Altersvorsorge-Depot könnte Riester-Markt massiv verändern
Das geplante Altersvorsorge-Depot könnte den Markt der privaten Altersvorsorge grundlegend umkrempeln. Einer aktuellen Untersuchung zufolge planen Millionen Riester-Sparer einen Wechsel in das neue Fördersystem. Besonders Lebensversicherer könnten erhebliche Kapitalabflüsse treffen.
Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge gewinnt weiter an Dynamik. Nach einer aktuellen Marktuntersuchung von Sirius Campus und Aeiforia könnten ab 2027 erhebliche Teile des bislang in Riester-Verträgen gebundenen Kapitals in das neue Altersvorsorge-Depot wechseln. Die Studie sieht insbesondere bei klassischen Riester-Rentenversicherungen erhebliches Abwanderungspotenzial.
Demnach haben bereits rund drei Fünftel der Förderberechtigten vom neuen Altersvorsorge-Depot gehört. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung eine hohe Unzufriedenheit vieler Riester-Kunden. Besonders kritisch fällt die Bewertung klassischer Riester-Rentenversicherungen aus. Laut Studie sind derzeit 44 Prozent der Riester-Sparer mit ihrem Vertrag unzufrieden. Gleichzeitig zeigt sich eine große Unsicherheit über die Zukunft bestehender Verträge. 57 Prozent der Kunden haben sich laut Untersuchung noch nicht entschieden, wie sie mit ihrem Riester-Vertrag künftig umgehen wollen. Viele möchten zunächst eine Beratung abwarten.
Milliardenabflüsse aus Riester-Verträgen möglich
Ein Teil der Kunden scheint seine Entscheidung allerdings bereits getroffen zu haben. Rund 26 Prozent der Riester-Sparer geben an, sicher in das neue Altersvorsorge-Depot wechseln zu wollen. Besonders betroffen wären klassische Riester-Rentenversicherungen. Betrachtet man laut Studie nur die bereits entschlossenen Kunden als Prognosebasis, könnten 38 Prozent der Besitzer einer Riester-Rentenversicherung ihren Vertrag kündigen und das angesparte Kapital in ein Altersvorsorge-Depot übertragen. Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: Von den insgesamt 14,7 Millionen Riester-Verträgen entfallen 9,7 Millionen auf Riester-Rentenversicherungen. Diese haben bislang einen Kapitalstock von rund 128 Milliarden Euro aufgebaut. Nach Berechnungen der Studienautoren könnten davon allein rund 49 Milliarden Euro in das neue Fördersystem abwandern.
Hinzu kommen weitere Kapitalabflüsse aus Fondssparplänen, Wohn-Riester-Verträgen und Banksparplänen. Insgesamt rechnen Sirius Campus und Aeiforia damit, dass rund 64,8 Milliarden Euro angespartes Riester-Vermögen in das neue Altersvorsorge-Depot überführt werden könnten.
Lebensversicherer geraten unter Druck
Besonders kritisch könnte die Entwicklung für Lebensversicherer werden. Die Studie geht davon aus, dass die laufenden Beitragseinnahmen bei Riester-Rentenversicherungen um mehr als die Hälfte zurückgehen könnten. „Lebensversicherer müssen aktiv werden, um Abflüsse aus den Riesterbeständen zu minimieren. Zum Beispiel durch eine qualitativ hochwertige Beratung und Kundeninformation, damit Fehlentscheidungen und unter Umständen auch Haftungsansprüche vermieden werden“, erklärt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer der Aeiforia GmbH. Der Umstieg vom bisherigen Riester-System auf das neue Altersvorsorge-Depot könnte dabei erhebliche Beratungs- und Haftungsfragen aufwerfen. Unterschiede zwischen altem und neuem Recht, Garantien, Kostenstrukturen und Renditechancen müssten individuell bewertet und dokumentiert werden. Gerade Vermittler dürften dadurch vor komplexen Beratungsprozessen stehen.
Jüngere Zielgruppen treiben Nachfrage
Gleichzeitig sieht die Untersuchung erhebliches Neugeschäftspotenzial für das Altersvorsorge-Depot. Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten verfügen derzeit etwa 29 Millionen noch über keinen Riester-Vertrag. Aus dieser Zielgruppe können sich laut Studie bereits jetzt rund 17 Prozent vorstellen, einen neuen Vertrag im Rahmen des Altersvorsorge-Depots abzuschließen. Das entspräche etwa fünf Millionen potenziellen Neukunden. Besonders attraktiv scheint für viele Verbraucher die stärkere Kapitalmarktorientierung des neuen Modells zu sein. „Das Altersvorsorgereformgesetz soll die private Altersvorsorge attraktiver machen. Zumindest in bestimmten Zielgruppen ist das auch gelungen, vor allem durch die neue Option kapitalmarktnaher Geldanlagen“, erklärt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer der Sirius Campus GmbH.
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