Mögen die Spiele beginnen: Der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot

Veröffentlichung: 08.09.2026, 10:09 Uhr - Lesezeit 11 Minuten

Noch kann kein Altersvorsorgedepot eröffnet werden, doch der Wettbewerb um den neuen Markt hat längst begonnen. Broker, digitale Vermögensverwalter, Banken und Fondsgesellschaften bringen sich für den Start am 1. Januar 2027 in Stellung. Scalable Capital und Quirion bereiten Angebote vor, ING sammelt Interessenten auf einer Warteliste, Trade Republic hat seinen Einstieg angekündigt. Auch Union Investment und Deka wollen mit Produkten antreten. Nun legt Smartbroker seine Pläne vor.

(PDF)
Das Altersvorsorgedepot startet 2027, doch der Wettbewerb läuft bereits.Das Altersvorsorgedepot startet 2027, doch der Wettbewerb läuft bereits.Experten/KI

Der frühe Wettbewerb ist bemerkenswert. Denn beim Altersvorsorgedepot geht es nicht lediglich um ein weiteres Depotmodell. Die Reform verändert die Architektur der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Kapitalmarktanlagen erhalten einen größeren Stellenwert, während die für Riester prägende Beitragsgarantie beim neuen Altersvorsorgedepot nicht vorgeschrieben ist. Damit entsteht ein neuer Markt – und zugleich ein unmittelbarer Vergleich zwischen unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

Worum es beim Altersvorsorgedepot geht

Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 als neue Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Vorgesehen sind unterschiedliche Ausgestaltungen: Sparer können innerhalb der gesetzlichen Grenzen selbst Anlageprodukte auswählen; daneben gibt es einen gesetzlich definierten Standard-Depotvertrag für diejenigen, die ihre Anlage nicht selbst zusammenstellen wollen.

Im frei gestalteten Altersvorsorgedepot kommen unter anderem ETFs, Fonds und zugelassene Anleihen infrage. Einzelaktien, Kryptowährungen und gehebelte Produkte gehören nicht zum vorgesehenen Anlageuniversum.

Beim gesetzlichen Standard-Depotvertrag wird die Anlage dagegen stärker vorgegeben. Vorgesehen ist zudem ein Gleitpfad, der das Risiko vor Beginn der Auszahlungsphase reduziert. Fünf Jahre vor dem vorgesehenen Auszahlungsbeginn dürfen nach den gesetzlichen Standardwerten höchstens 50 Prozent des Vermögens in den höheren Risikoklassen liegen, zwei Jahre vorher und zum Auszahlungsbeginn höchstens 30 Prozent.

Damit ist das Standarddepot kein gewöhnlicher ETF-Sparplan mit staatlicher Zulage. Die Kapitalanlage wird mit einer altersabhängigen Risikosteuerung verbunden.

Der entscheidende Unterschied zu Riester liegt im Umgang mit Garantien. Beim Altersvorsorgedepot ist keine Beitragsgarantie vorgeschrieben. Dadurch entsteht mehr Spielraum für Kapitalmarktanlagen und damit für höhere Renditechancen – allerdings bei entsprechendem Marktrisiko.

Der Staat setzt stärker auf Förderung statt Garantie

Damit Haushalte langfristig Kapital für das Alter binden, fördert der Staat die Einzahlungen. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr kommen 50 Prozent Zulage. Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro beträgt die Förderung 25 Prozent. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich.

Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Jahr und Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige. Voraussetzung für die Zulagen ist grundsätzlich ein Eigenbeitrag von mindestens 120 Euro jährlich.

Auch steuerlich unterscheidet sich das Altersvorsorgedepot von einem gewöhnlichen Wertpapierdepot. Erträge werden während der Ansparphase nicht laufend besteuert. Das Kapital kann damit ohne zwischenzeitlichen Steuerabfluss weiter investiert bleiben.

Die Begünstigung ist allerdings keine voraussetzungslose Renditesubvention. Gefördertes Vermögen ist langfristig gebunden, die Besteuerung wird in die Auszahlungsphase verschoben. Vorgesehen sind eine lebenslange Leibrente oder ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr läuft. Bis zu 30 Prozent des Kapitals können zu Beginn der Auszahlungsphase entnommen werden.

Ökonomisch tauscht der Sparer damit Verfügbarkeit gegen Förderung und Steuerstundung.

