebung aus dem Jahr 2024 an und erweitert den Blick erstmals um die betriebliche Krankenversicherung.
Im Zeitvergleich zeigen sich dabei stabile Trends. Klassische Zusatzleistungen dominieren weiterhin die Rangliste der wichtigsten Benefits, während die betriebliche Altersversorgung im oberen Mittelfeld liegt. Rund 72 Prozent der befragten Unternehmen bewerten sie als wichtig für die Mitarbeiterbindung. Gleichzeitig wird deutlich, dass zwischen der wahrgenommenen Bedeutung und der tatsächlichen Nutzung einzelner Angebote weiterhin eine Lücke besteht.
Die betriebliche Altersversorgung ist im Mittelstand zwar weit verbreitet, wird jedoch häufig nicht als strategisches Instrument eingesetzt. In rund 40 Prozent der Unternehmen nutzen weniger als ein Viertel der Beschäftigten die Möglichkeit der Entgeltumwandlung. Zudem beschränkt sich mehr als die Hälfte der Arbeitgeber beim Zuschuss auf den gesetzlichen Mindestanteil von 15 Prozent.
Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand der Alte Leipziger Lebensversicherung, ordnet diese Entwicklung ein: „Die betriebliche Altersversorgung ist im Mittelstand zwar etabliert, wird aber häufig noch als Pflichtleistung verstanden und nicht als strategisches Instrument zur Mitarbeiterbindung genutzt.“ Gerade höhere Arbeitgeberzuschüsse könnten die Attraktivität deutlich steigern und die Verbreitung erhöhen.
Auch im Bereich der biometrischen Absicherung zeigt sich weiteres Potenzial. Rund ein Drittel der Unternehmen bietet bereits die Möglichkeit, im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung abzuschließen. Die Kombination aus Altersvorsorge und Absicherung der Arbeitskraft könnte damit stärker zur Differenzierung im Wettbewerb um Fachkräfte beitragen.
Erstmals nimmt die Studie auch die betriebliche Krankenversicherung in den Blick. Aktuell bieten etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen eine arbeitgeberfinanzierte Lösung an, während bereits rund 40 Prozent diesen Benefit als wichtig einstufen. Wiltrud Pekarek, Vorständin der Hallesche Krankenversicherung, sieht darin ein klares Wachstumssignal: „Die betriebliche Krankenversicherung befindet sich klar in einer Wachstumsphase.“ Das Interesse sei deutlich größer als die aktuelle Verbreitung.
Auffällig ist dabei die unterschiedliche Umsetzung im Vergleich zur bAV. Während 60 Prozent der Unternehmen keine rein arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung anbieten, ist der Anteil vollständig finanzierter Modelle bei der bKV bereits vergleichsweise hoch. Neue Benefits werden damit offenbar stärker als Zusatzleistung positioniert, während die bAV häufig weiterhin über Entgeltumwandlung organisiert wird.
Grundsätzlich rechnen die Unternehmen mit einer steigenden Bedeutung betrieblicher Vorsorgelösungen. Rund 90 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass deren Relevanz in Zukunft weiter zunehmen wird. Dabei bleibt die bAV für viele Unternehmen das zentrale Instrument, während die bKV zunehmend ergänzend eingesetzt wird.
Christoph Bohn, Vorstandsvorsitzender der ALH Gruppe, ordnet die Rolle betrieblicher Vorsorge im Gesamtkontext ein: „Mit bAV und bKV haben wir gut funktionierende Lösungen zur Stärkung des Vorsorgeniveaus der Bürger.“ Voraussetzung für eine stärkere Verbreitung seien jedoch passende politische Rahmenbedingungen sowie leistungsfähige Serviceangebote, etwa digitale Lösungen für die Verwaltung betrieblicher Vorsorge.
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