PKV: Steigende Gesundheitskosten werden zur Belastungsprobe
Die private Krankenversicherung wächst weiter – doch gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben in rasantem Tempo. Der aktuelle Marktausblick von Assekurata zeigt: Die Branche profitiert zwar von Rekordbeiträgen, zunehmenden Wechseln aus der GKV und dem Boom der betrieblichen Krankenversicherung. Gleichzeitig geraten Profitabilität, Beitragsstabilität und Prozesse immer stärker unter Druck.
Die private Krankenversicherung (PKV) in Deutschland hat 2025 erneut Wachstum erzielt. Nach Angaben der Rating-Agentur Assekurata verzeichnete die Branche bereits das dritte Wachstumsjahr in Folge. Gleichzeitig spitzen sich jedoch die Herausforderungen im Leistungsmanagement und bei den Gesundheitskosten weiter zu.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in der Vollversicherung. Dort konnte die PKV ihren Bestand erneut ausbauen. Die Zahl der Vollversicherten stieg um 0,5 Prozent auf knapp 8,8 Millionen Menschen. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem steigende Wechselbewegungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Während 2022 noch rund 146.500 Personen aus der GKV in die PKV wechselten, waren es 2025 bereits mehr als 206.000.
Beitragseinnahmen erreichen Rekordniveau
Parallel dazu stiegen die Beitragseinnahmen der Branche auf ein neues Rekordhoch. Nachdem die PKV bereits 2024 erstmals die Marke von 50 Milliarden Euro überschritten hatte, legten die Beitragseinnahmen 2025 um weitere 3,7 Milliarden Euro auf insgesamt 54,4 Milliarden Euro zu. Das entspricht einem Wachstum von 7,3 Prozent. Allerdings basiert dieser Anstieg nicht nur auf wachsender Nachfrage. Auch deutliche Beitragsanpassungen trugen wesentlich zur Entwicklung bei.
Denn gleichzeitig explodieren die Leistungsausgaben weiter. Insgesamt stiegen diese 2025 um mehr als sieben Prozent auf 42,1 Milliarden Euro. Damit bewegt sich die PKV laut Assekurata inzwischen ebenfalls auf einem historischen Höchststand.
PKV und GKV kämpfen mit ähnlichen Problemen
Interessant ist dabei der Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung. Zwischen 2018 und 2025 stiegen die Leistungsausgaben der GKV um fast 49 Prozent. In der PKV lag der Zuwachs im gleichen Zeitraum bei gut 44 Prozent. Nach Einschätzung von Assekurata zeigt dies, dass die steigenden Gesundheitskosten nicht allein auf strukturelle Unterschiede zwischen PKV und GKV zurückzuführen sind. Vielmehr belasten medizinischer Fortschritt, Fachkräftemangel, steigende Krankenhauskosten und teure Arzneimittelinnovationen beide Systeme gleichermaßen.
Hinzu kommt der demografische Wandel. Gleichzeitig steigt die Zahl der Leistungseinreichungen deutlich an, was wiederum Bearbeitungszeiten verlängert und zusätzlichen Personalbedarf erzeugt.
Profitabilität rückt stärker in den Fokus
Die hohen Leistungsausgaben belasten inzwischen zunehmend die versicherungstechnischen Ergebnisse der Unternehmen. „Infolge der gestiegenen Leistungsausgaben ist die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote branchenweit weiter gesunken“, erklärt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. „Wie bereits im Vorjahr hat sie sich 2025 mit knapp 7,8 Prozent erneut der kritischen Marke von fünf Prozent genähert.“ Die bereits kräftigen Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre hätten den Kostenanstieg nicht vollständig kompensieren können. Deshalb kam es laut Assekurata auch 2026 erneut zu überdurchschnittlichen Beitragsanpassungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Profitabilität einzelner Geschäftsbereiche für die Versicherer zunehmend an Bedeutung.
KI, Digitalisierung und Gesundheitsmanagement als Antwort
Um den Kostendruck abzufedern, investieren viele Versicherer verstärkt in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Gesundheitsmanagement.
KI-Anwendungen kommen laut Assekurata inzwischen verstärkt:
- in der Leistungsbearbeitung,
- im Risikomanagement,
- sowie im Kundenservice zum Einsatz.
Ziel sei es, Prozesse effizienter zu gestalten und den Fachkräftemangel teilweise abzufedern.
Gleichzeitig gewinnt das Thema Datenresilienz an Bedeutung. Denn mit elektronischen Gesundheitsakten, digitalen Prozessen und KI-gestützten Anwendungen steigen auch die Risiken durch Cyberangriffe und Systemausfälle. Daneben setzen Versicherer zunehmend auf Prävention und Steuerung von Behandlungsprozessen. Programme zur Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder zur besseren Koordination komplexer Therapien dürften künftig stärker ausgebaut werden. „Obwohl die Möglichkeiten der Patientensteuerung in der PKV deutlich begrenzter sind als in der GKV, dürfte dieses Thema künftig an Bedeutung gewinnen“, sagt Alexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata.
bKV wird zum strategischen Wachstumstreiber
Ein weiteres zentrales Wachstumsfeld bleibt die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Laut Assekurata bieten inzwischen mehr als 60.600 Unternehmen ihren Beschäftigten eine bKV an – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 2,8 Millionen Arbeitnehmer profitieren mittlerweile davon. Der Anteil der bKV am gesamten Zusatzversicherungsgeschäft ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen – von 2,4 Prozent auf inzwischen 8,8 Prozent. Gerade angesichts wachsender Leistungslücken in der GKV dürfte die Bedeutung der Zusatzversicherung nach Einschätzung von Assekurata weiter steigen.
Politische Risiken bleiben bestehen
Trotz der strukturellen Vorteile der PKV sieht Assekurata weiterhin politische Risiken für die Branche. Einerseits könnten Leistungskürzungen oder Einschränkungen der Familienversicherung in der GKV neue Vertriebspotenziale für die PKV schaffen. Andererseits erschwert die geplante außerordentliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze ab 2027 den Zugang zur privaten Krankenversicherung erheblich.
Unabhängig davon bewertet Assekurata das kapitalgedeckte Modell der PKV langfristig weiterhin als stabil. Die Branche verfügt nach Angaben der Rating-Agentur über Alterungsrückstellungen von inzwischen rund 355 Milliarden Euro.
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