Zwischen Pflichttermin und Kündigungsgrund: Mitarbeitergespräche im Leerlauf
Feedbackgespräche gelten als Schlüssel zur Personalentwicklung. Doch eine aktuelle Studie der KÖNIGSTEINER Gruppe zeigt: In vielen Unternehmen bleibt das Mitarbeitergespräch ein gut gemeintes, aber schlecht gemachtes Ritual – mit ernsten Konsequenzen.
Mitarbeitergespräche gelten als zentrales Führungsinstrument – doch in der Praxis bleiben sie oft wirkungslos. Das geht aus der aktuellen Studie „Entwicklungsgespräche und Leistungsbeurteilung in deutschen Unternehmen“ der KÖNIGSTEINER Gruppe hervor. In der Befragung von 1.073 Beschäftigten offenbart sich ein deutliches Umsetzungsdefizit in der Feedbackkultur deutscher Unternehmen.
Zwar führen über 70 Prozent der Befragten mindestens einmal jährlich ein Mitarbeitergespräch, doch nur 26 Prozent bestätigen, dass alle vereinbarten Maßnahmen auch umgesetzt wurden. Fast ein Viertel (24 Prozent) bemängelt die fehlende Realisierung der Gesprächsergebnisse, 12 Prozent können sich nicht einmal mehr an konkrete Vereinbarungen erinnern. Das legt den Verdacht nahe, dass Mitarbeitergespräche oft eher formalen als inhaltlichen Charakter haben.
Besonders kritisch: Die Studie zeigt auch erhebliche Mängel in der Gesprächsqualität. 23 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihre Führungskraft zu wenig Zeit genommen habe, 20 Prozent sprechen von unzureichender Vorbereitung. Nur rund ein Drittel erhält im Anschluss einen Entwicklungsplan oder ein offizielles Folgegespräch – obwohl genau dies entscheidend für kontinuierliche Personalentwicklung wäre.
Laut Nils Wagener, Geschäftsführer der KÖNIGSTEINER Gruppe, liegt darin ein strategisches Versäumnis vieler Unternehmen:
„Ein Mitarbeitergespräch ist kein Pflichttermin, sondern ein Moment der Wertschätzung. Wird es lieblos geführt, verliert es nicht nur an Wirkung – es gefährdet auch die Mitarbeiterbindung.“
Tatsächlich sehen 13 Prozent der Beschäftigten den Gesprächsverlauf als so negativ, dass sie sich aktiv nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Umgekehrt berichten 25 Prozent von gesteigerter Zufriedenheit durch professionell geführte Gespräche. Klare Perspektiven, Wertschätzung und echtes Interesse am Feedback der Mitarbeitenden sind hier entscheidende Hebel.
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