Waldbrände werden zum Risikofaktor für Industrieunternehmen
Waldbrände gelten längst nicht mehr nur als Umwelt- oder Forstthema. Nach Einschätzung von Risikoexperten entwickeln sie sich zunehmend zu einem Geschäftsrisiko für Industrie- und Logistikunternehmen. Dabei geht es längst nicht nur um direkte Brandschäden, sondern auch um Betriebsunterbrechungen und Lieferketten.
Das Risiko rückt näher
Verheerende Waldbrände in Südeuropa, Nordamerika oder Kanada sorgten in den vergangenen Jahren regelmäßig für Schlagzeilen. Doch auch in Deutschland wächst nach Einschätzung von Risikoexperten die Gefahr. Längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und zunehmende Wetterextreme verändern das Risikoprofil vieler Unternehmensstandorte.
„Viele Unternehmen unterschätzen noch immer, wie stark sich das Waldbrandrisiko in Europa verändert hat“, sagt Sebastian Kempka, Senior Consultant Technical Risk bei der Köln.Assekuranz. Waldbrände seien längst kein ausschließlich südeuropäisches oder kalifornisches Phänomen mehr. Auch Industrie- und Logistikstandorte in Deutschland könnten direkt oder indirekt betroffen sein.
Nicht die Flammen sind das größte Problem
Dabei entsteht das Risiko häufig schon lange vor dem eigentlichen Feuer. Nach Angaben der Experten zählen Funken- und Glutflug zu den größten Gefahren für industrielle Anlagen. Glühende Partikel können über große Entfernungen transportiert werden und Dachflächen, Lagerbestände oder technische Anlagen entzünden, bevor die eigentliche Feuerfront eintrifft. Hinzu kommen Rauchschäden sowie Produktionsausfälle infolge gesperrter Verkehrswege oder Evakuierungen. „In vielen Fällen übersteigen Betriebsunterbrechungsschäden den eigentlichen Sachschaden deutlich“, erläutert Sarah Reuter, Teamleiterin des KA Risk Lab.
Risiko hängt vom Standort ab
Ob ein Unternehmen tatsächlich gefährdet ist, entscheidet nicht allein die Nähe zu Waldflächen. Nach Einschätzung der Köln.Assekuranz ergibt sich das Gesamtrisiko aus mehreren Faktoren: den klimatischen Bedingungen, der vorhandenen Vegetation und der Verwundbarkeit des jeweiligen Standorts. So könne ein Lager mit brennbaren Materialien im Freien deutlich stärker gefährdet sein als dieselben Güter in einem feuerbeständigen Gebäude. Zur Bewertung kombiniert das Unternehmen Klimadaten mit Informationen zur Vegetation und zur jeweiligen Nutzung eines Standorts.
Prävention beginnt lange vor dem Ernstfall
Viele Risiken lassen sich nach Einschätzung der Experten bereits durch bauliche und organisatorische Maßnahmen reduzieren. Dazu gehören vegetationsfreie Schutzstreifen, gezielt angelegte Laubholzriegel, ausreichend breite Zufahrtswege für Feuerwehren sowie eine frühzeitige Berücksichtigung von Waldbrandrisiken bei der Standortplanung. Ebenso wichtig sei es, betriebliche Notfall- und Evakuierungspläne regelmäßig zu überprüfen. „Vorbeugender Waldbrandschutz sollte Bestandteil jeder Standortplanung in gefährdeten Gebieten sein“, betont Kempka.
Naturgefahren verändern das Risikomanagement
Mit dem Klimawandel verschieben sich nach Einschätzung vieler Versicherer auch die Anforderungen an das industrielle Risikomanagement. Neben klassischen Naturgefahren wie Sturm, Hagel oder Hochwasser gewinnen zunehmend Risiken an Bedeutung, die bislang vor allem in anderen Weltregionen eine Rolle spielten. Waldbrände gehören nach Ansicht der Experten inzwischen dazu. Unternehmen seien deshalb gut beraten, ihre Standorte nicht nur unter wirtschaftlichen, sondern auch unter klimatischen Gesichtspunkten regelmäßig zu überprüfen. „Waldbrände sind kein Umwelt- oder Forstthema. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem relevanten Risiko für Unternehmensstandorte – auch in Europa“, sagt Reuter.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Fünf Jahre nach der Ahrflut: Warum das größte Risiko das Vergessen sein könnte
Hitze verändert die Stadtplanung
Fünf Jahre nach der Ahrflut: Warum Versicherungsschutz allein nicht genügt
Klimarisiken: Unternehmensbewertungen als Kompass in stürmischen Zeiten
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Württembergische verzichtet künftig auf Gesundheitsprüfung in der Unfallversicherung
DEVK fünf Jahre nach der Ahrflut: Warum Prävention zum neuen Maßstab der Wohngebäudeversicherung wird
Fünf Jahre nach der Ahrflut: Wie Versicherer aus der Katastrophe gelernt haben
Staatliches Standardprodukt: Der Staat als Wettbewerber der Versicherer
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















