Industrieversicherung: „Die Vielzahl systemischer Risiken verlangt ein integriertes Risikomanagement“

Veröffentlichung: 01.09.2025, 17:09 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Unternehmen können derzeit vielerorts auf stabile oder sogar bessere Konditionen hoffen, so Willis (WTW) im neuen MarktSpot zur Industrieversicherung. Doch geopolitische Unsicherheiten, Cyber-Bedrohungen und Klimarisiken bleiben Stolpersteine – und stellen die Risikostrategien von Firmen auf die Probe.

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Unternehmen können derzeit vielerorts auf stabile oder sogar bessere Konditionen hoffen, so Willis (WTW) im neuen MarktSpot zur Industrieversicherung.Unternehmen können derzeit vielerorts auf stabile oder sogar bessere Konditionen hoffen, so Willis (WTW) im neuen MarktSpot zur Industrieversicherung.DALL-E

Der deutsche Markt für Industrieversicherungen zeigt sich aktuell weitgehend stabil. In vielen Sparten profitieren Unternehmen von verbesserten Konditionen, sinkenden Prämien und neuen Kapazitäten. Gleichzeitig bleibt die Risikolandschaft anspruchsvoll – vor allem aufgrund geopolitischer Unsicherheiten, Cyberangriffen und Klimarisiken. Das geht aus dem aktuellen MarktSpot hervor, einem halbjährlichen Trendreport von Willis.

„Die Vielzahl systemischer Risiken verlangt heute ein integriertes Risikomanagement: weg vom isolierten Spartendenken, hin zu einer strategischen Gesamtsicht“, sagt Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei Willis. Entscheidend für den Zugang zu Versicherungskapazitäten seien überzeugende Präventionsmaßnahmen und detaillierte Risikoinformationen seitens der Unternehmen.

Geopolitik bleibt Schlüsselfaktor

Während die meisten Sparten positive Entwicklungen zeigen, bleibt das politische Risiko der dominierende Unsicherheitsfaktor. Kreditversicherer verschärfen ihre Risikoprüfung, besonders in Branchen wie Bau, Industrie, Einzelhandel und Energie. „Unruhen und wirtschaftliche Unsicherheiten betreffen viele Länder und damit quasi jedes Unternehmen“, warnt Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich.

Cyberangriffe im Fokus

Staatlich gesteuerte Cyberattacken nehmen zu und verlagern geopolitische Konflikte in den digitalen Raum. Trotz dieser Bedrohung zeigt sich der Cyber-Versicherungsmarkt für Unternehmen vergleichsweise günstig: Der Wettbewerb ist stark, die Kapazitäten hoch, und die technischen Anforderungen an IT-Standards werden flexibler gehandhabt. Nazaruk mahnt dennoch: „Manager stehen in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine zuverlässige IT-Sicherheit zu schaffen. Versäumen sie das, besteht die Gefahr einer Organisationspflichtverletzung, die sich auch auf die Manager-Haftpflichtpolice auswirken kann.“

Klimarisiken und Naturkatastrophen

Im Sachgeschäft bieten neue Anbieter und wachstumsorientierte Versicherer inzwischen verbesserte Konditionen. Doch beim Thema Klimarisiken bleibt die Lage angespannt: Extremwetterereignisse treiben Schäden und Prämien. „Schwere Unwetterereignisse sind Teil unserer Realität geworden, die finanziellen Schäden werden weiter steigen“, so Okur. Unternehmen seien daher gefordert, mit Szenarioanalysen und Prävention gegenzusteuern.

Kfz-Sparte mit strukturellen Problemen

In der Kfz-Versicherung kämpfen die Anbieter weiterhin mit hohen Kosten und Schäden. Zwar konnten Verluste nicht vollständig ausgeglichen werden, doch ausreichend Kapazitäten verhindern übermäßige Preisanpassungen. Steigende Reparatur- und Lohnkosten, insbesondere im E-Mobilitätssegment, bleiben jedoch Belastungsfaktoren.

Firmen müssen beitragen

Insgesamt bleibt der Report optimistisch: Unternehmen, die aktiv zur Risikominimierung beitragen, profitieren. „Tragen Unternehmen ihren Teil zu den Vertragsverhandlungen bei, indem sie fundierte Risikoanalysen zu ihrem Geschäft und zu einzelnen Standorten liefern, Präventionsmaßnahmen ergreifen und frühzeitig in den Dialog mit Versicherern gehen, haben sie gute Chancen auf attraktive Konditionen“, fasst Nazaruk zusammen.

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