Ruhestandsumfrage: Ausgerechnet die Generation kurz vor der Rente sorgt sich am meisten

Veröffentlichung: 01.06.2026, 14:06 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Wer kurz vor dem Ruhestand steht, blickt besonders skeptisch in die Zukunft. Eine aktuelle Umfrage von Standard Life zeigt: Vor allem die 50- bis 60-Jährigen zweifeln an ihrer finanziellen Absicherung im Alter. Gleichzeitig planen viele ihren Ruhestand ohne Beratung – und häufig sogar ohne konkrete Kalkulation ihrer künftigen Einnahmen und Ausgaben.

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Viele Menschen kurz vor dem Ruhestand blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft. Gleichzeitig verzichten zahlreiche Betroffene auf professionelle Ruhestandsplanung oder eine konkrete Kalkulation ihrer späteren Einnahmen und Ausgaben.Viele Menschen kurz vor dem Ruhestand blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft. Gleichzeitig verzichten zahlreiche Betroffene auf professionelle Ruhestandsplanung oder eine konkrete Kalkulation ihrer späteren Einnahmen und Ausgaben.Redaktion experten.de / KI-generie

Die Diskussion über die Zukunft der Altersvorsorge wird in Deutschland seit Jahren intensiver. Steigende Lebenserwartung, demografischer Wandel und Reformdebatten rund um Renteneintrittsalter und private Vorsorge sorgen für Verunsicherung. Eine aktuelle Ruhestandsumfrage von Standard Life zeigt nun, dass insbesondere Menschen kurz vor dem Renteneintritt erhebliche Zweifel an ihrer finanziellen Zukunft haben.
Für die Studie befragte YouGov im Auftrag des Lebensversicherers 844 Personen ab 50 Jahren. Zwar blickt insgesamt etwas mehr als die Hälfte der Befragten optimistisch auf den Ruhestand. Gleichzeitig hält jedoch fast jeder Dritte seine finanzielle Absicherung im Alter für gefährdet.

Die größten Sorgen haben die 50- bis 60-Jährigen

Besonders auffällig ist die Stimmung in der Altersgruppe der 50- bis 60-Jährigen. Von ihnen blickt lediglich ein Drittel optimistisch auf den bevorstehenden Ruhestand. Gleichzeitig sehen vier von zehn ihre finanzielle Absicherung im Alter als gefährdet an. Damit ist die Skepsis in dieser Gruppe deutlich stärker ausgeprägt als bei älteren Befragten, die bereits im Ruhestand sind oder kurz davorstehen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Menschen in der Übergangsphase zwischen Erwerbsleben und Ruhestand besonders sensibel auf finanzielle Risiken reagieren. Anders als jüngere Generationen haben sie nur noch begrenzte Zeit, Versorgungslücken zu schließen.

Viele planen ihren Ruhestand ohne Beratung

Trotz der Sorgen setzen die meisten Befragten nicht auf professionelle Unterstützung. Zwei Drittel der über 50-Jährigen sind überzeugt, ihre Ruhestandsplanung selbst bewältigen zu können. Fast jeder Fünfte plant den Ruhestand überhaupt nicht. Nur zehn Prozent der Befragten nehmen nach eigenen Angaben eine Beratung zur Ruhestandsplanung in Anspruch. Hinzu kommt ein weiteres Ergebnis: 64 Prozent haben keinen konkreten Plan für ihre laufenden Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand erstellt. Lediglich 30 Prozent verfügen über eine entsprechende Übersicht. Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen über Versorgungslücken und steigende Lebenshaltungskosten erscheint dies bemerkenswert.

Viele rechnen mit weniger Einkommen

Die Erwartungen an die finanzielle Situation im Ruhestand fallen überwiegend zurückhaltend aus. 58 Prozent gehen davon aus, dass ihnen im Ruhestand deutlich weniger Einkommen zur Verfügung stehen wird als während ihres Erwerbslebens. Gleichzeitig rechnen 38 Prozent mit ähnlich hohen Ausgaben wie zuvor. Weitere 16 Prozent erwarten sogar höhere Ausgaben. Damit entsteht für viele Haushalte die Perspektive sinkender Einnahmen bei gleichzeitig stabilen oder steigenden Kosten. Ein weiteres Risiko sehen die Befragten im Pflegefall. Für 59 Prozent wäre die eigene Pflegebedürftigkeit oder die eines nahen Familienmitglieds eine erhebliche finanzielle Belastung.

Wenig Bereitschaft zu Rentenverzicht

Auch die Frage nach der Generationengerechtigkeit liefert ein klares Bild. 79 Prozent der Befragten wären nicht bereit, Einbußen bei der eigenen Rente hinzunehmen, um die Rentenansprüche jüngerer Generationen zu sichern. Lediglich neun Prozent würden einen solchen Schritt unterstützen. Die Ergebnisse spiegeln die zunehmenden Spannungen wider, die die Rentendebatte begleiten. Während Politik und Wissenschaft über die langfristige Finanzierung des Systems diskutieren, lehnt die Mehrheit der Betroffenen persönliche Einschnitte ab.

Aktivrente stößt auf wenig Interesse

Zurückhaltend fällt auch die Bewertung der sogenannten Aktivrente aus, die Anfang 2026 eingeführt wurde. Mehr als die Hälfte der Befragten kennt das Modell nach eigenen Angaben nicht. Von denjenigen, die es kennen, hält die Mehrheit die Aktivrente für wenig attraktiv. Nur etwas mehr als ein Drittel bewertet sie als interessant. Damit zeigt die Umfrage, dass politische Reformen nicht automatisch auf breite Akzeptanz stoßen – selbst bei den Zielgruppen, an die sie sich richten.

Experten sehen Handlungsbedarf

Für Christian Nuschele, Head of Distribution bei Standard Life Deutschland und Österreich, zeigen die Ergebnisse vor allem eines: Viele Menschen beschäftigen sich zu spät oder zu wenig mit ihrer finanziellen Situation im Alter. „Auch die zweite Auflage unserer Umfrage zeigt eine große Unsicherheit bezüglich der Absicherung im Alter. Gerade die 50- bis 60-Jährigen machen sich offensichtlich große Sorgen um die finanzielle Ausgestaltung ihres Ruhestandes“, sagt Nuschele. Gleichzeitig sieht er gerade in dieser Lebensphase noch Handlungsspielräume. Wer sich rechtzeitig mit seiner Ruhestandsplanung befasse, könne bestehende Versorgungslücken häufig noch reduzieren oder schließen.

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