Wohnimmobilienmarkt: Stabilisierung gewinnt an Breite – Leipzig setzt das stärkste Signal

Veröffentlichung: 22.07.2026, 06:07 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt hat im zweiten Quartal seinen Erholungskurs fortgesetzt. Das geht aus dem aktuellen WohnBarometer von ImmoScout24 hervor, das die Entwicklung von Angebot, Nachfrage und Preisen auf Basis der Immobilieninserate sowie ergänzender Bewertungsdaten von Sprengnetter analysiert. Die Zahlen zeigen eine breit angelegte Marktbelebung: Die Kaufpreise stiegen in nahezu allen Segmenten, die Nachfrage legte sowohl in den Metropolen als auch im ländlichen Raum zu und der Verhandlungsspielraum zwischen Käufern und Verkäufern verringerte sich spürbar.
Die erste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank seit 2023 blieb am Immobilienmarkt zunächst ohne größere Folgen. Trotz des Zinsschritts auf 2,40 Prozent verharrten die Baufinanzierungszinsen bei rund 3,9 Prozent. Die Marktentwicklung wird damit zunehmend von fundamentalen Faktoren wie Angebot, Standortqualität und Energieeffizienz bestimmt – nicht mehr allein von der Geldpolitik.

(PDF)
Stabile Bauzinsen, steigende Kaufpreise und Leipzig als dynamischster Immobilienmarkt: Das ImmoScout24 WohnBarometer zeigt, wie sich die Kräfteverhältnisse am Wohnimmobilienmarkt verschieben.Stabile Bauzinsen, steigende Kaufpreise und Leipzig als dynamischster Immobilienmarkt: Das ImmoScout24 WohnBarometer zeigt, wie sich die Kräfteverhältnisse am Wohnimmobilienmarkt verschieben.Experten

Baufinanzierungszinsen bleiben trotz EZB-Zinserhöhung stabil

Mit der Zinserhöhung vom 11. Juni 2026 setzte die Europäische Zentralbank zwar ein Signal für eine straffere Geldpolitik. Für Immobilienkäufer änderte sich die Finanzierungssituation jedoch kaum. Das Volumen privater Wohnungsbaukredite erreichte inflationsbereinigt 21,19 Milliarden Euro und deutet auf eine weiterhin hohe Finanzierungsbereitschaft hin. Die Nachfrage orientiert sich damit stärker am langfristigen Zinsniveau als an einzelnen geldpolitischen Entscheidungen.

Kaufpreise für Wohnimmobilien steigen bundesweit weiter

Die Preisentwicklung fiel im zweiten Quartal über alle Segmente hinweg positiv aus. Bundesweit verteuerten sich Bestandswohnungen gegenüber dem Vorquartal um 1,0 Prozent, Neubauwohnungen um 0,7 Prozent. Bei Einfamilienhäusern stiegen die Preise im Bestand um 0,3 Prozent und im Neubau um 0,9 Prozent.
Auch der Jahresvergleich bestätigt die Stabilisierung. Bestandswohnungen verteuerten sich binnen zwölf Monaten um 3,9 Prozent und weisen damit die stärkste Dynamik aller untersuchten Marktsegmente auf. Neubauwohnungen erreichten wieder das Preisniveau der Höchststände aus dem Jahr 2022. Der Aufschwung beschränkt sich damit nicht mehr auf einzelne Teilmärkte, sondern gewinnt an Breite.

Verhandlungsspielraum am Immobilienmarkt schrumpft

Mit der steigenden Nachfrage verändert sich zugleich das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern. Der durchschnittliche Verhandlungsspielraum zwischen Angebots- und Kaufpreis sank innerhalb eines Jahres von 6,9 auf 5,8 Prozent. Besonders deutlich fiel diese Entwicklung in Hamburg, Düsseldorf und Berlin aus. Verkäufer können ihre Preisvorstellungen wieder häufiger durchsetzen, während größere Preisabschläge seltener werden.
Ökonomisch signalisiert diese Entwicklung eine Rückkehr zu normaleren Marktmechanismen. Die Unsicherheit nach der Zinswende nimmt ab, Preisbildung orientiert sich wieder stärker an der tatsächlichen Knappheit des Angebots.

Leipzig entwickelt sich zum dynamischsten Immobilienmarkt der Metropolen

Unter den acht untersuchten Metropolen setzt Leipzig die stärksten Akzente. Neubau-Eigentumswohnungen verteuerten sich im Quartalsvergleich um 1,2 Prozent und damit stärker als in allen anderen Großstädten. Auch Bestandswohnungen legten mit 0,6 Prozent zu.
Parallel gewinnt der Mietmarkt an Dynamik. Die Nachfrage nach Bestandswohnungen stieg gegenüber dem Vorquartal um elf Prozent und gehört damit zu den höchsten Zuwächsen bundesweit. Gleichzeitig erhöhten sich die Angebotsmieten sowohl im Bestand als auch im Neubau um jeweils 0,8 Prozent.
Leipzig entwickelt sich damit zunehmend vom Aufholstandort zu einem eigenständigen Wachstumsmarkt. Die Kombination aus steigender Nachfrage, moderaten Preisniveaus und wirtschaftlicher Dynamik macht die Messestadt für Eigennutzer ebenso interessant wie für langfristig orientierte Investoren.

