Riester oder Altersvorsorge-Depot? Förderrechner zeigt erstmals Leistungsunterschiede
Mit der verabschiedeten Reform der privaten Altersvorsorge verschiebt sich die Debatte zunehmend von der reinen Förderquote hin zur tatsächlichen Leistung im Alter. Ein aktualisierter Fördervergleichsrechner des IVFP soll nun erstmals zeigen, wie unterschiedlich Riester-Rente und Altersvorsorge-Depot langfristig abschneiden können.
Nach der Zustimmung des Bundesrates zum Altersvorsorgereformgesetz am 8. Mai 2026 beginnt für Vermittler und Vorsorgesparer die praktische Umsetzungsphase der neuen Förderwelt. Während die politische Debatte zuletzt vor allem um Staatsfonds, Garantien und Kosten kreiste, rückt nun eine andere Frage in den Mittelpunkt: Welche Lösung bietet langfristig tatsächlich die bessere Altersvorsorge?
Genau an diesem Punkt setzt der aktualisierte FördervergleichsRECHNER des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) an.
Reform verändert die Beratungslogik
Mit dem neuen Tool lassen sich erstmals nicht nur Förderquoten vergleichen, sondern auch mögliche spätere Leistungen von klassischer Riester-Rente und dem neuen Altersvorsorge-Depot gegenüberstellen.
Damit verändert sich auch die Beratungslogik. Bisher stand bei Riester-Produkten häufig die Frage im Vordergrund, wie hoch die staatliche Förderung ausfällt. Künftig dürfte stärker diskutiert werden, wie sich unterschiedliche Garantieformen, Renditechancen und Auszahlungsmodelle langfristig auf die tatsächliche Versorgung im Ruhestand auswirken.
Der Rechner berücksichtigt dabei unterschiedliche Einkommen, Familiensituationen und Förderkonstellationen. Zudem werden verschiedene Auszahlungsvarianten dargestellt – vom Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr bis hin zur lebenslangen Rente.
Neue Förderwelt setzt stärker auf Kapitalmarkt
Die neue Förderwelt ab 2027 unterscheidet sich deutlich vom bisherigen Riester-System. Das Altersvorsorge-Depot setzt stärker auf Kapitalmarktpartizipation, reduzierte Garantien und flexiblere Produktstrukturen.
Geplant sind unter anderem eine Zulage von 50 Prozent auf Eigenbeiträge bis 360 Euro jährlich sowie zusätzlich 25 Prozent Förderung auf Beiträge bis 1.800 Euro. Die maximale Förderung soll bei 540 Euro pro Jahr liegen. Gleichzeitig wird die volle Kinderzulage bereits ab einem Eigenbeitrag von 300 Euro jährlich gewährt.
Darüber hinaus erweitert die Reform den Kreis der Förderberechtigten deutlich. Künftig sollen auch Selbständige sowie Pflichtversicherte in Versorgungswerken Zugang zur Förderung erhalten.
Förderung allein entscheidet nicht mehr
Nach Einschätzung des IVFP zeigen die Praxisbeispiele des Rechners bereits jetzt deutlich, dass hohe Förderung nicht automatisch die attraktivste Gesamtlösung bedeutet.
Entscheidend werde künftig stärker das Zusammenspiel aus Kosten, Rendite, Garantien, Förderung und späterer Auszahlungsphase sein.
Während die klassische Riester-Rente weiterhin stark auf Garantien und planbare Leistungen setzt, eröffnet das neue Altersvorsorge-Depot höhere Renditechancen durch eine stärkere Kapitalmarktorientierung. Gleichzeitig steigen damit aber auch die Unterschiede zwischen einzelnen Produkt- und Zielgruppenmodellen.
Beratungsbedarf dürfte deutlich steigen
Für Vermittler könnte die Reform damit anspruchsvoller werden als frühere Förderänderungen. Kunden müssen künftig nicht nur verstehen, wie Förderung funktioniert, sondern auch, welche langfristigen Auswirkungen unterschiedliche Kapitalmarktmodelle und Garantieformen haben.
Besonders relevant dürfte dies für Familien, Geringverdiener, Selbständige und jüngere Sparer werden. Je nach Lebenssituation können sowohl klassische Riester-Lösungen als auch das neue Depotmodell Vorteile bieten.
Damit verschiebt sich die Debatte über private Altersvorsorge zunehmend weg von pauschalen Förderquoten hin zur Frage, welche Lösung unter realen Bedingungen langfristig die bessere Versorgung ermöglicht.
Übergangsphase bis 2027 gewinnt an Bedeutung
Mit der Reform entsteht zugleich eine neue Übergangsphase bis zum Start des Altersvorsorge-Depots am 1. Januar 2027.
Mehrere Anbieter hatten zuletzt bereits darauf hingewiesen, dass bestehende Riester-Produkte in bestimmten Konstellationen weiterhin attraktiv sein könnten – etwa wegen hoher Kinderzulagen, bestehender Garantien oder späterer Wechseloptionen.
Der aktualisierte FördervergleichsRECHNER dürfte deshalb zunehmend als Beratungs- und Argumentationshilfe im Vertrieb genutzt werden.
Webinar zum FördervergleichsRECHNER
Das IVFP bietet am Mittwoch, 10. Juni 2026, von 11:30 Uhr bis 12:00 Uhr ein kostenfreies Webinar zum aktualisierten FördervergleichsRECHNER an. Dort sollen anhand konkreter Praxisfälle unterschiedliche Förder- und Leistungsszenarien zwischen Riester-Rente und Altersvorsorge-Depot vorgestellt werden.
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