Schadenregulierung: Verbände fordern Tempo – BiPRO hat die Standards
GDV, BDVM und BVK wollen die Schadenregulierung beschleunigen und haben sich auf gemeinsame Mindestanforderungen verständigt. Der digitale Datenaustausch soll folgen. Die technischen Standards dafür existieren bei BiPRO bereits – nun soll eine neue Initiative ihre Anwendung voranbringen.
Die Schadenregulierung in der Versicherungswirtschaft soll schneller und einfacher werden. Darauf haben sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) und der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) auf der DKM 2026 verständigt. Ihr gemeinsames Ziel: weniger Rückfragen, weniger Medienbrüche und weniger manuelle Arbeitsschritte.
Die drei Verbände sehen insbesondere beim Informationsaustausch zwischen Versicherern und Vermittlern Verbesserungsbedarf. Unterschiedliche Anforderungen einzelner Gesellschaften, Fachkräftemangel und demografischer Wandel erschwerten eine zügige Schadenbearbeitung.
Bemerkenswert ist allerdings: Für den standardisierten digitalen Austausch von Schadendaten gibt es bereits technische Lösungen. Das Brancheninstitut für Prozessoptimierung (BiPRO) hat entsprechende Normen entwickelt. Seine Tochtergesellschaft BiPRO Service GmbH will deren Nutzung mit einer „Schaden-Offensive 2027“ nun weiter vorantreiben.
Verbände verständigen sich auf Mindestinformationen
Ausgangspunkt der gemeinsamen Erklärung von GDV, BDVM und BVK sind Mindestanforderungen an die Informationen, die Versicherer für die Erst- und Folgebearbeitung eines Schadens benötigen. Die Verbände haben festgelegt, welche Angaben bei einer Schadenmeldung übermittelt werden sollen. Werden diese Informationen vollständig bereitgestellt, sollen unnötige Rückfragen vermieden und Bearbeitungszeiten verkürzt werden.
Die Mindestanforderungen schaffen zunächst eine gemeinsame fachliche Grundlage. Für den nächsten Schritt wollen die Beteiligten prüfen, wie der Informationsaustausch weiter standardisiert und durchgängig digitalisiert werden kann. Als mögliche Grundlage nennen sie ausdrücklich BiPRO. Perspektivisch sollen auch weitere Dienstleister, die an der Schadenbearbeitung beteiligt sind, in den standardisierten Datenaustausch einbezogen werden.
BiPRO-Normen decken bereits sechs Schadenprozesse ab
Während die Verbände die gemeinsamen Informationsanforderungen in den Mittelpunkt stellen, verweist BiPRO auf bereits vorhandene technische Standards. Die sogenannten RNext-Schadennormen ermöglichen nach Angaben der BiPRO Service GmbH standardisierte Schnittstellen in der Kfz-, Sach- und Haftpflichtversicherung. Sie umfassen sechs Prozessbereiche:
- Schadenerstmeldungen
- Nachmeldungen
- Statusrückmeldungen
- Dokumententransfer
- Schadenauskunft
- Zahlungsströme
Über den BiPRO Hub sollen Makler Schadenmeldungen direkt aus ihrem Maklerverwaltungsprogramm an Versicherer übermitteln können. Umgekehrt können Informationen zum Bearbeitungsstand automatisiert in das Maklersystem zurückfließen. Damit sollen doppelte Dateneingaben, manuelle Übertragungen und telefonische Statusabfragen reduziert werden. Der entscheidende Unterschied: Die Standards sind bereits vorhanden. Die Herausforderung besteht darin, weitere Marktteilnehmer anzubinden und die Verfahren im Arbeitsalltag durchgängig einzusetzen.
„Schaden-Offensive 2027“ soll Umsetzung beschleunigen
Um die Verbreitung der vorhandenen Lösungen voranzutreiben, startet die BiPRO Service GmbH im November ihre „Schaden-Offensive 2027“. Den Auftakt bildet ein kostenloser Workshop am 25. November 2026 in Meerbusch. Dort soll gemeinsam mit Versicherern, Partnern und Dienstleistern eine Roadmap für die weitere Umsetzung abgestimmt werden. Die BiPRO Service GmbH stellt ausdrücklich einen Bezug zur gemeinsamen DKM-Erklärung von GDV, BDVM und BVK her. Ihre Initiative soll die dort formulierten Ziele technisch unterstützen und in konkrete Prozesse übertragen.
Frank Schrills, Geschäftsführer der BiPRO Service GmbH und geschäftsführender Präsident des BiPRO e.V., verweist dabei auch auf die Bedeutung standardisierter Daten für den Einsatz künstlicher Intelligenz. „Experten wissen, dass die Nutzung von BIPRO-Normen übrigens auch für KI-gestützte Systeme äußerst effizient und wertvoll ist“, erklärt Schrills. Der BiPRO Hub ermögliche es Unternehmen, sich einmal standardisiert anzubinden und darüber mit mehreren Partnern Daten auszutauschen.
Entscheidend wird die Umsetzung in der Praxis
Die beiden Initiativen setzen an unterschiedlichen Stellen an. GDV, BDVM und BVK wollen vereinheitlichen, welche Informationen bei einer Schadenmeldung benötigt werden. BiPRO stellt technische Standards und eine Infrastruktur bereit, um solche Informationen digital auszutauschen. Offen bleibt, in welchem Umfang die von den Verbänden definierten Mindestinformationen bereits durch bestehende BiPRO-Normen abgebildet werden und wo zusätzliche Anpassungen erforderlich sind. Ebenso entscheidend ist, wie viele Versicherer und Maklerverwaltungsprogramme die entsprechenden Prozesse tatsächlich unterstützen. Denn ein technisch definierter Standard beschleunigt die Schadenbearbeitung erst dann, wenn die beteiligten Unternehmen ihn auch einsetzen.
Mit der gemeinsamen Erklärung auf der DKM und der angekündigten Schaden-Offensive rückt damit vor allem eine Frage in den Mittelpunkt: Wie lässt sich aus bereits vorhandenen Standards ein möglichst durchgängiger digitaler Schadenprozess für die gesamte Branche machen?
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