Altersvorsorge-Depot: Deutsche wollen Sicherheit statt Rendite
Die Politik setzt bei der Reform der privaten Altersvorsorge auf mehr Kapitalmarkt und höhere Renditechancen. Die Verbraucher sehen das offenbar differenzierter. Eine neue Studie von Sirius Campus und Aeiforia zeigt: Die Mehrheit der potenziellen Kunden wünscht sich weiterhin Garantien. Reine Aktienlösungen ohne Absicherung stoßen dagegen nur auf begrenztes Interesse.
Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge soll den Kapitalmarkt stärker in die Altersvorsorge einbinden. Aktien, Fonds und ETFs sollen künftig eine größere Rolle spielen und langfristig höhere Renditen ermöglichen als klassische Vorsorgeprodukte. Doch die Erwartungen vieler Verbraucher unterscheiden sich offenbar deutlich von den Vorstellungen vieler Reformbefürworter. Eine aktuelle Untersuchung von Sirius Campus und Aeiforia zeigt, dass Sicherheit für die meisten potenziellen Nutzer des Altersvorsorge-Depots weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt.
Mehrheit bevorzugt Garantien
Besonders deutlich wird dies bei der Frage nach dem gewünschten Garantieniveau. 44 Prozent der Befragten bevorzugen ein Modell mit einer Garantie von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge. Weitere 32 Prozent wünschen sich sogar eine vollständige Garantie des eingezahlten Kapitals. Lediglich neun Prozent würden sich für eine Variante ohne Garantie entscheiden, bei der das gesamte Kapital den Chancen und Risiken des Kapitalmarktes ausgesetzt wäre. Damit zeigt die Studie einen bemerkenswerten Gegensatz: Während die Reform auf mehr Kapitalmarkt setzt, bleibt das Bedürfnis nach Sicherheit bei vielen Sparern unverändert hoch.
Die Riester-Erfahrung wirkt nach
Für die Studienautoren kommt dieses Ergebnis nicht überraschend. Viele Verbraucher verbinden Altersvorsorge nach wie vor mit langfristiger Sicherheit und verlässlicher Planbarkeit. Gleichzeitig haben die Erfahrungen mit der Riester-Rente gezeigt, dass komplexe Fördermodelle und unübersichtliche Produktlandschaften das Vertrauen nicht automatisch stärken. Das geplante Altersvorsorge-Depot soll deshalb zwar höhere Renditechancen ermöglichen, muss aus Sicht vieler Kunden aber weiterhin einen spürbaren Schutz vor Kapitalverlusten bieten.
Vermittler könnten eine Schlüsselrolle spielen
Die Ergebnisse könnten auch Auswirkungen auf den künftigen Wettbewerb haben. Anbieter, die ausschließlich auf kapitalmarktorientierte Lösungen ohne Sicherungsmechanismen setzen, treffen möglicherweise nicht die Erwartungen großer Teile der Zielgruppe. Gleichzeitig eröffnet die Vielfalt möglicher Garantie- und Produktmodelle zusätzlichen Beratungsbedarf.
Bereits vor wenigen Tagen hatte der Volkswohl Bund davor gewarnt, die neue Altersvorsorge auf vermeintlich einfache Online-Abschlüsse zu reduzieren. Kunden stünden künftig vor deutlich komplexeren Entscheidungen als heute. Die aktuelle Studie stützt diese Einschätzung: Viele Verbraucher wünschen sich Orientierung bei der Auswahl passender Produkte und Förderwege.
Zwischen Rendite und Sicherheit
Die Ergebnisse verdeutlichen ein Grunddilemma der Altersvorsorge. Einerseits wünschen sich viele Verbraucher höhere Renditen, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Andererseits bleibt die Bereitschaft begrenzt, dafür vollständig auf Garantien zu verzichten. Für Politik und Anbieter dürfte genau diese Balance zu einer der zentralen Herausforderungen der Reform werden. Denn der Erfolg des Altersvorsorge-Depots wird nicht allein davon abhängen, welche Renditen theoretisch möglich sind. Entscheidend dürfte sein, ob es gelingt, Renditechancen und Sicherheitsbedürfnis miteinander zu verbinden.
Mehr als eine Produktfrage
Die Studie zeigt damit auch eine grundsätzliche Erkenntnis über die deutsche Vorsorgekultur. Trotz ETF-Boom, wachsender Kapitalmarktbeteiligung und einer zunehmend aktienaffinen jüngeren Generation bleibt Sicherheit für viele Menschen ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge. Das Altersvorsorge-Depot könnte deshalb nicht nur zu einem Test für neue Produkte werden, sondern auch für die Frage, wie viel Kapitalmarktrisiko Verbraucher tatsächlich akzeptieren.
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