Noch vor dem Start beginnt der Preiswettbewerb

Auf dieser gesetzlichen Grundlage entsteht nun ein Markt, dessen Preisniveau bereits vor dem Start unter Druck gerät.

Scalable Capital weist für sein Standardmodell derzeit keine Gebühren für Konto und Depot, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe aus. Für ausgewählte ETFs nennt der Anbieter bis Ende 2027 eine TER von null Prozent. Quirion bereitet ebenfalls ein Altersvorsorgedepot vor, hat die endgültigen Kosten aber noch nicht veröffentlicht.

Andere Anbieter halten sich bei den Konditionen bislang stärker zurück. ING bereitet Lösungen vor, Trade Republic hat seinen Einstieg für 2027 angekündigt. Mit Union Investment und Deka wollen zugleich Fondsgesellschaften in den neuen Markt, die stärker auf aktiv gemanagte Produkte setzen.

Damit konkurrieren nicht nur Unternehmen um Kunden. Es treffen unterschiedliche Vorstellungen darüber aufeinander, wie private Altersvorsorge organisiert und bepreist werden soll.

Auf der einen Seite stehen hochgradig standardisierte, digital verwaltete Kapitalmarktportfolios mit niedrigen Kosten. Auf der anderen Seite stehen Angebote, deren Wertschöpfung stärker aus aktivem Management, Beratung oder zusätzlichen Dienstleistungen entstehen soll.

Je transparenter die Kosten des Altersvorsorgedepots werden, desto unmittelbarer lassen sich diese Modelle vergleichen.

Nun positioniert sich Smartbroker

In diesen Wettbewerb steigt nun auch Smartbroker ein. Am 8. September hat der Berliner Onlinebroker die Voranmeldung für sein Altersvorsorgedepot gestartet.

Beim Standarddepot will Smartbroker auf Depot-, Sparplan- und Orderentgelte verzichten. In den ersten drei Jahren sollen darüber hinaus die laufenden Kosten der eingesetzten ETFs erstattet werden. Nach Ablauf dieser Frist bleiben Depotführung, Sparpläne und Orders nach Unternehmensangaben ohne entsprechendes Entgelt; die laufenden Produktkosten fallen dann grundsätzlich beim Kunden an.

Smartbroker beziffert diese bei den vorgesehenen Standarddepots überwiegend auf weniger als 0,15 Prozent pro Jahr. Eine Ausnahme gibt es für Kunden, die im regulären Smartbroker+-Hauptdepot mindestens 15 Transaktionen pro Kalenderjahr durchführen. Ihnen will das Unternehmen die ETF-Kosten weiterhin erstatten.

Damit liegt ein weiteres Preismodell für einen Markt vor, der erst 2027 operativ startet.

Drei Aktienindizes plus Rentenkomponente

Beim Standarddepot plant Smartbroker drei Varianten. Die Aktienanlage soll wahlweise über einen ETF auf den MSCI World, den MSCI All Country World oder den FTSE All-World erfolgen. Hinzu kommt jeweils eine Rentenkomponente. Die Gewichtung zwischen Aktien- und Rentenanlage kann bei Eröffnung festgelegt und später angepasst werden.

Die Auswahl zeigt zugleich, was Standardisierung beim Altersvorsorgedepot bedeutet. Anleger treffen weiterhin Entscheidungen über Risikostruktur und grundlegende Marktabdeckung, müssen aber nicht einzelne Wertpapiere oder Fonds auswählen.

Daneben plant Smartbroker ein freies Altersvorsorgedepot. Dort sollen Kunden innerhalb des gesetzlich zulässigen Anlageuniversums selbst über die Anlage entscheiden können. Depotführung und Sparpläne sollen ebenfalls ohne gesondertes Entgelt angeboten werden; für Transaktionen über Gettex kündigt der Broker keine Orderprovision an.

Die Anbieter bringen sich in Stellung

Scalable Capital hat für sein Standarddepot bereits konkrete Konditionen genannt. Konto und Depot, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe sollen ohne gesonderte Gebühren angeboten werden. Für ausgewählte ETFs nennt der Anbieter bis Ende 2027 eine TER von null Prozent. Hinzukommen können unter anderem Spreads und weitere Produktkosten.

Auch Quirion bereitet ein Altersvorsorgedepot vor. Der digitale Vermögensverwalter plant eine professionell verwaltete Variante mit einem breit gestreuten ETF-Portfolio. Ob Quirion daneben auch den gesetzlich definierten Standard-Depotvertrag anbieten wird, soll sich nach Angaben des Unternehmens mit der Zertifizierung entscheiden.

