Vito Micoli, Betriebswirtschafter, Treuhänder und geschäftsführender Direktor bei FI InvestmentsVito Micoli, Betriebswirtschafter, Treuhänder und geschäftsführender Direktor bei FI InvestmentsThomas Feith

„Unser Rentensystem steht unter Druck“ – Fratzschers Vorschlag im Gegenwind

Veröffentlichung: 27.08.2025, 10:08 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner? Der Vorstoß von Ökonom Marcel Fratzscher sorgt für Diskussionen. Doch statt ältere Generationen stärker in die Pflicht zu nehmen, fordert Finanzexperte Vito Micoli eine grundlegende Reform des deutschen Rentensystems – mit Blick in die Schweiz.

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Die demografische Entwicklung stellt die gesetzliche Rente zunehmend infrage: weniger Beitragszahler, längere Lebenserwartung, steigender Finanzbedarf. Vor diesem Hintergrund schlug Ökonom Marcel Fratzscher jüngst ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner vor. Der Gedanke: Ältere Menschen könnten damit einen Beitrag zur Gesellschaft leisten und gleichzeitig entlastend auf das Rentensystem wirken.

Doch die Idee stößt auf Kritik. Für Vito Micoli, Betriebswirtschafter, Treuhänder und geschäftsführender Direktor bei FI Investments, geht der Vorschlag am Kernproblem vorbei. „Unser deutsches Rentensystem steht unter Druck. Die demografische Entwicklung, der Rückgang der Beitragszahler sowie die Tatsache, dass bestimmte Berufsgruppen wie Beamte nicht in das System einzahlen, machen deutlich: Die Reform des Umlageverfahrens ist überfällig.“

Micoli verweist auf die Schweiz, wo ein kapitalgedecktes Vorsorgesystem die gesetzliche Rente ergänzt. Dort zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam in ein individuelles Vorsorgekonto ein. Dieses Guthaben wird verzinst angespart und kann beim Renteneintritt als laufende Rente oder Einmalbetrag genutzt werden. „Das stärkt die Eigenverantwortung und sorgt für höhere Auszahlungen im Alter“, so Micoli.

Übertragen auf Deutschland hält er ein Modell für denkbar, das bereits von Geburt an mit staatlichen oder elterlichen Beiträgen startet und im Erwerbsleben durch prozentuale Einzahlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ergänzt wird. Micoli rechnet vor: „Bei einer Kombination aus staatlicher Unterstützung in der Jugend und fünf Prozent Beiträgen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber könnte ein Kapitalstock entstehen, der im Alter rund 84 Prozent des Durchschnittseinkommens abdeckt.“

Der Finanzexperte fordert daher einen Systemwechsel: weg vom Umlageverfahren, hin zu einem stärker kapitalgedeckten Rentenmodell. „Es ist an der Zeit, aus der Umlage in ein modernes Rentensystem mit Kapitaldeckung zu wechseln“, so Micoli.

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