Das Wachstum der PKV hat seinen Preis

Veröffentlichung: 12.06.2025, 10:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Trotz deutlich gestiegener Leistungsausgaben blickt die private Krankenversicherung optimistisch in die Zukunft. Warum Anbieter dennoch wachsen, welche Segmente boomen – und wo Risiken lauern, analysiert Assekurata-Fachkoordinator Alexander Kraus im aktuellen Marktausblick.

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Alexander Kraus,
Fachkoordinator Krankenversicherung bei AssekurataAlexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung bei AssekurataAssekurata

Private Krankenversicherung: Wachstum trifft Kostendruck

Der private Krankenversicherungsmarkt zeigt sich zweigeteilt: Auf der einen Seite verzeichnet die Branche wachsende Bestände, insbesondere bei Zusatz- und betrieblichen Krankenversicherungen. Auf der anderen Seite steigen die Leistungsausgaben spürbar an – mit klaren Folgen für Beitragszahler und Versicherer. Das ist das Fazit des neuen Marktausblicks 2025 der Ratingagentur Assekurata.

„Die stark gestiegenen Leistungsausgaben und die damit verbundenen überdurchschnittlich hohen Beitragsanpassungen trüben das eigentlich positive Wachstumsbild der privaten Krankenversicherung im vergangenen Jahr“, bilanziert Alexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata. Dennoch bleibe die Branche mit Blick auf Geschäftslage und -erwartung positiv gestimmt – auch für das laufende Jahr.

Beitragseinnahmen erstmals über 50 Milliarden Euro

Nach Jahren des Stillstands wuchs die Zahl der Vollversicherten 2024 erstmals spürbar: um 0,3 Prozent auf rund 8,74 Millionen Personen. Auch die Zusatzversicherungen legten kräftig zu – insbesondere die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Hier meldet Assekurata einen Zuwachs von 43,8 Prozent bei den Arbeitgebern, die eine bKV anbieten, sowie ein Plus von 16 Prozent bei den versicherten Beschäftigten. Damit zählt die bKV inzwischen 2,4 Millionen versicherte Arbeitnehmer.
Insgesamt stiegen die Beitragseinnahmen der privaten Kranken- und Pflegeversicherungen 2024 um 3,4 Prozent auf 50,3 Milliarden Euro – ein neuer Höchstwert.

Leistungsanstieg sorgt für hohe Belastungen

Mit dem Wachstum steigen jedoch auch die Kosten: Die Leistungsausgaben der PKV stiegen um fast zehn Prozent auf 39,1 Milliarden Euro. Damit kletterte die Schadenquote auf 84,1 Prozent – ein Niveau deutlich über dem vor der Corona-Pandemie. Auch das versicherungsgeschäftliche Ergebnis litt: Die Ergebnisquote fiel 2024 auf 7,2 Prozent – nach 8,6 Prozent im Vorjahr.

Für Versicherte bedeutet das höhere Beiträge. Im Schnitt wurden Beitragsanpassungen von rund 13 Prozent kommuniziert. Die Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) schrumpften marktweit von 35,8 auf 33,5 Prozent – wegen höherer Entnahmen bei gleichzeitig sinkenden Zuführungen.

Digitalisierung und Gesundheitsmanagement sollen Kosten dämpfen

Um dem Druck auf der Kostenseite zu begegnen, investieren viele Versicherer in ihr Gesundheits- und Leistungsmanagement. Automatisierung, Dunkelverarbeitung und künstliche Intelligenz sollen künftig verstärkt zur Effizienz beitragen. Auch die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden wird neu gedacht. „Transparente Kommunikation und ein nachvollziehbares Erklären von Beitragsanpassungen stärken das Vertrauen der Kunden und fördern die langfristige Bindung“, erklärt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.

Top-Segment im Fokus – und neue Impulse aus der bKV

Während die hohen Leistungsausgaben auch in Zukunft als Belastungsfaktor bleiben dürften, erwarten viele Anbieter stabile Beiträge – zumindest mittelfristig. Dabei hilft nicht nur die Nutzung von RfB-Mitteln und Effizienzgewinnen, sondern auch ein Strategiewechsel im Vertrieb: „Viele Versicherer richten ihren Fokus wieder verstärkt auf die Vollversicherung – insbesondere auf das Topsegment bei neuen Tarifangeboten“, erläutert Alexander Kraus. Zudem bleibe die Kundenzufriedenheit das entscheidende Kriterium – mit steigender Bedeutung digitaler Services.

Politische Unsicherheiten bleiben

Sorgen bereiten weiterhin politische Reformvorhaben, etwa rund um die GOÄ oder die Pflegeversicherung. Auch hier sieht Assekurata Handlungsbedarf – insbesondere in der betrieblichen Pflegevorsorge. Diese könnte laut Einschätzung der Ratingagentur künftig eine stärkere Rolle übernehmen, um die Versorgungslücken bei Pflegebedürftigkeit zu schließen.

Mehr dazu im expertenReport 07/25

Ein vertiefendes Interview mit Alexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata, lesen Sie in der Juli-Ausgabe des expertenReport.

(PDF)

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