Hitze verändert die Stadtplanung
Extreme Hitze entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für Städte und Kommunen. Nach Einschätzung von Zurich reichen klassische Hitzeschutzmaßnahmen künftig nicht mehr aus. Gefragt seien langfristige Strategien, die Klimarisiken frühzeitig in Stadtplanung, Infrastruktur und kommunales Risikomanagement integrieren.
Hitze wird zur Daueraufgabe für Kommunen
Hohe Temperaturen gelten längst nicht mehr nur als Belastung für die Gesundheit. Zunehmend geraten auch Verkehrswege, Energieversorgung, Schulen und öffentliche Einrichtungen unter Druck. Nach Einschätzung von Zurich zählt extreme Hitze inzwischen zu den größten klimabedingten Risiken für urbane Räume.
Besonders dicht bebaute Innenstädte heizen sich stark auf. Asphalt, Beton und versiegelte Flächen speichern Wärme und lassen sogenannte Hitzeinseln entstehen. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Belastungen bis hin zu Einschränkungen im öffentlichen Verkehr und Schäden an der Infrastruktur. „Jede Stadt muss ein klares Konzept haben, um die Bevölkerung besser vor Extremwetter wie Hitze zu schützen“, sagt Petra Riga-Müller, Vorständin Zurich Commercial Insurance Germany. Die Hitzewelle Ende Juni habe gezeigt, dass es sich längst nicht mehr um einzelne Ausnahmeereignisse handele.
Versicherer setzen auf Risikodaten statt Schadenzahlen
Während Versicherer traditionell Schäden regulieren, rückt zunehmend die Prävention in den Mittelpunkt. Zurich nutzt dazu eigene Schaden- und Risikodaten sowie Satelliten-, Klima- und Geodaten, um die Verwundbarkeit von Städten gegenüber verschiedenen Naturgefahren zu analysieren. Neben Hitze fließen unter anderem Informationen zu Starkregen, Hochwasser, Dürre, Waldbrand, Versiegelungsgrad, Vegetation und Topografie in die Analysen ein. Ziel ist es, Kommunen frühzeitig Hinweise auf besonders gefährdete Bereiche zu geben. „Je früher Städte ihre Verwundbarkeiten kennen, desto gezielter können sie investieren und Vorsorge treffen“, erläutert Riga-Müller.
Klimarisiken werden zum Managementthema
Nach Einschätzung von Zurich reicht es künftig nicht mehr aus, einzelne Maßnahmen gegen Hitze umzusetzen. Vielmehr müsse Klimaanpassung als Querschnittsaufgabe verstanden werden, die Stadtplanung, Verkehr, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Bildung gleichermaßen betrifft. Versicherer könnten dabei ihre Erfahrungen aus dem Risikomanagement einbringen und Kommunen bei der Bewertung klimabedingter Gefahren unterstützen. Grundlage seien langfristige Klimaprojektionen sowie standortbezogene Risikoanalysen.
Madrid liefert ein Praxisbeispiel
Wie solche Konzepte aussehen können, zeigt ein Projekt der Zurich Resilience Solutions mit der spanischen Hauptstadt Madrid. Dort wurden besonders stark belastete Stadtgebiete, Schulgebäude und Schulwege analysiert. Anschließend setzte die Stadt unter anderem auf zusätzliche Grünflächen, Bäume, Wasserelemente, Brunnen sowie die Beschattung von Gehwegen und öffentlichen Bereichen. Nach Angaben von Zurich konnten dadurch die Temperaturen an einzelnen Hitze-Hotspots um bis zu 4,5 Grad Celsius gesenkt werden.
Resilienz wird zum Standortfaktor
Die zunehmenden Hitzebelastungen zeigen nach Ansicht des Versicherers, dass sich Städte künftig stärker auf die Folgen des Klimawandels einstellen müssen. Dabei gehe es nicht nur um den Schutz der Bevölkerung, sondern auch um die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastrukturen und die wirtschaftliche Attraktivität urbaner Räume. „Anpassungen an Extremwetterereignisse werden zu einer zentralen Zukunftsaufgabe für Kommunen“, sagt Riga-Müller. Versicherer könnten dabei helfen, Risiken sichtbar zu machen und datenbasierte Entscheidungen für mehr Resilienz zu ermöglichen.
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