Altersvorsorge: Warum viele Frauen nicht sparen – obwohl sie wollen
Finanzielle Spielräume fehlen, die Sorgen steigen: Eine neue Auswertung zeigt, wie stark Frauen bei der Altersvorsorge unter Druck geraten.
Die Lücke in der Altersvorsorge verläuft zunehmend entlang finanzieller Spielräume – und trifft Frauen besonders stark. Zwar ist der Wunsch, für das Alter vorzusorgen, weit verbreitet. Doch viele können ihn nicht umsetzen. Das zeigt eine neue Auswertung aus dem AXA Vorsorge Report.
Vorsorge scheitert am Alltag
Mehr als jede dritte Frau (38 Prozent) spart aktuell gar nicht für das Alter. Gleichzeitig gibt mehr als jede zweite (54 Prozent) an, eigentlich mehr vorsorgen zu wollen – es sich aber nicht leisten zu können. Zum Vergleich: Bei Männern liegt dieser Wert mit 46 Prozent deutlich niedriger. Damit verschiebt sich das Problem der Altersvorsorge: Nicht fehlendes Bewusstsein, sondern fehlender finanzieller Spielraum wird zur zentralen Hürde.
Sorgen um den Lebensstandard wachsen
Die Konsequenzen sind spürbar. 34 Prozent der Frauen befürchten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Auch die Angst vor Altersarmut ist mit 31 Prozent deutlich stärker verbreitet als bei Männern (23 Prozent). Hinzu kommt: 42 Prozent der Frauen erwarten, dass sich ihre Lebensqualität im Ruhestand verschlechtern wird.
Planungslücke verstärkt das Problem
Auch bei der konkreten Vorbereitung zeigen sich Unterschiede. Während 38 Prozent der Männer ihren finanziellen Bedarf im Alter bereits berechnet haben, sind es bei den Frauen nur 28 Prozent. Diese Lücke verstärkt die strukturellen Probleme zusätzlich: Wer weniger plant, reagiert später – und hat weniger Handlungsspielraum.
Verzicht im Hier und Jetzt
Die finanzielle Situation wirkt sich direkt auf den Alltag aus. 22 Prozent der Frauen geben an, bereits heute auf so vieles verzichten zu müssen, dass weiteres Sparen nicht möglich ist. Bei Männern liegt dieser Wert mit 16 Prozent deutlich niedriger.
Unterschiedliche Strategien bei der Vorsorge
Auch die Wege zur Absicherung unterscheiden sich. Männer setzen häufiger auf zusätzliche Einkommensquellen wie Kapitalanlagen oder Immobilien (30 Prozent gegenüber 21 Prozent bei Frauen). Frauen hingegen sehen die Verantwortung stärker verteilt: Jede dritte (33 Prozent) setzt auf ein Zusammenspiel von Staat, Unternehmen und individueller Vorsorge.
Arbeiten im Alter wird wahrscheinlicher
Die Folgen zeigen sich auch beim Blick auf den Ruhestand. 39 Prozent der Frauen gehen davon aus, länger arbeiten zu müssen, als sie eigentlich möchten. Damit wird die Altersvorsorge für viele nicht mehr zur Frage der Planung – sondern zur Frage der Notwendigkeit.
Strukturelles Problem statt individuelles Versagen
„Während viele Männer ihre Altersvorsorge aktiv und eigenverantwortlich gestalten, stoßen Frauen deutlich häufiger an finanzielle Grenzen“, sagt Leonie Kulik, Leiterin des Strategieprogramms Lebensversicherung bei Axa in Deutschland.
Die Ursachen liegen laut Auswertung vor allem in niedrigeren Einkommen und geringeren finanziellen Spielräumen im Alltag.
Über die Studie:
Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von AXA 2.044 Personen in Deutschland online befragt. Die Ergebnisse der Befragung zwischen dem 18. und 20. März 2026 sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
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