Industrieversicherung wird wieder käuferfreundlicher
Nach Jahren steigender Preise entspannt sich der Industrieversicherungsmarkt. Unternehmen bekommen in mehreren Sparten wieder mehr Kapazitäten und günstigere Konditionen. Doch der SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 zeigt auch die Kehrseite: Komplexe Risiken bleiben anspruchsvoll – und professionelles Risikomanagement entscheidet zunehmend über die Versicherbarkeit.
Nach mehreren Jahren Hartmarkt verschieben sich die Kräfte auf dem Industrieversicherungsmarkt wieder zugunsten der Kunden. Versicherer stellen in vielen Bereichen mehr Kapazitäten bereit, während Prämien stabil bleiben oder sinken. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung nach Einschätzung von SÜDVERS in der Sach- und Cyberversicherung.
Von einer allgemeinen Entwarnung kann allerdings keine Rede sein. Der neue SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 beschreibt vielmehr einen Markt, der stärker auseinanderdriftet: Gute Risiken profitieren von zunehmendem Wettbewerb der Versicherer. Komplexe oder schadenbelastete Risiken bleiben dagegen anspruchsvoll.
„Nach mehreren Jahren einer ausgeprägten Hartmarktphase beobachten wir in vielen Versicherungssparten eine deutliche Marktentspannung. Unternehmen mit hoher Risikotransparenz, professionellem Risikomanagement und guten Schadenverläufen profitieren zunehmend von besseren Marktbedingungen“, erklärt Florian Karle, Geschäftsführender Gesellschafter bei SÜDVERS.
Sach und Cyber profitieren – Haftpflicht bleibt zweigeteilt
Wie unterschiedlich die Entwicklung ausfällt, zeigt der Blick auf einzelne Sparten. Während SÜDVERS Sach und Cyber ausdrücklich als Beispiele für weichere Marktbedingungen nennt, bleibt die Situation in der Haftpflicht differenziert.
Die allgemeine Haftpflichtversicherung zeigt sich demnach weiterhin käuferfreundlich. Bei komplexeren Risiken steigt jedoch die Zurückhaltung der Versicherer. Dazu tragen unter anderem neue Ausschlussregelungen wie die PFAS-Klausel des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie Unsicherheiten bei Risiken mit US-Bezug bei. Auch in der Kraftfahrtversicherung bleibt das Marktumfeld herausfordernd.
Bemerkenswert ist die Entwicklung bei Cyber: Obwohl nach Angaben des Marktmonitors sowohl die Zahl der Cyberschäden als auch die durchschnittliche Schadenhöhe weiter zunehmen, bleiben die Prämien auf stabilem Niveau. Gleichzeitig steigen die verfügbaren Kapazitäten, und mehr Versicherer bieten internationale Programme an.
Damit zeigt sich eine Verschiebung, die für Unternehmen durchaus Verhandlungsspielraum eröffnet. Sinkende oder stabile Preise bedeuten jedoch nicht automatisch geringere Anforderungen an die Qualität eines Risikos.
Gute Risiken werden wieder belohnt
Gerade dieser Punkt zieht sich als zentrale Aussage durch den Marktmonitor. Von zusätzlichen Kapazitäten profitieren vor allem Unternehmen, die ihre Risiken transparent darstellen können, geringe Schäden aufweisen und ein professionelles Risikomanagement betreiben. Der weichere Markt bedeutet damit nicht zwangsläufig eine Rückkehr zu Zeiten, in denen Versicherungsschutz nahezu unabhängig von der Qualität des Risikos günstig eingekauft werden konnte. Vielmehr gewinnt die Differenzierung an Bedeutung.
Für Unternehmen stellt sich deshalb neben der Frage nach Prämie und Deckungsumfang zunehmend eine grundsätzlichere: Wie lässt sich die eigene Versicherbarkeit langfristig erhalten?
Risiken lassen sich immer weniger einzeln betrachten
SÜDVERS begründet diese Entwicklung auch mit einer veränderten Risikolandschaft. Geopolitische Spannungen, Cyberangriffe, Lieferkettenunterbrechungen und regulatorische Eingriffe wirken nicht unabhängig voneinander, sondern können sich gegenseitig verstärken. Hinzu kommen technologische Veränderungen und Transformationsrisiken sowie klassische Gefahren wie Feuer, Haftung oder Betriebsunterbrechungen.
Damit reicht es nach Einschätzung der Autoren nicht mehr aus, Versicherungsprogramme allein anhand einzelner Prämien oder Marktbewegungen zu steuern. Unternehmen müssen entscheiden, welche Risiken versichert werden können und sollen – und welche Risiken bewusst im Unternehmen verbleiben.
„Unternehmen können ihre Versicherungsstrategie nicht mehr allein an Prämienentwicklungen ausrichten. Entscheidend ist, Risiken in ihrer Gesamtheit zu verstehen, ihre Auswirkungen auf das Geschäftsmodell zu bewerten und geeignete Steuerungsmaßnahmen abzuleiten. Versicherbarkeit wird zunehmend zum Ergebnis einer vorausschauenden Unternehmensführung“, sagt Ralf Bender, CEO von SÜDVERS.
Der Marktmonitor bringt die Entwicklung noch grundsätzlicher auf den Punkt: Risikomanagement sei längst keine Aufgabe einzelner Fachbereiche mehr. Versicherbarkeit werde zunehmend zum Ergebnis vorausschauender Unternehmensführung, belastbarer Daten und einer gelebten Risikokultur.
66 Seiten Marktüberblick
Der SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 analysiert auf 66 Seiten Entwicklungen in den Versicherungs- und Vorsorgemärkten. Neben klassischen Versicherungssparten behandelt die Publikation unter anderem Risk Engineering, internationale Versicherungsprogramme, Kreditmanagement sowie Vorsorge und Benefits.
SÜDVERS stellt den vollständigen Marktmonitor kostenfrei zum Download zur Verfügung. Begleitend startet im September die Webinar-Reihe „Perspektiven | Experten im Gespräch“. Fünf kostenfreie Veranstaltungen sind zwischen dem 17. September und 6. Oktober 2026 geplant.
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