Rente heißt nicht Ruhestand: Warum viele Senioren bewusst weiterarbeiten
Immer mehr Menschen arbeiten auch nach dem Renteneintritt weiter. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen jedoch: Meist geht es dabei nicht um einen zweiten Vollzeitjob. Stattdessen prägen Minijobs, Teilzeit und selbstständige Tätigkeiten den flexiblen Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand.
Der Ruhestand verliert seine klare Grenze. Immer mehr Rentner bleiben beruflich aktiv – allerdings meist mit deutlich reduziertem Stundenumfang. Die neuen Destatis-Zahlen zeigen, dass sich Arbeit im Alter zunehmend verändert. Für die Versicherungs- und Vorsorgebranche liefert das wichtige Hinweise auf neue Lebensmodelle im Ruhestand.
Immer mehr Rentner bleiben beruflich aktiv
Die Zahl der Erwerbstätigen im Rentenalter wächst weiter. Nach den aktuellen Ergebnissen des Mikrozensus 2025 waren 14 Prozent der Rentnerinnen und Rentner zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 13 Prozent. Männer arbeiten mit 16 Prozent häufiger über den Renteneintritt hinaus als Frauen (11 Prozent). Mit zunehmendem Alter sinkt die Erwerbstätigkeit allerdings deutlich: Während bei den 65- und 66-Jährigen noch knapp jeder Fünfte arbeitet, ist es bei den 73- und 74-Jährigen nur noch rund jeder Zwölfte.
Die meisten arbeiten bewusst kürzer
Die eigentliche Aussage der Statistik liegt jedoch nicht im Anstieg der Erwerbstätigkeit. Denn die große Mehrheit der arbeitenden Rentner entscheidet sich nicht für eine Fortsetzung des bisherigen Berufsalltags. 65 Prozent arbeiten weniger als 20 Stunden pro Woche, davon sogar 40 Prozent weniger als zehn Stunden. Gleichzeitig sind 65 Prozent der abhängig beschäftigten Rentner geringfügig beschäftigt. Die Zahlen sprechen damit für einen flexiblen Übergang in den Ruhestand – nicht für eine flächendeckende Rückkehr in den Vollzeitjob.
Selbstständige arbeiten deutlich häufiger in Vollzeit weiter
Anders stellt sich die Situation bei Selbstständigen dar. Sie machen 27 Prozent aller erwerbstätigen Rentner aus. Gleichzeitig arbeitet mehr als jeder vierte Selbstständige im Rentenalter weiterhin über 40 Stunden pro Woche. Bei abhängig Beschäftigten trifft dies lediglich auf acht Prozent zu. Die Statistik deutet darauf hin, dass unternehmerische Tätigkeit häufig länger fortgeführt wird als klassische Beschäftigungsverhältnisse.
Bildung beeinflusst die Entscheidung
Auch das Bildungsniveau spielt eine Rolle. Menschen mit höherem Bildungsabschluss arbeiten häufiger über den Renteneintritt hinaus als Personen mit mittlerem oder niedrigem Bildungsniveau. Destatis nennt als möglichen Grund, dass diese Gruppe häufiger aus persönlicher Motivation oder Freude an der Tätigkeit weiterarbeitet.
Neue Übergänge statt harter Bruch
Die Zahlen zeigen, dass sich der Ruhestand zunehmend verändert. Für viele Menschen endet die Erwerbstätigkeit nicht mehr abrupt mit dem Renteneintritt. Stattdessen entstehen flexible Übergänge zwischen Beruf und Ruhestand, die von Teilzeit, projektbezogener Arbeit oder selbstständiger Tätigkeit geprägt sind. Damit verändert sich auch der Blick auf Altersvorsorge. Wer länger beruflich aktiv bleibt, verbindet finanzielle Aspekte zunehmend mit dem Wunsch nach sozialer Teilhabe, Selbstbestimmung und persönlicher Erfüllung.
Arbeit im Alter wird vielfältiger
Die Destatis-Zahlen zeigen einen Wandel, der über den Arbeitsmarkt hinausreicht. Die klassische Vorstellung vom vollständigen Rückzug aus dem Berufsleben verliert an Bedeutung. An ihre Stelle treten individuelle Übergänge, die je nach Beruf, Gesundheit und persönlicher Motivation unterschiedlich ausfallen.
Für die Versicherungswirtschaft gewinnt diese Entwicklung an Bedeutung. Flexible Erwerbsbiografien beeinflussen Fragen der Altersvorsorge ebenso wie die Beratung zu Einkommensabsicherung, betrieblicher Altersversorgung oder selbstständiger Tätigkeit im Ruhestand.
Die anhaltend hohe Nachfrage nach betrieblicher Altersversorgung zeigt zugleich, dass viele Menschen ihre finanzielle Absicherung im Alter breiter aufstellen möchten.
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