Voll im Risiko: Vier von zehn Freelancern arbeiten ohne Berufshaftpflicht

Veröffentlichung: 24.06.2026, 14:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Freelancer tragen Verantwortung für Projekte, Budgets und Geschäftsprozesse ihrer Auftraggeber. Dennoch verzichten viele Selbstständige auf einen grundlegenden Versicherungsschutz. Eine aktuelle Studie von freelance.de und Hiscox zeigt: Vier von zehn Freelancern haben keine Berufshaftpflichtversicherung. Gleichzeitig unterschätzen viele typische Haftungsrisiken ihrer täglichen Arbeit.

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„Wir sehen täglich, wie schnell kleine Fehler für Freelancer teuer werden können“, sagt Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox.„Wir sehen täglich, wie schnell kleine Fehler für Freelancer teuer werden können“, sagt Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox.Hiscox

Die Zahl der Freelancer in Deutschland wächst seit Jahren. Viele von ihnen übernehmen anspruchsvolle Aufgaben in IT-Projekten, im Consulting, Marketing oder in technischen Spezialbereichen. Mit der zunehmenden Verantwortung steigen jedoch auch die Haftungsrisiken. Wie groß die Lücke zwischen Risiko und Absicherung ist, zeigt die aktuelle Freelancer-Studie 2026 von freelance.de und dem Spezialversicherer Hiscox. Demnach verfügen 41 Prozent der befragten Freelancer über keine Berufshaftpflichtversicherung. Fast jeder Vierte hat sogar überhaupt keine Versicherung abgeschlossen.

Hohe Verantwortung, geringe Absicherung

Die Ergebnisse überraschen, denn gerade Freelancer haften im Zweifel persönlich für Schäden, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit entstehen. Anders als Angestellte können Selbstständige bei Fehlern, Projektverzögerungen oder Beratungsfehlern unmittelbar mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Kommt es zum Streitfall, müssen Betroffene die Kosten häufig aus eigener Tasche tragen. Besonders problematisch: Viele Freelancer scheinen typische Haftungsrisiken deutlich geringer einzuschätzen, als sie in der Praxis auftreten.

Risikobewusstsein bleibt begrenzt

Laut Studie halten lediglich 31 Prozent der Befragten Schäden durch Projektverzug, Projektausfall oder Projektabbruch für ein relevantes Risiko. Noch niedriger fällt die Wahrnehmung bei klassischen Vermögensschäden aus. Nur 18 Prozent sehen mangelhafte Leistungen oder Fehlberatung als ernsthafte Gefahr. Die Verletzung von Rechten Dritter – etwa durch Urheberrechtsverstöße – betrachten sogar lediglich zwölf Prozent als relevantes Risiko. Dabei gehören genau solche Fälle zu den häufigsten Ursachen für Auseinandersetzungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. „Wir sehen täglich, wie schnell kleine Fehler für Freelancer teuer werden können“, sagt Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox.

Projektverzug bleibt ein unterschätztes Risiko

Nach Angaben des Versicherers zählen insbesondere Projektverzögerungen zu den häufigsten Schadenursachen. Gerade in der IT-, Beratungs- oder Kreativbranche hängen Projekte oft von mehreren Beteiligten, engen Zeitplänen und komplexen Anforderungen ab. Verzögerungen können für Auftraggeber erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. „Als Spezialversicherer wissen wir, welche Risiken diese Zielgruppe besonders häufig treffen – vom Projektverzug, was die häufigste Schadenursache in unserer Praxis ist, bis zu Streit um Urheberrechte“, erklärt Thamm.

Selbstständigkeit bedeutet auch Risikomanagement

Die Ergebnisse der Studie werfen eine grundsätzliche Frage auf: Warum verzichten viele Freelancer trotz ihrer unternehmerischen Verantwortung auf eine Absicherung gegen berufliche Risiken? Eine mögliche Erklärung liegt im Selbstverständnis vieler Solo-Selbstständiger. Häufig stehen Projektgewinnung, Kundenarbeit und fachliche Qualifikation im Vordergrund, während organisatorische Themen wie Risikomanagement oder Absicherung nachrangig behandelt werden. Hinzu kommt, dass Haftungsrisiken oft abstrakt wirken – bis der erste Schadenfall eintritt.

Neue Risiken durch Digitalisierung und KI

Die zunehmende Digitalisierung könnte die Bedeutung professioneller Haftungsabsicherung künftig weiter erhöhen. Freelancer arbeiten heute häufiger mit sensiblen Daten, automatisierten Prozessen und KI-gestützten Anwendungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, Dokumentation und Urheberrecht.
Dadurch entstehen neue Haftungsrisiken, die über klassische Beratungsfehler hinausgehen. Gerade bei KI-generierten Inhalten, Softwareprojekten oder datengetriebenen Dienstleistungen könnten Streitfälle künftig häufiger werden.

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