Cyber-Versicherung für Firmen: Markt reift, Schwächen bleiben
Die gewerbliche Cyber-Versicherung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Im aktuellen Cyber-Rating 2026 von Franke und Bornberg erreicht erstmals ein Tarif die Höchstnote FFF+ (hervorragend). Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch: Viele Unternehmen bleiben weiterhin unzureichend abgesichert – und zahlreiche Tarife weisen nach wie vor kritische Schwächen auf.
Cyber-Angriffe gehören für viele Unternehmen inzwischen zum betrieblichen Alltag. Laut Bitkom entstehen der deutschen Wirtschaft durch Diebstahl, Spionage und Sabotage jährlich Schäden von mehr als 250 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon gehen auf Cyber-Angriffe zurück. Gleichzeitig stuft das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Lage im Cyberraum weiterhin als „angespannt“ ein.
Vor diesem Hintergrund hat Franke und Bornberg sein aktualisiertes Rating zur gewerblichen Cyber-Versicherung veröffentlicht. Analysiert wurden 201 Tarife von 27 Versicherern. Damit hat sich der Markt seit dem ersten Rating im Jahr 2018 massiv verbreitert. Damals flossen lediglich 34 Tarife von 28 Gesellschaften in die Untersuchung ein.
Besonders auffällig: Erstmals erreichen Tarife die Höchstnote FFF+ (hervorragend). Im Erstrating 2018 hatte kein einziges Produkt diese Bewertung erzielt. Die Spitzenposition sichern sich Angebote aus dem Provinzial-Konzern.
Für Franke und Bornberg ist das ein Zeichen für die deutliche Professionalisierung des Marktes. „Dass heute erstmals ein Tarif die Höchstnote FFF+ erreicht, ist kein Zufall – es ist das Ergebnis eines langen Wettbewerbs um Qualität, den das Rating ausgelöst hat“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. Cyber entwickelt sich damit zunehmend von einer Spezialdeckung zu einer zentralen Gewerbeversicherung für mittelständische Unternehmen. Auch die Beitragseinnahmen steigen weiter. Nach Angaben der BaFin lagen die Beitragseinnahmen aus selbstabgeschlossenem Geschäft 2024 bei rund 807 Millionen Euro – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig zeigt das Rating aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Tarifen. Zwar hat sich die Qualität vieler Produkte verbessert, doch knapp 35 Prozent der untersuchten Angebote erreichen maximal die Bewertung FF (befriedigend). Besonders bei schwächeren Tarifen sehen die Analysten weiterhin erhebliche Risiken für Versicherungsnehmer und Vermittler.
Probleme bestehen unter anderem bei der Absicherung von Betriebsunterbrechungen, insbesondere im Zusammenhang mit Cloud-Ausfällen. Auch bei immateriellen Drittschäden, technischen Störungen oder Obliegenheiten sehen die Analysten teilweise erhebliche Schwächen. Kritisch sind zudem unklare Regelungen bei Gefahrerhöhungen oder Einschränkungen bei der Wiederherstellung von IT-Systemen.
Christian Monke, Leiter Ratings Gewerbliche Risiken bei Franke und Bornberg, betont deshalb die wachsende Bedeutung einer fundierten Beratung: „Cyber ist heute keine Nische mehr – es ist eine der wichtigsten Gewerbeversicherungen überhaupt.“ Das Rating zeigt zugleich, wie stark sich der Markt seit 2018 verändert hat. Damals kritisierte Franke und Bornberg unter anderem unklare Cloud-Regelungen, uneinheitliche Begrifflichkeiten und Deckungslücken bei Drittschäden. Heute seien viele Formulierungen präziser, Rückwärtsdeckungen häufiger geregelt und Betriebsunterbrechungen deutlich besser abgesichert.
Trotzdem bleibt die Herausforderung groß. Viele mittelständische Unternehmen unterschätzen laut GDV und Forsa weiterhin ihre tatsächlichen Cyber-Risiken und überschätzen zugleich die Qualität ihrer eigenen Schutzmaßnahmen.
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