KI in der Versicherungswirtschaft: DAV sieht Aktuare in Schlüsselrolle

Veröffentlichung: 27.05.2026, 11:05 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Künstliche Intelligenz verändert die Versicherungsbranche rasant. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) warnt jedoch davor, KI lediglich als Technologieprojekt zu betrachten. Entscheidend seien mathematische Expertise, regulatorisches Verständnis und nachvollziehbare Modelle – insbesondere in sensiblen Bereichen wie Tarifierung, Risikobewertung und Schadenbearbeitung.

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Künstliche Intelligenz verändert Prozesse in der Versicherungswirtschaft grundlegend. Die DAV betont dabei die Bedeutung mathematischer Expertise, transparenter Modelle und regulatorischer Kontrolle beim KI-Einsatz.Künstliche Intelligenz verändert Prozesse in der Versicherungswirtschaft grundlegend. Die DAV betont dabei die Bedeutung mathematischer Expertise, transparenter Modelle und regulatorischer Kontrolle beim KI-Einsatz.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) sieht den verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz als zentrale Zukunftsaufgabe für die Versicherungswirtschaft. Beim digitalen Jahrespressegespräch der Vereinigung standen vor allem regulatorische Anforderungen, konkrete Einsatzfelder sowie die Rolle der Aktuarinnen und Aktuare im Fokus. „KI bietet der Versicherungswirtschaft erhebliche Potenziale, doch der Nutzen entsteht erst durch die fachkundige Anwendung“, sagte Daniela Rode, Vorsitzende des Ausschusses ADS/AI und Vorständin der DAV.

Versicherer setzen KI zunehmend operativ ein

Nach Einschätzung der DAV verändert künstliche Intelligenz Prozesse und Arbeitsweisen in der Versicherungswirtschaft grundlegend. Besonders stark wächst der Einsatz aktuell:

  • in der Schadenbearbeitung,
  • bei automatisierter Dokumentenprüfung,
  • im Kundenservice,
  • sowie im Umgang mit unstrukturierten Daten.

Dabei reicht das Spektrum laut DAV von generativer KI und Sprachmodellen bis hin zu prädiktiven KI-Systemen und klassischen statistischen Verfahren.
Gerade generative KI gewinnt zunehmend an Bedeutung, etwa bei der Analyse von Dokumenten oder der Kommunikation mit Kunden. Gleichzeitig bleiben traditionelle mathematisch-statistische Modelle weiterhin zentrale Bestandteile aktuarieller Arbeit.

Klassische Statistik bleibt wichtig

Die DAV warnt davor, sämtliche analytischen Verfahren pauschal unter den Begriff künstliche Intelligenz zu fassen. „Wichtig ist eine klare Abgrenzung zwischen Statistik und KI, um Unsicherheiten zu vermeiden, Doppelregulierung zu verhindern und Innovationen zu fördern“, betont die Vereinigung. Klassische statistische Verfahren wie verallgemeinerte lineare Modelle spielten insbesondere in der Risikomodellierung und Tarifierung weiterhin eine zentrale Rolle. Ihre Stärke liege vor allem in ihrer hohen Nachvollziehbarkeit. Im Unterschied zu vielen KI-Verfahren arbeiteten diese Modelle auf Basis fest definierter mathematischer Regeln und lieferten reproduzierbare Ergebnisse ohne autonome Entscheidungsmechanismen.

AI Act erhöht regulatorischen Druck

Mit dem europäischen AI Act gelten seit 2025 erstmals verbindliche Anforderungen an den Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Besonders relevant für Versicherer sind dabei Governance-, Transparenz- und Qualifikationsanforderungen. Unternehmen müssen laut Artikel 4 des AI Acts sicherstellen, dass Mitarbeitende über ausreichende Kompetenzen im Umgang mit KI verfügen. Damit wächst zugleich der Druck auf Versicherer, KI-Systeme nicht nur technologisch, sondern auch regulatorisch sauber zu implementieren. „Entscheidend ist dabei eine fundierte Methodenwahl, Modellierung sowie die Prüfung und Überwachung der Modelle“, sagte Daniela Rode.

Aktuare sollen Transparenz und Fairness sichern

Nach Auffassung der DAV kommt Aktuarinnen und Aktuaren beim KI-Einsatz deshalb eine besondere Rolle zu. „Aktuarinnen und Aktuare verbinden mathematisch-statistische Expertise mit versicherungsspezifischem Branchenwissen und regulatorischem Verständnis“, so Rode. „So sorgen sie dafür, dass KI transparent, nachvollziehbar und diskriminierungsfrei eingesetzt wird.“ Gerade im Versicherungsumfeld sei die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen besonders wichtig. Schließlich betreffen KI-Modelle häufig sensible Themen wie:

  • Risikoprüfung,
  • Tarifierung,
  • Schadenregulierung,
  • oder Leistungsentscheidungen.

Fehlerhafte oder diskriminierende Modelle könnten hier erhebliche rechtliche und reputative Risiken verursachen.

DAV baut KI-Ausbildung aus

Die DAV hat ihr Ausbildungs- und Weiterbildungsangebot inzwischen deutlich erweitert. Seit Anfang 2026 bietet die Vereinigung mit „Fit4AI kompakt“ eine zertifizierte Weiterbildung für Aktuarinnen und Aktuare an. Bereits seit 2018 existiert zudem die Spezialisierung zum „Certified Actuarial Data Scientist“ (CADS). Zusätzlich wurde das verpflichtende Grundwissenfach „Data Science und Künstliche Intelligenz“ in die Ausbildung integriert. „Ein verantwortungsvoller KI-Einsatz entsteht durch das Zusammenspiel von Daten- und Methodenkompetenz, fundiertem Domänenwissen sowie Expertise in Versicherungstechnik und Regulatorik“, erklärte Rode.

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