DAV fordert stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge

Veröffentlichung: 26.05.2026, 16:05 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) unterstützt die aktuellen Reformen der privaten Altersvorsorge und der betrieblichen Altersversorgung. Gleichzeitig warnen die Aktuarinnen und Aktuare davor, kapitalgedeckte Vorsorge auf reine Vermögensbildung zu reduzieren. Entscheidend sei eine flächendeckende und lebenslange Absicherung im Alter.

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Susanna Adelhardt, Vorstandsvorsitzende der DAVSusanna Adelhardt, Vorstandsvorsitzende der DAVDeutsche Aktuarvereinigung

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) spricht sich für einen weiteren Ausbau kapitalgedeckter Alterssicherung in Deutschland aus. Anlass ist die aktuelle Reformdiskussion rund um die private Altersvorsorge und die betriebliche Altersversorgung (bAV). Beim digitalen Jahrespressegespräch der DAV betonte die Vorstandsvorsitzende Susanna Adelhardt, dass das bestehende Alterssicherungssystem langfristig stärker diversifiziert werden müsse. „Eine Alterssicherung, die allein auf Umlagefinanzierung basiert, steht langfristig nur auf einem Bein. Für mehr Stabilität braucht es ein zweites starkes Standbein in Form kapitalgedeckter Alterssicherung“, sagte Adelhardt.

DAV begrüßt Reformen – fordert aber mehr Verbindlichkeit

Die DAV bewertet die geplanten Reformen grundsätzlich positiv. Insbesondere die stärkere Nutzung kapitalmarktorientierter Vorsorgemodelle könne helfen, langfristig Vermögen aufzubauen und die Alterssicherung breiter aufzustellen. Aus Sicht der Aktuarvereinigung reicht reine Vermögensbildung allerdings nicht aus. „Entscheidend sei jedoch, dass daraus auch eine verlässliche Alterssicherung entstehe“, betonte Adelhardt. Die Erfahrungen mit Riester-Produkten und der Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung hätten gezeigt, dass freiwillige Lösungen häufig gerade jene Menschen nicht erreichten, die besonders auf zusätzliche Vorsorge angewiesen seien.

Die DAV plädiert deshalb für mehr Verbindlichkeit im System. Konkret bringt sie Modelle wie Auto-Enrolment oder verpflichtende Elemente in der betrieblichen Altersversorgung ins Spiel. „Wenn das Ziel eine breite und nachhaltige Absicherung des Lebensstandards im Alter ist, braucht es mehr Verbindlichkeit“, sagte Adelhardt.

Lebenslange Leistungen statt reiner Sparmodelle

Ein zentraler Punkt der DAV-Position betrifft die Auszahlungsphase. Nach Einschätzung der Aktuare könne echte Alterssicherung nur über lebenslange Leistungen gewährleistet werden. Individuelle Sparpläne oder reine Kapitalansammlungen reichten dafür nicht aus. Gleichzeitig fordert die DAV flexiblere Rentenmodelle. Moderat schwankende Rentenleistungen könnten höhere langfristige Renditen ermöglichen und dadurch insgesamt höhere lebenslange Alterseinkommen schaffen. Voraussetzung dafür sei jedoch ein regulatorischer Rahmen, der langfristig höhere Investitionsquoten in Sachwerte zulasse.
Nach Einschätzung der DAV verhindern derzeit steuerliche Regelungen teilweise noch, dass solche Modelle umfassend staatlich gefördert werden können.

Arbeitgeber sollen nicht überfordert werden

Mit Blick auf mögliche verpflichtende Modelle fordert die DAV zugleich ausgewogene Rahmenbedingungen für Arbeitgeber. „Lebenslange Leistung aus einer verpflichtenden kapitalgedeckten Alterssicherung darf nicht mit einer Einstandspflicht der Arbeitgeber verbunden sein, unabhängig davon, ob diese mit oder ohne Garantien ausgestaltet sind“, so Adelhardt. Bereits bestehende Versorgungssysteme müssten auf mögliche verpflichtende Modelle angerechnet werden können. Zudem brauche es standardisierte und möglichst einfache Prozesse, um Unternehmen und Beschäftigte nicht zusätzlich zu belasten.

Infrastrukturinvestitionen im Fokus

Besonderes Potenzial sieht die DAV bei langfristigen Infrastrukturinvestitionen. Nach Einschätzung der Aktuarvereinigung passen die langfristigen Verpflichtungen von Altersvorsorgesystemen strukturell gut zu langfristigen Investitionen in Infrastrukturprojekte. „Die langfristigen Verpflichtungen der Alterssicherung passen strukturell hervorragend zu langfristigen Infrastrukturprojekten“, sagte Adelhardt.
Gleichzeitig lehnt die DAV staatliche Investitionsvorgaben ausdrücklich ab. Anlageentscheidungen müssten weiterhin bei den Einrichtungen der Altersvorsorge liegen.

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