Fast jeder Fünfte setzt im Alter allein auf die gesetzliche Rente

Veröffentlichung: 30.07.2026, 12:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die meisten Deutschen planen ihren Ruhestand mit mehreren Einkommensquellen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während Jüngere verstärkt auf Kapitalanlagen setzen, kombinieren ältere Jahrgänge häufiger verschiedene Vorsorgebausteine.

(PDF)
Die Mehrheit der Erwerbstätigen plant ihren Ruhestand heute mit mehreren Vorsorgebausteinen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente.Die Mehrheit der Erwerbstätigen plant ihren Ruhestand heute mit mehreren Vorsorgebausteinen. Dennoch verlässt sich fast jeder Fünfte ausschließlich auf die gesetzliche Rente.Redaktion experten.de / KI-generiert

Ob gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung, private Rentenversicherung oder Kapitalanlagen – die Mehrheit der Deutschen plant ihren Ruhestand inzwischen mit mehreren Einkommensquellen. Nach dem aktuellen Allianz Vorsorge Index kommen Erwerbstätige im Durchschnitt auf 2,1 Vorsorgebausteine. Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch eine auffällige Lücke: 19 Prozent der Befragten rechnen im Alter ausschließlich mit der gesetzlichen Rente.
Für die Untersuchung befragte Ipsos im Auftrag der Allianz Leben 1.000 Erwerbstätige sowie Kurzzeitarbeitslose und Menschen in Erziehungs- oder Care-Arbeit im Alter zwischen 25 und 65 Jahren.

Gesetzliche Rente bleibt Fundament – aber nicht für alle ausreichend

Die gesetzliche Rente bleibt die wichtigste Säule der Altersvorsorge. 78 Prozent der Befragten erwarten daraus Einkünfte im Ruhestand. Dahinter folgen die betriebliche Altersversorgung mit 39 Prozent und private Rentenversicherungen mit 36 Prozent. Jeder Dritte plant darüber hinaus mit Erträgen aus Kapitalanlagen.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung keine zusätzliche Einkommensquelle aufgebaut hat. Besonders häufig trifft dies auf Menschen kurz vor dem Ruhestand zu: In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen verlassen sich 21 Prozent ausschließlich auf die gesetzliche Rente. Überdurchschnittlich betroffen sind zudem Frauen sowie Teilzeitbeschäftigte.

Generationen setzen unterschiedliche Schwerpunkte

Auch bei der Zusammensetzung der Altersvorsorge zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Jüngere Menschen beziehen Kapitalanlagen häufiger in ihre Ruhestandsplanung ein. Innerhalb der Generation Z rechnen 38 Prozent mit entsprechenden Einkünften. Bei den Babyboomern liegt dieser Anteil bei 31 Prozent. Während jüngere Jahrgänge stärker auf Wertpapieranlagen setzen, kombinieren ältere Befragte häufiger gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge. Die Studie deutet damit auf unterschiedliche Strategien beim Vermögensaufbau hin, die sich sowohl aus dem Lebensalter als auch aus den jeweiligen Sparbiografien ergeben.

Reform soll Zugang zur privaten Vorsorge erleichtern

Vor dem Hintergrund der geplanten Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge gewinnt die Zusammensetzung der Vorsorgebausteine zusätzliche Bedeutung. Ziel der Reform ist es, den Zugang zu geförderten Vorsorgeprodukten zu vereinfachen und mehr Menschen zum Aufbau zusätzlicher Einkommensquellen für den Ruhestand zu bewegen.
Die Ergebnisse des Allianz Vorsorge Index zeigen zugleich, dass viele Erwerbstätige bereits heute auf mehrere Bausteine setzen. Gleichzeitig bleibt die Gruppe derjenigen, die ausschließlich auf die gesetzliche Rente vertraut, groß. Für die Diskussion über die Zukunft der Altersvorsorge liefert die Studie damit einen weiteren Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Vorsorgestrategien in Deutschland inzwischen ausfallen.

Warum Kapitalanlagen allein die Rentenlücke nicht schließen

Die wachsende Bedeutung von Kapitalanlagen bedeutet nach Einschätzung der Studienautoren nicht zwangsläufig, dass klassische Vorsorgeprodukte an Bedeutung verlieren. Vielmehr werden Wertpapierdepots zunehmend als Ergänzung zum langfristigen Vermögensaufbau genutzt, während lebenslange Rentenzahlungen weiterhin vor allem über gesetzliche, betriebliche und private Rentensysteme organisiert werden.
Gerade vor dem Hintergrund der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge dürfte deshalb die Frage an Bedeutung gewinnen, wie unterschiedliche Vorsorgebausteine künftig miteinander kombiniert werden können.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der VOTUM Verband fordert bei der geplanten gesetzlichen Kapitalrente Wahlfreiheit zwischen einem staatlichen Fonds und privaten Anbietern.Der VOTUM Verband fordert bei der geplanten gesetzlichen Kapitalrente Wahlfreiheit zwischen einem staatlichen Fonds und privaten Anbietern.Redaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Rentenreform: Verband pocht auf Wahlfreiheit beim Staatsfonds

Die Alterssicherungskommission hat den Reformpfad für die gesetzliche Altersvorsorge vorgezeichnet. Der VOTUM Verband begrüßt die Arbeit der Kommission grundsätzlich, fordert bei der geplanten Kapitalrente jedoch eine konsequente Umsetzung des schwedischen Modells – einschließlich der Wahlfreiheit zwischen einem staatlichen Fonds und privaten Anbietern.
Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe DeutschlandAndreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe DeutschlandZurich Gruppe Deutschland
Fürs Alter

Altersvorsorge: „Entscheidend ist, Vorsorge als lebenslange Einkommensplanung zu denken“

Die Menschen in Deutschland leben länger und müssen ihren Ruhestand über immer längere Zeiträume finanzieren. Experten sehen deshalb einen Wandel in der Altersvorsorge: Weg von der reinen Sparaufgabe, hin zur langfristigen Einkommensplanung. „Entscheidend ist, Vorsorge als lebenslange Einkommensplanung zu denken“, sagt Andreas Runkler von der Zurich Gruppe Deutschland.
Susanna Adelhardt, Vorstandsvorsitzende der DAVSusanna Adelhardt, Vorstandsvorsitzende der DAVDeutsche Aktuarvereinigung
Fürs Alter

DAV fordert stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) unterstützt die aktuellen Reformen der privaten Altersvorsorge und der betrieblichen Altersversorgung. Gleichzeitig warnen die Aktuarinnen und Aktuare davor, kapitalgedeckte Vorsorge auf reine Vermögensbildung zu reduzieren. Entscheidend sei eine flächendeckende und lebenslange Absicherung im Alter.
Junge Sparer könnten laut Modellrechnungen besonders stark vom geplanten Altersvorsorgedepot profitieren – vor allem durch lange Laufzeiten und den Zinseszinseffekt kapitalmarktorientierter Anlagen.Junge Sparer könnten laut Modellrechnungen besonders stark vom geplanten Altersvorsorgedepot profitieren – vor allem durch lange Laufzeiten und den Zinseszinseffekt kapitalmarktorientierter Anlagen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Altersvorsorgedepot: Für wen sich der Riester-Nachfolger rechnen könnte – und für wen nicht

Das geplante Altersvorsorgedepot soll ab 2027 die private Altersvorsorge stärker an ETF- und Kapitalmarktanlagen ausrichten. Neue Modellrechnungen der Geldanlage-Plattform growney zeigen nun, wie unterschiedlich stark einzelne Altersgruppen und Familienkonstellationen von der Reform profitieren könnten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht