Generationenvertrag: Junge und Rentner verlieren das Vertrauen

Veröffentlichung: 02.06.2026, 12:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Rentendebatte wird häufig als Konflikt zwischen Jung und Alt geführt. Eine neue Studie von HDI zeichnet jedoch ein anderes Bild: Sowohl junge Menschen als auch heutige Rentner zweifeln zunehmend an der langfristigen Stabilität des Rentensystems. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, über tiefgreifende Reformen nachzudenken.

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Junge Erwachsene und heutige Rentner teilen zunehmend dieselben Sorgen um die Zukunft des Rentensystems. Die HDI Rentner-Studie 2026 zeigt eine hohe Reformbereitschaft, aber auch einen spürbaren Vertrauensverlust in den Generationenvertrag.Junge Erwachsene und heutige Rentner teilen zunehmend dieselben Sorgen um die Zukunft des Rentensystems. Die HDI Rentner-Studie 2026 zeigt eine hohe Reformbereitschaft, aber auch einen spürbaren Vertrauensverlust in den Generationenvertrag.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rente prägt seit Monaten die politische Debatte. Themen wie Aktivrente, Altersvorsorgereform oder ein höheres Renteneintrittsalter sorgen regelmäßig für Kontroversen. Die aktuelle HDI Rentner-Studie 2026 zeigt nun: Die Sorge um die Zukunft des Rentensystems ist längst kein Generationenkonflikt mehr.

Rund die Hälfte der Befragten hat nach eigenen Angaben wenig oder gar kein Vertrauen in den Generationenvertrag. Dies betrifft sowohl die junge Generation zwischen 18 und 35 Jahren (51 Prozent) als auch die heutigen Rentner zwischen 63 und 70 Jahren (47 Prozent). Lediglich 17 Prozent der jungen Menschen und neun Prozent der Rentner geben an, großes oder sehr großes Vertrauen in das bestehende System zu haben.

Gemeinsame Sorgen statt Generationenkonflikt

Bemerkenswert ist dabei, wie ähnlich beide Generationen die Ursachen der Probleme bewerten. Als wichtigste Belastungsfaktoren nennen junge wie ältere Befragte:

  • den demografischen Wandel,
  • die sinkende Zahl von Beitragszahlern,
  • fehlende Reformen über einen langen Zeitraum,
  • sowie die Tatsache, dass Beamte und viele Selbstständige nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Gleichzeitig zeigen sich überraschend hohe Werte gegenseitigen Verständnisses. Sieben von zehn jungen Menschen haben Verständnis für die Kritik der älteren Generation am Rentensystem. Umgekehrt äußern 69 Prozent der Rentner Verständnis für die Sorgen der Jüngeren. „Unsere Studie zeigt: Die Rentenfrage ist längst kein klassischer Generationenkonflikt mehr, sondern eine gemeinsame Sorge“, sagt Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG. „Gleichzeitig zeigen sich viele Menschen offen für Reformen. Jetzt ist die Politik gefragt, daraus tragfähige und generationengerechte Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Reformbereitschaft überraschend hoch

Die Skepsis gegenüber dem Status quo geht mit einer bemerkenswerten Offenheit für Veränderungen einher. Unter den Rentnern befürworten 88 Prozent einen höheren steuerlichen Grundfreibetrag, 87 Prozent eine Erwerbstätigenversicherung für Beamte und Selbstständige und 81 Prozent die Einführung einer Mindestrente.
Auch bei den jungen Befragten stößt die Mindestrente auf breite Zustimmung. Zudem unterstützen 74 Prozent die sogenannte Aktivrente, die steuerfreie Hinzuverdienstmöglichkeiten nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters vorsieht. Interessant: 34 Prozent der heutigen Rentner geben an, sie hätten unter solchen Bedingungen möglicherweise länger gearbeitet.

Die Debatte verschiebt sich

Für Fabian von Löbbecke, Vorstand der HDI Lebensversicherung AG, zeigen die Ergebnisse eine wichtige Entwicklung. „Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen bereit sind, über neue Wege in der Alterssicherung nachzudenken. Dazu zählen neue Finanzierungswege und ergänzende Vorsorgemodelle“, sagt von Löbbecke. „Die gesellschaftliche Debatte dreht sich zunehmend nicht mehr um das Ob von Veränderungen, sondern um die Frage, wie faire und langfristig tragfähige Lösungen aussehen können.“
Die Studie deutet damit auf einen bemerkenswerten Stimmungswandel hin. Während die Diskussion über die gesetzliche Rente häufig entlang von Generationengrenzen geführt wird, scheinen die Sorgen über die Zukunft des Systems inzwischen generationsübergreifend geteilt zu werden.

Vertrauen bleibt die größte Baustelle

Für die Politik könnte darin eine wichtige Botschaft liegen. Die Befragten lehnen Reformen keineswegs grundsätzlich ab. Im Gegenteil: Viele zeigen sich offen für Veränderungen. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Vertrauen zu einer zentralen Herausforderung geworden ist. Die eigentliche Frage scheint daher nicht mehr zu sein, ob das Rentensystem reformiert werden muss, sondern ob es gelingt, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Über die Studie:
Die HDI Rentner-Studie wurde 2026 zum dritten Mal in Folge gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Befragt wurden im YouGov-Panel insgesamt 1.079 Rentnerinnen und Rentner zwischen 63 und 70 Jahren sowie 1.021 Personen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland, die quotiert nach Geschlecht eingeladen wurden. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 27. März und dem 8. April 2026.

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