Tech-Giganten dominieren die Börsen: Warum die Konzentration an den Aktienmärkten zum Risiko werden könnte
Die großen US-Technologiekonzerne treiben seit Jahren die Aktienmärkte an. Doch die Dominanz weniger Unternehmen erreicht inzwischen historische Dimensionen. Experten warnen vor den Risiken einer zunehmenden Marktkonzentration – und sehen Diversifikation wieder stärker im Fokus.
Wer in den vergangenen Jahren in breit gestreute Aktienfonds oder ETFs investiert hat, profitierte meist auch von der starken Entwicklung der großen US-Technologieunternehmen. Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla – die sogenannten „Magnificent Seven“ – haben maßgeblich dazu beigetragen, dass viele Aktienindizes neue Höchststände erreichten.
Doch genau diese Entwicklung könnte zunehmend zur Herausforderung werden. Darauf weist Paul Moghtader, Portfolio Manager und Leiter des Equity Advantage-Teams bei Lazard Asset Management, hin. Nach seiner Einschätzung unterschätzen viele Anleger die Risiken, die aus der starken Konzentration der Kapitalmärkte auf wenige Unternehmen entstehen.
Wenige Unternehmen prägen ganze Märkte
Die Bedeutung der großen Technologiekonzerne hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nach Angaben von Lazard repräsentieren die „Magnificent Seven“ inzwischen rund ein Viertel der weltweiten Aktienmärkte und etwa ein Drittel des US-Leitindex S&P 500. „Die Magnificent Seven repräsentieren inzwischen rund ein Viertel der weltweiten Aktienmärkte und etwa ein Drittel des S&P 500. Die Entwicklung dieser wenigen Unternehmen prägt damit die Renditeerwartungen vieler Anleger stärker denn je“, erklärt Moghtader. Damit hängt die Entwicklung vieler Anlageprodukte zunehmend von wenigen Unternehmen ab. Besonders bei passiven Anlagekonzepten wie ETFs auf große Indizes steigt die Gewichtung dieser Titel automatisch mit ihrer Marktkapitalisierung.
Historisch ungewöhnliche Unterschiede
Nach Einschätzung von Lazard haben sich die Unterschiede zwischen einzelnen Marktsegmenten zuletzt erheblich ausgeweitet. Der Abstand zwischen wachstumsstarken Technologieunternehmen und defensiveren Branchen wie Basiskonsumgütern beläuft sich laut MSCI-Daten auf rund 149 Prozent. Bemerkenswert ist dabei vor allem die historische Einordnung. Die Differenz falle heute deutlich größer aus als in den Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre. „Viele Investoren fragen sich, ob wir erneut eine Übertreibung im Technologiesektor erleben. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, den richtigen Zeitpunkt für eine mögliche Trendwende zu erkennen“, sagt Moghtader. „An den Kapitalmärkten gibt es oft keinen Unterschied zwischen zu früh und falsch.“
Marktrotationen werden schwieriger vorhersehbar
Hinzu kommt aus Sicht des Experten eine zunehmende Dynamik an den Kapitalmärkten. Seit der Corona-Pandemie hätten Stilwechsel zwischen verschiedenen Marktsegmenten deutlich zugenommen. Als Beispiele nennt Lazard die starke Entwicklung von Quality- gegenüber Value-Aktien sowie die deutliche Outperformance US-amerikanischer gegenüber europäischen Aktien. Auch innerhalb des Technologiesektors hätten sich zuletzt ungewöhnlich große Unterschiede gezeigt. Zwischen Software- und Halbleiterunternehmen habe sich innerhalb eines Jahres ein Renditeabstand von rund 72 Prozent aufgebaut. „Die Ausschläge zwischen verschiedenen Marktsegmenten fallen heute deutlich stärker aus als in früheren Marktzyklen“, erklärt Moghtader. „Das erhöht das Risiko, selbst mit einer grundsätzlich richtigen Einschätzung über längere Zeit auf der falschen Seite einer Marktbewegung zu stehen.“
Bedeutung für die Altersvorsorge
Die Entwicklung betrifft längst nicht nur professionelle Investoren. Auch für Privatanleger gewinnt das Thema an Bedeutung. Mit dem anhaltenden ETF-Boom und den politischen Diskussionen über ein staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot rücken Aktienanlagen zunehmend in den Mittelpunkt der privaten Altersvorsorge. Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie stark Anleger von einzelnen Marktsegmenten abhängig sein sollten. Während viele Indizes formal breit gestreut erscheinen, konzentriert sich ein erheblicher Teil der Wertentwicklung inzwischen auf wenige Titel.
Diversifikation erlebt eine Renaissance
Lazard sieht deshalb eine stärkere Diversifikation als möglichen Ansatz, um Konzentrationsrisiken zu begrenzen. Gemeint ist dabei nicht nur die Verteilung über verschiedene Unternehmen, sondern auch über unterschiedliche Anlagestile, Regionen und Branchen. „Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass diese Entwicklung nachlässt“, sagt Moghtader. „Umso wichtiger wird es, Portfolios breiter über unterschiedliche Investmentstile aufzustellen und die Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten zu reduzieren.“
Themen:
LESEN SIE AUCH
Publikumsfonds starten mit Rekordzuflüssen ins Jahr 2026
Sicherheit schlägt Rendite: Drei Viertel der Anleger setzen auf Garantien
Altersvorsorge-Depot: Deutsche wollen Sicherheit statt Rendite
Altersvorsorge-Depot könnte Riester-Markt massiv verändern
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Plattform statt Filiale: Wie sich der Zugang zur Geldanlage verändert
Geldanlage wird zur Generationenfrage: Junge investieren digital, Ältere bleiben klassisch
Neue EU-Vorgaben: Fonds müssen künftig Liquiditätsinstrumente vorhalten
Ethenea: Sinkende Inflation könnte Anleihen wieder attraktiver machen
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.















