Altersvorsorgedepot: Prognose fällt von 4,5 auf 2,9 Millionen Abschlüsse
Das Altersvorsorgedepot wird bekannter, doch die Erwartungen an die erste Abschlusswelle gehen zurück. Sirius Campus und Aeiforia senken ihre Prognose von 4,5 auf 2,9 Millionen Verträge. Gleichzeitig zeigt die zweite Befragungswelle eine gegenläufige Entwicklung, die für Vermittler entscheidend werden könnte.
Die Erwartungen an den Marktstart des Altersvorsorgedepots werden konkreter – und zugleich vorsichtiger. Sirius Campus und Aeiforia rechnen inzwischen mit rund 2,9 Millionen Abschlüssen in der ersten Abschlusswelle Anfang 2027. Noch auf Basis ihrer ersten Befragung im April hatten die Studienautoren ein Potenzial von bis zu 4,5 Millionen Verträgen ermittelt.
Dabei ist das Altersvorsorgedepot inzwischen wesentlich bekannter. Im September gaben 73 Prozent der Förderberechtigten an, das neue Vorsorgemodell zu kennen. Im April waren es erst 58 Prozent. Die Bekanntheit ist damit innerhalb weniger Monate um 15 Prozentpunkte gestiegen.
Bekanntheit steigt, Abschlussbereitschaft sinkt
Die größere Bekanntheit schlägt sich allerdings nicht unmittelbar in einer höheren Abschlussbereitschaft nieder. Unter denjenigen, die das Altersvorsorgedepot bereits kennen, wollen aktuell 29 Prozent einen Vertrag abschließen. Im April waren es noch 34 Prozent.
Damit zeichnet die zweite Befragungswelle ein differenzierteres Bild als noch im Frühjahr: Mehr Menschen wissen inzwischen, was auf sie zukommt. Gleichzeitig fällt der Anteil der grundsätzlich Abschlussbereiten innerhalb dieser Gruppe geringer aus. Für die aktuelle Untersuchung wurden Anfang September 1.081 Förderberechtigte online befragt. Die erste Erhebungswelle hatte im April stattgefunden.
So entstehen die 2,9 Millionen Verträge
Die neue Absatzprognose ist keine einfache Hochrechnung der erklärten Abschlussbereitschaft. Sirius Campus arbeitet mit einer Szenariorechnung. Ausgehend von rund 44 Millionen Förderberechtigten ergibt die gemessene Abschlussbereitschaft zunächst ein Potenzial von etwa 3,9 Millionen Altersvorsorgedepots. Für die konservative Prognose berücksichtigt das Institut anschließend einen sogenannten „Intentions-Umsetzungs-Gap“ von 30 Prozent – also den Umstand, dass nicht jede geäußerte Abschlussabsicht tatsächlich in einem Vertrag mündet.
Übrig bleiben rund 2,9 Millionen erwartete Abschlüsse. Bei einem angenommenen durchschnittlichen Sparvolumen von etwa 142 Euro monatlich und unter Berücksichtigung der Förderung errechnen Sirius Campus und Aeiforia daraus ein jährliches Beitragsvolumen von rund sechs Milliarden Euro.
Damit liegt auch das erwartete Volumen niedriger als in der ersten Untersuchungswelle. Im Frühjahr waren die Studienautoren noch von rund sieben Milliarden Euro ausgegangen.
Beratungsabsicht steigt von 55 auf 75 Prozent
Während die Abschlussprognose sinkt, entwickelt sich eine andere Kennzahl deutlich nach oben. Von den Abschlussbereiten wollen sich inzwischen 75 Prozent innerhalb der kommenden sechs Monate beraten lassen. Im April waren es lediglich 55 Prozent. Damit steigt die Beratungsabsicht um 20 Prozentpunkte. „Viele Kunden sind noch unentschlossen und haben nur erste Überlegungen, wie viel Beitragsgarantie sie haben wollen und welche Anbieter für sie infrage kommen“, erklärt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus. Entscheidend für die Verteilung der Neuverträge würden deshalb insbesondere die aktive Kundenansprache und eine hohe Beratungsqualität sein.
Bislang ist allerdings erst ein Teil des Marktes aktiv geworden. Rund 28 Prozent der Förderberechtigten wurden nach Angaben der Untersuchung bereits von Bank- und Bausparkassenberatern, Versicherungsvermittlern oder über News-Feeds im Online-Banking auf das Altersvorsorgedepot angesprochen.
Aeiforia warnt vor unterschätzter Nachfragewelle
Für Anbieter entsteht damit ein doppelter Zeitdruck. Einerseits müssen die Produkte für den Marktstart vorbereitet werden, andererseits benötigen Vermittler und Berater rechtzeitig Informationen und Schulungen. „Es gibt immer noch Finanzanbieter, die die Nachfragewelle sogar in ihrem eigenen Bestand unterschätzen“, warnt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia. Neben einem marktreifen Produkt brauche es deshalb geschulte Vermittler und Berater.
Die zweite Befragungswelle verändert damit das Bild vom erwarteten Marktstart: Das rechnerische Absatzpotenzial fällt niedriger aus als noch im Frühjahr, während das Interesse an Beratung deutlich zunimmt. Für Versicherer, Banken und Vermittler dürfte deshalb nicht allein entscheidend werden, wie schnell sie ein Altersvorsorgedepot anbieten können – sondern ob sie die wachsende Zahl informierter, aber noch unentschlossener Kunden erreichen.
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