Pflichtversicherung allein reicht nicht: Warum die Elementarschaden-Debatte neu geführt wird
Hochwasser, Starkregen und Überschwemmungen sorgen regelmäßig für Milliardenschäden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden erneut an Dynamik. Doch nach Einschätzung von Assekurata greift die Debatte zu kurz. Versicherungsschutz allein verhindert keine Schäden – und löst zentrale Herausforderungen der Klimaanpassung nicht.
Die Folgen extremer Wetterereignisse beschäftigen Politik, Versicherer und Immobilienbesitzer gleichermaßen. Nach Starkregen- und Hochwasserereignissen wird regelmäßig die Forderung nach einer verpflichtenden Absicherung gegen Elementarrisiken laut. Ziel ist es, mehr Eigentümer gegen finanzielle Schäden abzusichern und staatliche Hilfsprogramme zu entlasten.
Tatsächlich besteht weiterhin eine erhebliche Versicherungslücke. Nach Angaben von Assekurata verfügen lediglich rund 59 Prozent der Wohngebäude in Deutschland über einen erweiterten Schutz gegen Naturgefahren wie Überschwemmung oder Starkregen. Mehr als vier von zehn Gebäuden bleiben damit ungeschützt.
Versicherungsschutz schließt die Präventionslücke nicht
Für Assekurata greift die Diskussion um eine Pflichtversicherung jedoch zu kurz. „Eine Pflichtversicherung kann den Versicherungsschutz verbreitern, sie verhindert aber keine Schäden“, betont Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden- und Unfallversicherung bei Assekurata. Die eigentliche Herausforderung liege darin, die Schäden selbst zu reduzieren. Denn unabhängig davon, wer die Kosten später trägt, nehmen die Risiken vielerorts zu. Extreme Niederschläge treffen längst nicht mehr nur klassische Hochwasserregionen. Auch Kommunen, die bislang als wenig gefährdet galten, sehen sich zunehmend mit Starkregenereignissen konfrontiert.
Klimarisiken treffen auf steigende Wiederaufbaukosten
Hinzu kommt ein zweiter Trend: Schäden werden immer teurer. Steigende Baupreise, höhere Materialkosten und zunehmende Handwerkerlöhne führen dazu, dass die Regulierung von Schäden deutlich kostspieliger geworden ist. Selbst kleinere Schäden verursachen heute häufig höhere Kosten als noch vor wenigen Jahren. Dadurch geraten nicht nur Versicherer unter Druck. Auch Eigentümer müssen sich auf steigende Anforderungen an den Gebäudeschutz einstellen.
Prävention wird zum entscheidenden Faktor
Nach Einschätzung von Assekurata wird die langfristige Versicherbarkeit von Gebäuden künftig stärker von Präventionsmaßnahmen abhängen. „Prävention wird zunehmend zu einem zentralen Stabilitätsfaktor in der Wohngebäudeversicherung“, sagt Wittkamp. Dazu gehören sowohl öffentliche als auch private Maßnahmen. Kommunen können durch Rückhaltebecken, Entwässerungskonzepte oder angepasste Infrastruktur Risiken reduzieren. Eigentümer wiederum können durch Rückstauklappen, wasserdichte Kellerfenster oder bauliche Schutzmaßnahmen Schäden begrenzen. Je geringer die Schadenbelastung ausfällt, desto stabiler lassen sich Risiken versichern.
Wer trägt die Verantwortung?
Genau an diesem Punkt wird die politische Debatte kompliziert. Während Befürworter einer Pflichtversicherung vor allem auf eine breitere Absicherung verweisen, stellt sich die Frage nach den Anreizen zur Risikovermeidung. Kritiker befürchten, dass eine verpflichtende Lösung ohne begleitende Präventionsmaßnahmen die eigentlichen Ursachen ausblendet. Für Assekurata steht deshalb fest: Die Diskussion darf nicht auf die Versicherungsfrage reduziert werden. Notwendig sei vielmehr ein Gesamtkonzept aus Versicherungsschutz, Risikobewusstsein, kommunaler Vorsorge und baulicher Prävention.
Vermittler werden stärker zu Risikoberatern
Für Vermittler gewinnt die Elementarschadenberatung damit eine neue Dimension. Künftig dürfte es immer weniger ausreichen, lediglich den Versicherungsschutz zu erläutern. Gefragt sind vielmehr Gespräche über konkrete Risiken vor Ort, Präventionsmöglichkeiten und die langfristige Absicherung von Immobilien. Die zentrale Frage lautet dabei nicht nur, ob ein Schaden versichert ist. Sondern auch, wie sich verhindern lässt, dass er überhaupt entsteht.
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