Aktienboom erreicht Frauen langsamer als Männer

Veröffentlichung: 26.05.2026, 06:05 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Immer mehr Menschen investieren in Aktien – doch Frauen bleiben am Kapitalmarkt weiterhin deutlich zurückhaltender als Männer. Eine neue Studie zeigt, wie stark Sicherheitsdenken und Altersvorsorge-Sorgen das Anlageverhalten prägen.

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Anton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementAnton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementBarmeniaGothaer

Die Beteiligung privater Anleger am Kapitalmarkt steigt in Deutschland weiter an. Doch der Aktienboom verteilt sich weiterhin ungleich zwischen den Geschlechtern. Das zeigt eine aktuelle Studie der BarmeniaGothaer Asset Management. Demnach investieren inzwischen 43 Prozent der Männer in Aktien. Bei Frauen liegt der Anteil dagegen lediglich bei 27 Prozent. Zwar ist auch unter Frauen die Aktienquote im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, doch Männer haben ihre Kapitalmarktaktivitäten deutlich stärker ausgeweitet. 2025 investierten noch 35 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen in Aktien.

Sicherheitsorientierung beeinflusst Anlageentscheidungen

Statt renditeorientierter Kapitalmarktanlagen bevorzugen viele Frauen weiterhin klassische Sparformen. 44 Prozent setzen auf Sparkonten oder Sparbücher, während dies nur auf 36 Prozent der Männer zutrifft. Auch bei den Renditeerwartungen zeigen sich Unterschiede. Für jeden fünften Mann steht eine möglichst hohe Rendite im Mittelpunkt der Geldanlage. Unter Frauen gilt das lediglich für sieben Prozent der Befragten. Umgekehrt priorisieren Frauen deutlich häufiger Sicherheit. Mehr als die Hälfte der Frauen nennt Sicherheit als wichtigstes Anlageziel. Besonders deutlich wird dies bei Garantieprodukten: 84 Prozent der Frauen würden für garantierte Auszahlungen bewusst geringere Renditen akzeptieren. „Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen Geldanlage häufig stärker mit Stabilität und langfristiger Absicherung verbinden“, erklärt Anton Buchhart, Vorstand der BarmeniaGothaer Asset Management.

Finanzielle Sorgen wirken langfristig

Die stärkere Sicherheitsorientierung hängt nach Einschätzung der Studienautoren auch mit langfristigen finanziellen Risiken zusammen. Frauen blicken deutlich pessimistischer auf ihre Altersvorsorge als Männer. 59 Prozent der Frauen befürchten, ihren Lebensstandard im Ruhestand nicht halten zu können. Bei Männern liegt dieser Wert bei 45 Prozent. Hinzu kommen strukturelle Unterschiede am Arbeitsmarkt. Frauen erzielen im Durchschnitt geringere Einkommen, arbeiten häufiger in Teilzeit und übernehmen häufiger unbezahlte Care-Arbeit. Diese Faktoren wirken sich langfristig auf Vermögensaufbau und Alterseinkünfte aus.

Kapitalmarkt bleibt Beratungsthema

Die Studie macht zugleich deutlich, dass Finanzentscheidungen zunehmend individualisiert werden müssen. Standardisierte Lösungen würden unterschiedlichen Lebenssituationen oft nicht gerecht. „Finanzielle Resilienz entsteht, wenn Menschen ihre Möglichkeiten kennen und Entscheidungen treffen können, die zu ihrem Leben passen“, sagt Buchhart.
Gerade mit Blick auf die laufende Debatte über private Altersvorsorge und kapitalgedeckte Zusatzvorsorge dürfte die Frage an Bedeutung gewinnen, wie mehr Menschen – und insbesondere mehr Frauen – langfristig an Kapitalmarktentwicklungen beteiligt werden können.

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