Standarddepot: Warum im Test nur sieben Prozent die staatliche Variante wählen
Ein staatliches Standarddepot soll den Einstieg in die geförderte Altersvorsorge vereinfachen. In einer neuen Untersuchung von Sirius Campus und Aeiforia erreicht eine entsprechend ausgestaltete Variante jedoch nur sieben Prozent Wahlanteil. Daraus lässt sich allerdings nicht einfach eine Absage an das Standarddepot ableiten – denn der Test verändert mehrere Merkmale gleichzeitig.
Das geplante Altersvorsorgedepot soll ab 2027 mehr Kapitalmarkt in die geförderte private Altersvorsorge bringen. Neben Angeboten privater Anbieter spielt dabei auch die Frage eine Rolle, wie stark Produkte standardisiert werden können und wie viel Auswahl beziehungsweise Beratung Verbraucher benötigen.
Sirius Campus und Aeiforia haben in der zweiten Welle ihrer Untersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“ verschiedene Produktmerkmale gegeneinander getestet. Das Ergebnis nutzen die Studienautoren für eine deutliche Forderung: Der Staat solle auf ein eigenes Standard-Altersvorsorgedepot verzichten. Ein genauer Blick auf die zugrunde liegende Conjoint-Analyse zeigt allerdings ein differenzierteres Bild.
Staatliches Angebot erreicht sieben Prozent Wahlanteil
Den 932 Befragten wurden unterschiedliche Kombinationen von Produktmerkmalen gegenübergestellt. Das dargestellte staatliche Angebot kam dabei auf einen Wahlanteil von sieben Prozent. Dieses Angebot bestand aus einem Depot ohne persönliche Beratung, ohne Beitragsgarantie und mit hohen Renditechancen. Für die Geldanlage standen zwei ETFs zur Auswahl, ein Wechsel der Anlage war nicht möglich. Die angenommene jährliche Gebühr betrug ein Prozent des Depotwerts. Eine dargestellte Variante einer Filialbank erreichte dagegen 23 Prozent. Sie verband persönliche Beratung mit einer 80-prozentigen Beitragsgarantie und drei gemanagten Anlagestrategien. Drei Wechsel pro Jahr waren kostenfrei möglich. Dafür wurde eine jährliche Gebühr von 2,5 Prozent angesetzt. Eine zweite Bankvariante ohne Garantie, aber mit persönlicher Beratung, einer Auswahl aus 100 Investmentfonds und ETFs, sechs kostenfreien Wechseln und einer Gebühr von einem Prozent erreichte 14 Prozent.
Die sieben Prozent messen nicht allein die Attraktivität des Staates
Damit ist allerdings Vorsicht bei der Interpretation geboten. Zwischen den dargestellten Angeboten verändert sich nicht nur der Anbieter. Gleichzeitig unterscheiden sich Beratung, Garantie, Anlageauswahl, Wechselmöglichkeiten und Kosten. Aus dem Wahlanteil von sieben Prozent lässt sich deshalb nicht isoliert ableiten, ob die Befragten den Staat als Anbieter ablehnen, keine beratungsfreie Lösung wünschen, eine Nullgarantie vermeiden oder lediglich zwei ETFs und fehlende Wechselmöglichkeiten als unattraktiv empfinden.
Auch Sirius Campus verweist in der Pressemitteilung darauf, dass sicherheitsorientierte Befragte den Staat als Anbieter durchaus attraktiv finden. Eigenständige Anleger mit Erfahrung im Online-Depot tendierten dagegen stärker zu garantielosen ETF-Lösungen, erwarteten dabei aber eine größere Anlageauswahl als zwei ETFs.
Mehr als die Hälfte entscheidet sich gegen alle drei Angebote
Eine weitere Zahl relativiert einen einfachen Siegervergleich zusätzlich: 56 Prozent der Befragten wählten keines der drei dargestellten Angebote. Damit erreicht nicht nur das staatliche Modell keinen hohen Wahlanteil – auch die beiden privaten Varianten überzeugen jeweils nur eine Minderheit. Die Untersuchung zeigt damit vor allem, wie stark die Attraktivität eines Altersvorsorgedepots von der Kombination verschiedener Eigenschaften abhängen kann. Sirius Campus zieht daraus den Schluss, dass Preisbereitschaft insbesondere durch Beratung, Beitragssicherheit und bestimmte Anlagestrategien entsteht.
Sirius Campus hält staatliches Angebot für verzichtbar
Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus, geht in seiner Bewertung weiter. Die geringe Abschlussbereitschaft für ein staatliches Standarddepot werde nach seiner Einschätzung dazu führen, dass die staatlichen Investitionen in ein solches Angebot mögliche Einnahmen mehrfach übersteigen. „Die Expertise und Wettbewerbsintensität im Finanzdienstleistungsmarkt ist groß genug, dass auf ein staatliches Angebot auch verzichtet werden kann“, erklärt Gaedeke.
Ob die Untersuchung diesen Schluss bereits trägt, ist allerdings eine andere Frage. Die Conjoint-Analyse zeigt eine geringe Präferenz für eine konkret ausgestaltete Kombination von Merkmalen. Sie erlaubt anhand der veröffentlichten Ergebnisse jedoch nicht, die sieben Prozent allein auf den Staat als Anbieter oder auf den Verzicht auf Beratung zurückzuführen.
Gerade darin liegt möglicherweise die wichtigere Erkenntnis: Beim Altersvorsorgedepot dürfte nicht ein einzelnes Merkmal darüber entscheiden, ob ein Angebot angenommen wird. Anbieter, Beratung, Sicherheit, Anlageauswahl, Flexibilität und Preis werden als Paket bewertet.
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