Mögen die Spiele beginnen: Der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot
Noch kann kein Altersvorsorgedepot eröffnet werden, doch der Wettbewerb um den neuen Markt hat längst begonnen. Broker, digitale Vermögensverwalter, Banken und Fondsgesellschaften bringen sich für den Start am 1. Januar 2027 in Stellung. Scalable Capital und Quirion bereiten Angebote vor, ING sammelt Interessenten auf einer Warteliste, Trade Republic hat seinen Einstieg angekündigt. Auch Union Investment und Deka wollen mit Produkten antreten. Nun legt Smartbroker seine Pläne vor.
Der frühe Wettbewerb ist bemerkenswert. Denn beim Altersvorsorgedepot geht es nicht lediglich um ein weiteres Depotmodell. Die Reform verändert die Architektur der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Kapitalmarktanlagen erhalten einen größeren Stellenwert, während die für Riester prägende Beitragsgarantie beim neuen Altersvorsorgedepot nicht vorgeschrieben ist. Damit entsteht ein neuer Markt – und zugleich ein unmittelbarer Vergleich zwischen unterschiedlichen Geschäftsmodellen.
Worum es beim Altersvorsorgedepot geht
Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 als neue Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Vorgesehen sind unterschiedliche Ausgestaltungen: Sparer können innerhalb der gesetzlichen Grenzen selbst Anlageprodukte auswählen; daneben gibt es einen gesetzlich definierten Standard-Depotvertrag für diejenigen, die ihre Anlage nicht selbst zusammenstellen wollen.
Im frei gestalteten Altersvorsorgedepot kommen unter anderem ETFs, Fonds und zugelassene Anleihen infrage. Einzelaktien, Kryptowährungen und gehebelte Produkte gehören nicht zum vorgesehenen Anlageuniversum.
Beim gesetzlichen Standard-Depotvertrag wird die Anlage dagegen stärker vorgegeben. Vorgesehen ist zudem ein Gleitpfad, der das Risiko vor Beginn der Auszahlungsphase reduziert. Fünf Jahre vor dem vorgesehenen Auszahlungsbeginn dürfen nach den gesetzlichen Standardwerten höchstens 50 Prozent des Vermögens in den höheren Risikoklassen liegen, zwei Jahre vorher und zum Auszahlungsbeginn höchstens 30 Prozent.
Damit ist das Standarddepot kein gewöhnlicher ETF-Sparplan mit staatlicher Zulage. Die Kapitalanlage wird mit einer altersabhängigen Risikosteuerung verbunden.
Der entscheidende Unterschied zu Riester liegt im Umgang mit Garantien. Beim Altersvorsorgedepot ist keine Beitragsgarantie vorgeschrieben. Dadurch entsteht mehr Spielraum für Kapitalmarktanlagen und damit für höhere Renditechancen – allerdings bei entsprechendem Marktrisiko.
Der Staat setzt stärker auf Förderung statt Garantie
Damit Haushalte langfristig Kapital für das Alter binden, fördert der Staat die Einzahlungen. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr kommen 50 Prozent Zulage. Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro beträgt die Förderung 25 Prozent. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich.
Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Jahr und Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige. Voraussetzung für die Zulagen ist grundsätzlich ein Eigenbeitrag von mindestens 120 Euro jährlich.
Auch steuerlich unterscheidet sich das Altersvorsorgedepot von einem gewöhnlichen Wertpapierdepot. Erträge werden während der Ansparphase nicht laufend besteuert. Das Kapital kann damit ohne zwischenzeitlichen Steuerabfluss weiter investiert bleiben.
Die Begünstigung ist allerdings keine voraussetzungslose Renditesubvention. Gefördertes Vermögen ist langfristig gebunden, die Besteuerung wird in die Auszahlungsphase verschoben. Vorgesehen sind eine lebenslange Leibrente oder ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr läuft. Bis zu 30 Prozent des Kapitals können zu Beginn der Auszahlungsphase entnommen werden.
Ökonomisch tauscht der Sparer damit Verfügbarkeit gegen Förderung und Steuerstundung.
Noch vor dem Start beginnt der Preiswettbewerb
Auf dieser gesetzlichen Grundlage entsteht nun ein Markt, dessen Preisniveau bereits vor dem Start unter Druck gerät.
Scalable Capital weist für sein Standardmodell derzeit keine Gebühren für Konto und Depot, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe aus. Für ausgewählte ETFs nennt der Anbieter bis Ende 2027 eine TER von null Prozent. Quirion bereitet ebenfalls ein Altersvorsorgedepot vor, hat die endgültigen Kosten aber noch nicht veröffentlicht.
Andere Anbieter halten sich bei den Konditionen bislang stärker zurück. ING bereitet Lösungen vor, Trade Republic hat seinen Einstieg für 2027 angekündigt. Mit Union Investment und Deka wollen zugleich Fondsgesellschaften in den neuen Markt, die stärker auf aktiv gemanagte Produkte setzen.
Damit konkurrieren nicht nur Unternehmen um Kunden. Es treffen unterschiedliche Vorstellungen darüber aufeinander, wie private Altersvorsorge organisiert und bepreist werden soll.
Auf der einen Seite stehen hochgradig standardisierte, digital verwaltete Kapitalmarktportfolios mit niedrigen Kosten. Auf der anderen Seite stehen Angebote, deren Wertschöpfung stärker aus aktivem Management, Beratung oder zusätzlichen Dienstleistungen entstehen soll.
Je transparenter die Kosten des Altersvorsorgedepots werden, desto unmittelbarer lassen sich diese Modelle vergleichen.
Nun positioniert sich Smartbroker
In diesen Wettbewerb steigt nun auch Smartbroker ein. Am 8. September hat der Berliner Onlinebroker die Voranmeldung für sein Altersvorsorgedepot gestartet.
Beim Standarddepot will Smartbroker auf Depot-, Sparplan- und Orderentgelte verzichten. In den ersten drei Jahren sollen darüber hinaus die laufenden Kosten der eingesetzten ETFs erstattet werden. Nach Ablauf dieser Frist bleiben Depotführung, Sparpläne und Orders nach Unternehmensangaben ohne entsprechendes Entgelt; die laufenden Produktkosten fallen dann grundsätzlich beim Kunden an.
Smartbroker beziffert diese bei den vorgesehenen Standarddepots überwiegend auf weniger als 0,15 Prozent pro Jahr. Eine Ausnahme gibt es für Kunden, die im regulären Smartbroker+-Hauptdepot mindestens 15 Transaktionen pro Kalenderjahr durchführen. Ihnen will das Unternehmen die ETF-Kosten weiterhin erstatten.
Damit liegt ein weiteres Preismodell für einen Markt vor, der erst 2027 operativ startet.
Drei Aktienindizes plus Rentenkomponente
Beim Standarddepot plant Smartbroker drei Varianten. Die Aktienanlage soll wahlweise über einen ETF auf den MSCI World, den MSCI All Country World oder den FTSE All-World erfolgen. Hinzu kommt jeweils eine Rentenkomponente. Die Gewichtung zwischen Aktien- und Rentenanlage kann bei Eröffnung festgelegt und später angepasst werden.
Die Auswahl zeigt zugleich, was Standardisierung beim Altersvorsorgedepot bedeutet. Anleger treffen weiterhin Entscheidungen über Risikostruktur und grundlegende Marktabdeckung, müssen aber nicht einzelne Wertpapiere oder Fonds auswählen.
Daneben plant Smartbroker ein freies Altersvorsorgedepot. Dort sollen Kunden innerhalb des gesetzlich zulässigen Anlageuniversums selbst über die Anlage entscheiden können. Depotführung und Sparpläne sollen ebenfalls ohne gesondertes Entgelt angeboten werden; für Transaktionen über Gettex kündigt der Broker keine Orderprovision an.
Die Anbieter bringen sich in Stellung
Scalable Capital hat für sein Standarddepot bereits konkrete Konditionen genannt. Konto und Depot, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe sollen ohne gesonderte Gebühren angeboten werden. Für ausgewählte ETFs nennt der Anbieter bis Ende 2027 eine TER von null Prozent. Hinzukommen können unter anderem Spreads und weitere Produktkosten.
Auch Quirion bereitet ein Altersvorsorgedepot vor. Der digitale Vermögensverwalter plant eine professionell verwaltete Variante mit einem breit gestreuten ETF-Portfolio. Ob Quirion daneben auch den gesetzlich definierten Standard-Depotvertrag anbieten wird, soll sich nach Angaben des Unternehmens mit der Zertifizierung entscheiden.
Die ING ist ebenfalls konkreter geworden. Sie führt bereits eine Interessentenliste und kündigt sowohl ein Standarddepot mit vorausgewählten ETFs als auch ein Selbstentscheider-Depot mit einer Auswahl von ETFs und Fonds an. Preise hat die Bank dafür bislang nicht genannt. Trade Republic hat den Einstieg in das Altersvorsorgedepot ebenfalls angekündigt, konkrete Konditionen stehen noch aus.
Auch die Fondsgesellschaften positionieren sich. Union Investment will beim Standardprodukt aktive ETFs einsetzen und daneben Lösungen mit aktiv gemanagten Fonds anbieten. Deka wird morgen eine Pressemitteilung zu den geplanten Altersvorsorge-Depotlösungen veröffentlichen.
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