Mietmarkt 2026: Nachfrage steigt, Nebenkosten werden zum Kostentreiber

Auf dem Mietmarkt bleiben die Angebotsmieten insgesamt vergleichsweise stabil. Bundesweit erhöhten sich die Mieten für Bestandswohnungen im Quartalsvergleich um 0,6 Prozent und für Neubauwohnungen um 1,0 Prozent. Gleichzeitig steigt die Nachfrage wieder an – besonders in Hamburg, Berlin und Leipzig.
Die eigentliche Kostenbelastung verlagert sich jedoch zunehmend auf die Nebenkosten. Während die Kaltmieten von Bestandswohnungen im Jahresvergleich um 2,7 Prozent zunahmen, erhöhten sich die Nebenkosten unsanierter Wohnungen um 3,8 Prozent und damit deutlich stärker. Für Mieter wird damit nicht nur die Miethöhe, sondern zunehmend auch die energetische Qualität einer Immobilie zum entscheidenden Kostenfaktor.

Energieeffizienz verändert die Preisbildung auf dem Wohnimmobilienmarkt

Auch auf der Angebotsseite gewinnt die Energieeffizienz an Bedeutung. Der Anteil angebotener Einfamilienhäuser mit den schlechten Energieeffizienzklassen G und H ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Viele Eigentümer entscheiden sich angesichts hoher Sanierungskosten offenbar eher für den Verkauf als für umfangreiche Modernisierungen.
Damit verändert sich die Marktmechanik nachhaltig. Die Zinswende verliert ihren Charakter als dominierender Einflussfaktor. Stattdessen bestimmen wieder stärker Angebot, Standortqualität, Energieeffizienz und Finanzierbarkeit die Preisentwicklung. Der Wohnimmobilienmarkt entwickelt sich zu einem selektiveren Markt, in dem Qualität und Werthaltigkeit zunehmend über Nachfrage, Investitionen und Preise entscheiden.
Der deutsche Wohnimmobilienmarkt hat die Schockphase der Zinswende weitgehend überwunden. Die nächsten Jahre werden weniger von der Geldpolitik geprägt sein als von der Frage, welche Standorte und Immobilien den steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Finanzierbarkeit und Qualität gerecht werden.

Quelle: ImmoScout24, WohnBarometer Deutschland, Q2 2026 (Auswertung auf Basis von ImmoScout24-Marktdaten und Sprengnetter-Bewertungsdaten).

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Nicht steigende Preise, sondern die Rückkehr funktionierender Marktmechanismen prägt den deutschen Wohnimmobilienmarkt 2026.Nicht steigende Preise, sondern die Rückkehr funktionierender Marktmechanismen prägt den deutschen Wohnimmobilienmarkt 2026.
Ermächtigung

Immobilienmarkt 2026: Die Rückkehr der Preiselastizität

Das ImmoScout24 WohnBarometer Q1 2026 zeigt eine Stabilisierung des Immobilienmarkts. Preise steigen langsamer, Nachfrage reagiert sensibler auf Zinsen und Angebot.
Giving them great financial adviceGiving them great financial advicebernardbodo – stock.adobe.com
4 Wände

Wohnimmobilienmarkt nimmt an Fahrt auf

Nach dem zyklisch bedingten Tief im Dezember hat sich der Wohnimmobilienmarkt in der Folgezeit der Weihnachtsferien wieder konsolidiert. Der Index der zum Kauf angebotenen Objekte liegt in den zehn beobachteten Städten Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart bei 72 (Wert am 12. Dezember 2021: 67). In ganz Deutschland steht der Index bei 91 (Wert am 12. Dezember 2021: 82).
Energieeffiziente Eigentumswohnungen erzielen vielerorts deutliche Preisaufschläge. Wie hoch sie ausfallen, unterscheidet sich regional erheblich.Energieeffiziente Eigentumswohnungen erzielen vielerorts deutliche Preisaufschläge. Wie hoch sie ausfallen, unterscheidet sich regional erheblich.Redaktion experten.de / KI-generiert
4 Wände

Energieeffizienz hat ihren Preis: Wo Käufer für sparsame Wohnungen besonders viel zahlen

Gut gedämmte Wohnungen versprechen niedrigere Energiekosten und weniger Sanierungsbedarf – beim Kauf kann dieser Vorteil jedoch teuer werden. Der Postbank Wohnatlas zeigt enorme regionale Unterschiede: Während Käufer mancherorts mehr als 3.000 Euro je Quadratmeter zusätzlich zahlen, gibt es Regionen ganz ohne Effizienzaufschlag.
Der Traum vom Eigenheim lebt. Doch immer häufiger steht das falsche Haus am falschen Ort zum falschen Preis. Was die Verschiebung von Angebot und Nachfrage über den deutschen Immobilienmarkt verrät.Der Traum vom Eigenheim lebt. Doch immer häufiger steht das falsche Haus am falschen Ort zum falschen Preis. Was die Verschiebung von Angebot und Nachfrage über den deutschen Immobilienmarkt verrät.Experten/KI
Immobilien

Der Traum vom Eigenheim trifft auf einen Markt, der nicht passt

Der Traum vom Eigenheim bleibt. Doch ImmoScout24-Daten zeigen: Kaufkraft, Preise, Zustand und Standort von Einfamilienhäusern driften auseinander. Entscheidend ist zunehmend nicht, ob Häuser vorhanden sind – sondern ob das Gesamtpaket für Käufer noch passt.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht