Rückversicherung 2027: Mehr Kapazitäten erhöhen den Preisdruck
Die Rückversicherer gehen mit gut gefüllten Kapazitäten in die Vertragserneuerungen für 2027. Während Erstversicherer dadurch wieder größere Verhandlungsspielräume erhalten, bleibt der Bedarf an Absicherung hoch. E+S Rück erwartet insbesondere in der industriellen Sachversicherung und bei Naturkatastrophen einen intensiveren Wettbewerb, warnt zugleich aber vor einer Unterschätzung der Risiken.
Für Erstversicherer könnte die anstehende Erneuerungsrunde günstiger ausfallen als in den vergangenen Jahren, denn auf dem Rückversicherungsmarkt steht wieder mehr Kapital zur Verfügung, das nach rentablen Risiken sucht. Was zunächst nach Entspannung aussieht, stellt die Branche allerdings vor eine bekannte Schwierigkeit: Die Preise geraten unter Druck, während die möglichen Schäden keineswegs kleiner werden.
E+S Rück, der auf das Deutschlandgeschäft spezialisierte Rückversicherer der Hannover Rück-Gruppe, rechnet für die Vertragserneuerungen 2027 weiterhin mit einer hohen Nachfrage nach Rückversicherungsschutz. Zugleich verschärft sich der Wettbewerb durch zusätzliche Kapazitäten, insbesondere bei industriellen Sachrisiken und Naturkatastrophendeckungen.
Mehr Kapital verändert die Verhandlungsposition
Die Entwicklung dürfte vor allem Erstversicherern entgegenkommen, die ihre Rückversicherungsprogramme in den vergangenen Jahren unter deutlich schwierigeren Bedingungen erneuern mussten. Höhere Preise, strengere Vertragsbedingungen und teilweise höhere Selbstbehalte hatten den Einkauf von Rückversicherungsschutz verteuert.
Mit dem zusätzlichen Angebot verschiebt sich nun das Kräfteverhältnis. Erstversicherer können Deckungsumfang, Konditionen und die Beteiligung einzelner Rückversicherer wieder stärker gegeneinander abwägen. Dabei geht es nicht allein um günstigere Prämien, sondern auch um die Frage, welche Risiken ein Unternehmen selbst tragen muss und in welchem Umfang es größere Schadenereignisse an den Rückversicherungsmarkt weitergeben kann.
Eine allgemeine Rückkehr zu niedrigen Preisen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Konditionen hängen weiterhin von der individuellen Schadenentwicklung, der Risikobewertung und den vereinbarten Deckungsgrenzen ab.
Naturkatastrophen bleiben ein schwer kalkulierbares Risiko
Dass größere Katastrophenschäden zuletzt vergleichsweise moderat ausgefallen sind, bedeutet für die Rückversicherer noch keine dauerhafte Entlastung. Gerade bei Naturgefahren können einzelne Ereignisse die Ergebnisse eines ganzen Geschäftsjahres erheblich verändern, während steigende Immobilienwerte, höhere Baukosten und die zunehmende Konzentration versicherter Werte das mögliche Schadenausmaß zusätzlich beeinflussen.
Hinzu kommen Risiken, die sich nicht auf traditionelle Sachschäden beschränken. Cyberangriffe können zahlreiche Unternehmen gleichzeitig treffen, geopolitische Konflikte Lieferketten unterbrechen und inflationäre Entwicklungen die Kosten bereits eingetretener Schäden erhöhen. Für Rückversicherer ist deshalb nicht nur entscheidend, wie häufig Schäden auftreten, sondern auch, welche finanziellen Verpflichtungen daraus im ungünstigsten Fall entstehen.
Besonders anspruchsvoll bleibt die Bewertung sogenannter Kumulrisiken, bei denen ein einzelnes Ereignis zahlreiche Versicherungsverträge gleichzeitig betrifft. Eine Naturkatastrophe kann beispielsweise Gebäude, Industrieanlagen und Betriebsabläufe in einer ganzen Region beeinträchtigen und damit unterschiedliche Versicherungssparten gleichzeitig belasten.
Preiswettbewerb braucht versicherungstechnische Grenzen
Für die Erneuerungsrunde 2027 zeichnet sich damit ein Markt ab, in dem die Erstversicherer ihre verbesserte Verhandlungsposition nutzen können, ohne dass die grundlegenden Risiken verschwunden wären. Zusätzliche Rückversicherungskapazität ermöglicht mehr Wettbewerb, sie verändert jedoch weder die Wahrscheinlichkeit einer Naturkatastrophe noch die Kosten eines Cyberangriffs.
Für die Rückversicherer wird entscheidend sein, ob sie ihre Kapazitäten zu Konditionen einsetzen können, die auch bei einer ungünstigeren Schadenentwicklung ausreichen. Für Erstversicherer wiederum bietet sich die Gelegenheit, ihre Programme neu zu strukturieren und den Umfang des eingekauften Schutzes zu überprüfen.
Die eigentliche Bewährungsprobe folgt ohnehin erst nach der Vertragserneuerung, wenn sich zeigt, ob die vereinbarten Prämien und Bedingungen auch den tatsächlich eintretenden Schäden standhalten.
Quelle: E+S Rück / Hannover Rück, Marktausblick zur Erneuerungsrunde 2027
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