Die ING ist ebenfalls konkreter geworden. Sie führt bereits eine Interessentenliste und kündigt sowohl ein Standarddepot mit vorausgewählten ETFs als auch ein Selbstentscheider-Depot mit einer Auswahl von ETFs und Fonds an. Preise hat die Bank dafür bislang nicht genannt. Trade Republic hat den Einstieg in das Altersvorsorgedepot ebenfalls angekündigt, konkrete Konditionen stehen noch aus.

Auch die Fondsgesellschaften positionieren sich. Union Investment will beim Standardprodukt aktive ETFs einsetzen und daneben Lösungen mit aktiv gemanagten Fonds anbieten. Deka wird morgen eine Pressemitteilung zu den geplanten Altersvorsorge-Depotlösungen veröffentlichen.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Mehr als 30 führende digitale Finanzunternehmen, Banken, Broker und Fondsanbieter fordern in einem gemeinsamen Appell eine zügige Reform der privaten Altersvorsorge.Mehr als 30 führende digitale Finanzunternehmen, Banken, Broker und Fondsanbieter fordern in einem gemeinsamen Appell eine zügige Reform der privaten Altersvorsorge.DALL-E
Fürs Alter

Appell der FinTech-Branche: Frühstart-Rente und Altersvorsorgedepot jetzt gemeinsam umsetzen

Mehr als 30 führende digitale Finanzunternehmen, Banken, Broker und Fondsanbieter fordern in einem gemeinsamen Appell eine zügige Reform der privaten Altersvorsorge. Das Positionspapier schlägt vor, die geplante Frühstart-Rente für Kinder ab 2026 mit einem flexiblen, kapitalmarktbasierten Altersvorsorgedepot zu kombinieren – und so die Chancen des Kapitalmarkts für den langfristigen Vermögensaufbau breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.
Beim Altersvorsorgedepot zeichnet sich ein breiter Wettbewerb ab. Lebensversicherer planen dabei nicht nur Garantieprodukte, sondern auch kapitalmarktorientierte Depotlösungen.Beim Altersvorsorgedepot zeichnet sich ein breiter Wettbewerb ab. Lebensversicherer planen dabei nicht nur Garantieprodukte, sondern auch kapitalmarktorientierte Depotlösungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Altersvorsorgedepot: Lebensversicherer wollen den neuen Markt nicht den Neobrokern überlassen

Das geplante Altersvorsorgedepot öffnet die geförderte private Vorsorge für neue Anbieter und Produktwelten. Doch die Lebensversicherer wollen das Geschäft offenbar nicht Banken, Fondsgesellschaften und Neobrokern überlassen. Eine IVFP-Befragung zeigt: Drei Viertel der teilnehmenden Lebensversicherer planen ein Angebot – und viele setzen gleichzeitig auf Depot und Garantie.
Altersvorsorgedepot, Altersvorsorge, Bitkom, ETF, Kapitalmarkt, private Altersvorsorge, Digitalisierung, Rente, staatliche Förderung, VermögensaufbauAltersvorsorgedepot, Altersvorsorge, Bitkom, ETF, Kapitalmarkt, private Altersvorsorge, Digitalisierung, Rente, staatliche Förderung, VermögensaufbauRedaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Zwei Drittel sind offen für das Altersvorsorgedepot

Das geplante staatlich geförderte Altersvorsorgedepot stößt schon vor seiner Einführung auf breite Zustimmung. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt: Obwohl das Konzept bislang nur vier von zehn Menschen bekannt ist, können sich zwei Drittel der potenziellen Nutzer vorstellen, ein solches Depot für die private Altersvorsorge zu nutzen. Besonders wichtig ist ihnen dabei eine einfache digitale Verwaltung.
Die Mehrheit der Erwerbstätigen plant ihren Ruhestand heute mit mehreren Vorsorgebausteinen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente.Die Mehrheit der Erwerbstätigen plant ihren Ruhestand heute mit mehreren Vorsorgebausteinen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente.Redaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Fast jeder Fünfte setzt im Alter allein auf die gesetzliche Rente

Die meisten Deutschen planen ihren Ruhestand mit mehreren Einkommensquellen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während Jüngere verstärkt auf Kapitalanlagen setzen, kombinieren ältere Jahrgänge häufiger verschiedene Vorsorgebausteine.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht