Weniger Blitze, höhere Schäden: Warum moderne Häuser immer anfälliger werden

Veröffentlichung: 31.07.2026, 06:07 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Zahl der Blitz- und Überspannungsschäden ist 2025 deutlich gesunken. Gleichzeitig erreichte die durchschnittliche Schadenshöhe einen neuen Höchststand. Für Versicherer zeigt sich damit ein langfristiger Trend: Nicht die Zahl der Blitze entscheidet zunehmend über die Schadenbelastung, sondern die wachsende technische Ausstattung von Gebäuden.

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Moderne Gebäude enthalten immer mehr vernetzte Haustechnik. Dadurch steigen bei Blitz- und Überspannungsschäden die durchschnittlichen Reparatur- und Wiederherstellungskosten kontinuierlich.Moderne Gebäude enthalten immer mehr vernetzte Haustechnik. Dadurch steigen bei Blitz- und Überspannungsschäden die durchschnittlichen Reparatur- und Wiederherstellungskosten kontinuierlich.Redaktion experten.de / KI-generiert

2025 war aus Sicht der Versicherer ein vergleichsweise ruhiges Blitzjahr. Die Zahl der gemeldeten Schäden ging deutlich zurück, auch die Gesamtausgaben sanken. Dennoch mussten die Versicherer pro Schaden so viel zahlen wie nie zuvor. Der Grund liegt nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weniger in den Gewittern selbst als in der zunehmenden Technisierung moderner Gebäude.

Historisch wenige Blitzschäden

Nach Angaben des GDV registrierten die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer im vergangenen Jahr rund 180.000 Blitz- und Überspannungsschäden. Das waren rund 40.000 Schäden weniger als im Vorjahr. Die Versicherungsleistungen summierten sich auf 310 Millionen Euro und lagen damit ebenfalls unter dem Vorjahresniveau.
Die Entwicklung passt zu einem insgesamt vergleichsweise schadenarmen Naturgefahrenjahr 2025. Auch die Blitzaktivität fiel außergewöhnlich gering aus. Nach Daten von VdS Schadenverhütung wurden bundesweit lediglich knapp 100.000 Erdblitze registriert – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000. Rund ein Drittel aller Einschläge entfiel allein auf den Juni.

Jeder Schaden kostet so viel wie nie

Während die Gesamtschäden zurückgingen, setzte sich ein anderer Trend fort. Mit durchschnittlich 1.760 Euro je Schaden erreichte die Schadenshöhe einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund elf Prozent.
Nach Einschätzung des GDV hängt diese Entwicklung vor allem mit der technischen Ausstattung moderner Gebäude zusammen. Wo früher einzelne Elektrogeräte betroffen waren, müssen heute häufig komplexe und miteinander vernetzte Systeme ersetzt oder repariert werden.

Nicht der Blitz ist das größte Problem

Ein direkter Blitzeinschlag bleibt vergleichsweise selten. Deutlich häufiger entstehen Schäden durch Überspannungen im Stromnetz. Betroffen sind längst nicht mehr nur Fernseher oder Computer. Auch Heizungssteuerungen, Wärmepumpen, Smart-Home-Komponenten, Wallboxen oder andere fest installierte Haustechnik reagieren empfindlich auf Spannungsspitzen. Entsprechend steigen sowohl der Reparaturaufwand als auch die Kosten für Ersatzteile und den Wiedereinbau.
Für Versicherer verschiebt sich damit der Charakter vieler Blitzschäden: Statt einzelner beschädigter Geräte geht es zunehmend um die Wiederherstellung komplexer technischer Gebäudesysteme.

Wohngebäude- und Hausratversicherung greifen unterschiedlich

Welche Versicherung leistet, hängt von der Art des Schadens ab. Die Wohngebäudeversicherung deckt unter anderem Schäden an Dach, Mauerwerk sowie an fest eingebauten technischen Anlagen wie Heizungssteuerungen ab. Auch notwendige Sicherungsmaßnahmen oder Hotelkosten nach einem erheblichen Gebäudeschaden können mitversichert sein. Beschädigte bewegliche Gegenstände – etwa Fernseher, Computer oder andere Elektrogeräte – fallen dagegen grundsätzlich in den Schutz der Hausratversicherung.

Prävention gewinnt an Bedeutung

Mit steigenden Schadensummen rückt auch der vorbeugende Schutz stärker in den Fokus. Neben einem äußeren Blitzschutz können insbesondere Überspannungsschutzsysteme innerhalb des Gebäudes dazu beitragen, empfindliche Haustechnik vor Schäden zu bewahren. Gerade angesichts der zunehmenden Digitalisierung privater Wohngebäude dürfte dieses Thema weiter an Bedeutung gewinnen.

Weniger Gewitter bedeuten nicht automatisch geringere Risiken

Die Blitzbilanz 2025 zeigt eine Entwicklung, die sich bereits seit mehreren Jahren abzeichnet. Die Zahl der Schäden schwankt mit der Wetterlage. Die Kosten je Schaden steigen dagegen kontinuierlich.
Für Versicherer und Vermittler rückt damit weniger die Häufigkeit einzelner Ereignisse in den Mittelpunkt als die Frage, wie sich der technische Wandel von Wohngebäuden auf das Schadenbild auswirkt. Moderne Haustechnik erhöht den Komfort – macht Gebäude im Schadenfall aber zugleich kostenintensiver.

Blitzbilanz 2025 auf einen Blick

  • 180.000 Blitz- und Überspannungsschäden
  • 310 Millionen Euro Versicherungsleistungen
  • 1.760 Euro durchschnittliche Schadenhöhe (neuer Höchstwert)
  • knapp 100.000 registrierte Erdblitze
  • rund 70 Prozent weniger Erdblitze als im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2024
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