Mehrheit für Pflichtversicherung gegen Hochwasser und Naturgefahren
Hochwasser, Starkregen und Naturgefahren rücken wieder stärker in den politischen Fokus. Während die Bundesregierung über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nachdenkt, zeigt eine aktuelle Umfrage: Eine Mehrheit der Bevölkerung würde einen solchen Schritt unterstützen.
Mehrheit der Bevölkerung befürwortet Pflichtversicherung
Eine verpflichtende Versicherung gegen Elementarschäden stößt in Deutschland auf breite Zustimmung. 62 Prozent der Menschen sprechen sich für einen obligatorischen Versicherungsschutz gegen Naturgefahren aus, während nur rund ein Viertel eine solche Pflicht ablehnt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der DEVK Versicherungen durchgeführt hat.
Unter Immobilieneigentümern fällt die Zustimmung sogar noch deutlicher aus: 72 Prozent der Eigentümer befürworten eine verpflichtende Absicherung gegen Elementarrisiken. Die Diskussion über eine solche Versicherungspflicht hat zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde vereinbart, einen verpflichtenden Elementarschutz zu prüfen. Wie genau eine solche Lösung aussehen könnte, ist allerdings weiterhin offen.
Elementarschutz in vielen Policen noch nicht enthalten
Elementarschäden wie Überschwemmungen, Starkregen, Erdbeben oder Lawinen sind in einer klassischen Wohngebäudeversicherung meist nicht automatisch enthalten. Für diese Risiken ist eine zusätzliche Elementarschadendeckung erforderlich. Nach Einschätzung vieler Verbraucher ist dieser Schutz bereits weit verbreitet. 71 Prozent der Immobilienbesitzer geben an, eine entsprechende Absicherung zu haben. Tatsächlich liegt die Marktabdeckung niedriger: Nach Angaben des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft waren im Jahr 2024 nur rund 57 Prozent der Wohngebäudeversicherungen gegen Elementarschäden abgesichert.
Fehlende Absicherung wird häufig unterschätzt
Trotz zunehmender Extremwetterereignisse verzichten weiterhin viele Eigentümer auf einen entsprechenden Versicherungsschutz. Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, gar nicht gegen Naturgefahren versichert zu sein. Als wichtigste Gründe nennen die Befragten, dass sie in ihrer Wohnlage kein entsprechendes Risiko sehen (41 Prozent) oder davon ausgehen, dass sich der Eigentümer der Immobilie um den Versicherungsschutz kümmern müsse (32 Prozent). Auch unter Eigentümern selbst gibt es Absicherungslücken: 14 Prozent der Immobilienbesitzer verfügen nach eigenen Angaben über keinen Elementarschutz. Der häufigste Grund ist die Annahme, dass die eigene Wohnlage keinen entsprechenden Schutz erforderlich mache.
Versicherer setzen auf Opt-out-Modelle
Ein möglicher Ansatz für eine breitere Absicherung ist das sogenannte Opt-out-Modell. Dabei wird der Elementarschutz automatisch Bestandteil der Wohngebäudeversicherung, kann jedoch auf Wunsch abgewählt werden. Einige Versicherer setzen bereits seit Jahren auf dieses Prinzip. „Bei uns müssen Kundinnen und Kunden seit 2011 die Elementardeckung bewusst abwählen, wenn sie darauf verzichten möchten“, erklärt Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich. „Damit schützen wir unsere Versicherten vor bösem Erwachen, falls doch was passiert.“ Nach Angaben des Unternehmens lag die Elementarschadenquote in den Wohngebäudeverträgen der DEVK Ende 2025 bei 67 Prozent.
Branche fordert integriertes Konzept
Aus Sicht der Versicherungswirtschaft reicht eine reine Versicherungspflicht jedoch nicht aus, um das Risiko von Naturkatastrophen nachhaltig zu adressieren. „Eine nachhaltige Lösung braucht ein integriertes Gesamtkonzept“, sagt Zons. „Dazu gehören staatliche Prävention, eine verantwortungsbewusste Bauplanung und eine fundierte Risikobetrachtung.“ Der GDV hatte bereits Ende 2025 ein Konzept vorgelegt, das neben einer Angebotspflicht für Elementarschutz auch Maßnahmen zur Prävention sowie eine bessere Risikotransparenz vorsieht.
Über die Studie:
Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Zeitraum vom 22. bis 29. Januar 2026 im Auftrag der DEVK 5.000 Menschen ab 18 Jahren online befragt. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sowie für Menschen mit Wohneigentum. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt laut Civey bei 2,5 Prozent.
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